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100 Jahre Christengemeinschaft

Vergangenheit, Gegenwart, Entwicklungen

Interview mit Eva Bolten, Studentin am Priesterseminar, Frank Hörtreiter, Christian Bartholl, beide Pfarrer der Christengemeinschaft

 

 

 

 

 

Was ist die Grundgeste von Religion? Wofür brauchen wir Menschen sie im 21. Jahrhundert? Die Christengemeinschaft hat in den letzten 100 Jahren ein religiöses Leben aufgebaut. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert. Beginnend mit der Gründung nach dem ersten Weltkrieg, dann in den Wirrungen der Nazizeit und nach den konservativen Nachkriegsjahren hat sie sich heute zu einer paritätischen Gemeinschaft entwickelt, in der Mitglieder in Zusammenarbeit mit der Priesterschaft das Gemeindeleben gestalten. Die Freiheit des Einzelnen und ein individuell entwickeltes Verhältnis zur göttlichen Welt bilden die Grundlage für die Zusammenarbeit in einer Gemeinschaft. Dabei ist die Ausführung der Sakramente der zentrale und bleibende Kern in allen diesen Verwandlungen. 

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Anthroposophie – eine Zumutung?

Faszination und Hindernisse auf dem Weg zu einer neuen Weltsicht

Gespräch mit Wolfgang Müller, langjähriger NDR-Redakteur, jetzt freier Autor

Die Anthroposophie „hat der Welt etwas Wichtiges, buchstäblich Not-Wendiges mitzuteilen“, so Wolfgang Müller. Andererseits scheint sie für heutige naturwissenschaftlich geprägte Menschen schwer zugänglich zu sein – eine Zumutung. Wolfgang Müller zeigt auf, wie durch die Anthroposophie auf Fragen und Probleme der heutigen Kultur eben durch diese Anstrengung ein Weg zu guten Lösungen gefunden werden kann.

Wolfgang Müller, 1957 geboren, wuchs in Speyer am Rhein auf. Er studierte Geschichte und Germanistik in Heidelberg und Hamburg. Bis 2020 war er Fachredakteur für Zeitgeschichte beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg, wo er jetzt als freier Autor lebt. Seine Artikel erscheinen in anthroposophischen Zeitschriften, gelegentlich auch in taz, Zeit und FAZ. Zuletzt erschien sein Buch »Zumutung Anthroposophie. Rudolf Steiners Bedeutung für die Gegenwart«.

 

Christine Pflug: Sie sind nicht „anthroposophisch sozialisiert“, also nicht durch Elternhaus oder Waldorfschule an die Anthroposophie herangekommen, und außerdem erst nach einem ganzen Berufsleben in einem anderen Feld, als Redakteur im NDR. Wie war dieser Prozess?

Wolfgang Müller: Die erste Begegnung mit der Anthroposophie war eigentlich doch schon vor über zwanzig Jahren, angeregt durch einen Freund. Damals habe ich auch schon mehrere Werke von Rudolf Steiner gelesen. Aber es hat bei mir nicht recht gezündet. Allein zum Beispiel, wie Steiner die geistigen Welten quasi im Breitwandformat ausmalt, als eine höchst konkrete, vielgestaltige Wirklichkeit, das fand ich eher befremdlich. Es war jedenfalls nicht die Art Spiritualität, die mir nahelag.

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In welcher Welt leben wir?

Megatrends und die VUCA-Welt

Interview mit Silke Stremlau, Sozialwissenschaftlerin und Vorständin der Hannoverschen Kassen

Unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig – so erleben wir immer mehr unsere Welt.  Das sind Bedingungen in unserer Gesellschaft, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, und diese spiegeln sich auch in Unternehmen und Organisationen. Die sogenannte VUCA-Welt beschreibt vier Herausforderungen, die wir in unserer Arbeit und auch im persönlichen Leben zu meistern haben. „Was gibt uns Sinn?“ und „Wie kann ich mich selbst führen?“ sind dabei wichtige Fragen.

Interviewpartnerin: Silke Stremlau (Jg. 1976) ist seit 2018 Vorständin der Hannoverschen Kassen – einer nachhaltigen Pensionskasse. Frau Stremlau verantwortet dort die Bereiche Kapitalanlage, Nachhaltigkeit und Personal. Zuvor war sie als Generalbevollmächtigte bei der BANK IM BISTUM ESSEN eG tätig. Zwischen 2000 und 2015 hat sie als Gesellschafterin bei der imug Beratungsgesellschaft den Bereich „Nachhaltiges Investment“ aufgebaut und geleitet und dort eine umfassende Expertise in Sachen Sustainable Finance entwickelt. Sie studierte an der Universität Oldenburg Sozialwissenschaften mit Schwerpunkt Umweltpolitik und an der Akademie deutscher Genossenschaften (ADG) erlangte sie den Grad Dipl. Bankbetriebswirtin Management. Silke Stremlau war zudem stellv. Vorsitzende des Sustainable Finance Beirates der letzten Bundesregierung und ist stellv. Aufsichtsratsvorsitzende bei der UmweltBank AG in Nürnberg

Christine Pflug: Sie haben eine Schrift verfasst in der Sie darstellen: Das, was in der Gesellschaft lebt, spiegelt sich in Unternehmen wider. Es gibt aus der Soziologie den Begriff VUCA, mit dem die derzeitige Gesellschaft beschrieben wird und der gleichzeitig auf die Unternehmenswelt zutrifft. Was ist VUCA?

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„… gib jedem seinen eignen Tod“

Gedanken zum Sterben und zum assistierten Suizid

Interview mit Ulrike Steurer, Ärztin, Dr. med. Irene Stiltz, Ärztin, Jörgen Day, Pfarrer i.R.

      

… gib jedem seinen eignen Tod. Das Sterben, das aus jenem Leben
geht, darin er Liebe hatte, Sinn und Not.“ ¹Rainer Maria Rilke

Welchen Tod wünschen wir uns? Ist in einer extremen Situation eine Selbsttötung, sei es durch eine Assistenz oder alleine durchgeführt, Ausdruck oder Verletzung der Menschenwürde? Im Februar 2020 hat das Bundesverfassungsgericht die „Beihilfe zur Selbsttötung“ auf geschäftsmäßiger Grundlage für nicht mehr strafbar erklärt. Seitdem wird über den Handlungsbedarf und die Rahmenbedingungen auf gesellschaftlicher und politischer Ebene diskutiert.

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Der Zukunft zur Gegenwart verhelfen

Interview mit Ulrich Meier, Pfarrer der Christengemeinschaft

Die Zukunft kommt uns nicht entgegen,
sie liegt nicht vor uns,
sondern sie strömt von hinten über unser Haupt.
Rahel Varnhagen, Berliner Salondame des ausgehenden 18. Jahrhunderts

Wie kann ich mir als Einzelner und wie können wir uns als Gesellschaft einen positiven Zugang zur Zukunft verschaffen? Diese Frage ist gerade in der jetzigen Zeit drängend. Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat mit der Regnose einen Weg gefunden, wie man zum Akteur der eigenen Zukunft werden kann. Dabei ist es wichtig, die Vergangenheit so zu integrieren, dass man an ihr die Ressourcen entdeckt, um einen offenen, freien Blick für die Zukunft zu finden.

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Wo steht die Kunst? Wofür brauchen wir sie?

Beiträge von Tille Barkhoff, Elmar Lampson, Amadeus Templeton, Joachim Heppner, Roswitha Meyer-Wahl, Ulrich Rölfing

Dass die Kunst, bzw. die KünstlerInnen in den letzten eineinhalb Jahren gelitten haben, ist uns allen bekannt. Auch wenn jetzt wieder ein Aufschwung kommt, ist es unsicher, ob das kulturelle Leben weitergehen wird. Die Umsatzeinbußen durch Corona in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland können sich durch die Absage von zahlreichen Veranstaltungen und der Schließung von Kunst- und Kulturstätten in 2020 bis zu 28 Milliarden Euro belaufen. Wie erleben das die KünstlerInnen selbst, deren Arbeit als nicht systemrelevant eingestuft wird? Und was macht das mit uns als Gesellschaft, wenn wir die Kunst nicht mehr haben?

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„Meine künstlerische Muttersprache ist nun mal der Mensch“

Über den Künstler Ernst Barlach

Vor 150 Jahren wurde Ernst Barlach in Wedel geboren. Gerade in Norddeutschland und speziell in Hamburg hat er seine künstlerischen Spuren hinterlassen, z. B. im Barlach-Haus im Jenisch-Park, im Ernst Barlach Museum in Wedel, die Barlach-Stele in der Nähe des Jungfernstiegs. Barlachs Arbeiten setzen sich mit dem Menschen, seinen Lebensbedingungen und seinen Haltungen zum Leben auseinander. Es sind vor allem seine markanten Holzplastiken und Bronzen, seine „Gestalten auf der Bühne des Menschseins“, die einen starken Eindruck erwecken.
(Dieser Artikel enthält u. a. Auszüge aus einem Vortrag von Jörg Kirschmann, Pfarrer der Christengemeinschaft in Lübeck, der im August dieses Jahres einen Vortrag über Ernst Barlach in der Michaels-Kirche in Blankenese hielt.)

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Was ist der Zeitgeist?

Was lebt in unserer Zeit? Was steht dahinter? Wozu werden wir herausgefordert?

Beiträge von Ulrich Meier, Maria Schulenburg, Thomas Mayer, Christine Rüter, Birgit Philipp, Matthias Bölts

Wir leben in einer sehr besonderen Zeit. Es ist die weltweite Pandemie, die unser Fühlen, Denken, Handeln, unser ganzes Leben in der Gegenwart stark beeinflusst. Es gab auch ein „Davor“, in dem man nach der Ursache für diese jetzige Lage sucht. In der Politik wird gegenwärtig heftig und kontrovers um einen angemessen Umgang gerungen. Und jeder stellt sich die Frage des „Wohin“: So, wie es davor war? Und wenn nicht: Was könnte das Neue sein? Viele von uns bemühen sich, die Bedeutung und den Hintergrund dieser besonderen Lage herauszufinden; man liest das in Zeitungen, tauscht sich in Gesprächen aus, und in kurzer Zeit sind schon einige Bücher dazu erschienen.
So entstand auch die Idee, einige Menschen im Hamburger Umfeld nach ihren Erlebnissen und Gedanken zu fragen.
Der Zeitgeist ist die Denk- und Fühlweise eines Zeitalters, die Eigenheit einer bestimmten Epoche. Aber interessanterweise hat nach den Forschungen Rudolf Steiners der „Zeitgeist“ auch noch eine andere Bedeutung: Es ist die Bezeichnung für ein geistiges Wesen, für einen Erzengel, der für eine Epoche die Menschheit prägt und bestimmte Entwicklungen anstößt.
In diesem Spannungsfeld haben sich die sechs Autoren bemüht, auf ein „Dahinter“ zu schauen. Es war meine Bitte, sich tastend, fragend, auch fragmentarisch um einen Beitrag zu bemühen. Fertige Lösungen und schnelle Antworten wären verkürzt. So sind sehr unterschiedliche, individuelle, auch kontroverse Sichtweisen dabei zusammengekommen, und Sie können sich als Leser*in auf eine spannende Lektüre freuen. (Christine Pflug)
 (Die Beiträge sind im September oder Anfang Oktober geschrieben worden, die genannten Zahlen und der Sachstand beziehen sich auf diesen Zeitraum)

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Verantwortungseigentum

ein Unternehmensmodell fürs 21. Jahrhundert

Artikel von Dr. Till Wagner, Vorstand der Stiftung Verantwortungseigentum

Sollte die Wirtschaft dem Menschen dienen oder der Mensch der Wirtschaft? Geht es primär um die Gewinne einzelner oder um das Wohlergehen aller? Sollte der Antrieb, Gewinne zu erwirtschaften, reiner Selbstzweck oder eher Mittel zum Zweck – nämlich dem eigentlichen Unternehmenszweck sein? Vielen ist deutlich, dass unsere Wirtschaft anders gestaltet werden muss, damit nicht „marktwirtschaftliche und damit freiheitliche Prinzipien ausgehöhlt werden“. Verantwortungseigentum kann ein passendes Instrument sein, Unternehmen in diesem Sinne auszurichten.

Dr. Till Wagner, Vorstand der Stiftung Verantwortungseigentum, studierte Wirtschaftswissenschaften und Philosophie und begleitet seit Jahren Unternehmen in Verantwortungseigentum. Er stellte die Grundsätze der Stiftung bei der Mitgliederversammlung der Gemeinnützigen Treuhandstelle Hamburg am 23.6.2020 vor.

Was haben eine führende Warenhaus- und Baumarkt-Kette, ein Bio-Lebensmittelhersteller, ein führendes Unternehmen der Optik-Industrie sowie eine Internet-Suchmaschine mit ökologischen Unternehmenszielen gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, außer dass es sich bei allen um sehr erfolgreiche deutsche Unternehmen handelt. Doch was Globus, Alnatura, Zeiss und Ecosia und mit ihnen rund 200 weitere große und kleinere deutsche Unternehmen miteinander verbindet, ist ihr Verständnis von Firmeneigentum. Sie alle haben eine Unternehmensform gewählt, die Verbraucherinnen und Verbrauchern kaum und selbst Fachleuten in Politik und Wirtschaft nur wenig bekannt ist: Verantwortungseigentum.

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männlich, weiblich, divers …

Über sexuelle Identität und Ich-Findung heute

Interview mit Frank Hörtreiter, Öffentlichkeitsbeauftragter der Christengemeinschaft

Queer, Transgender, Transsexualität – alles Begriffe, die in den letzten Jahren immer öfter auftauchen und zeigen, dass diese Themen in der Öffentlichkeit angekommen sind und immer mehr diskutiert werden. 2017 kam es durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Einführung eines dritten Geschlechts. Seit Anfang dieses Jahres muss auf allen behördlichen Formularen neben „männlich“ und „weiblich“ auch der Begriff „divers“ vermerkt werden. Hinter „divers“ verbergen sich vielfältige geschlechtliche Möglichkeiten, die biologischer und auch seelischer Natur sein können.
Bei der deutschen ZEIT-Vermächtnisstudie 2016 gaben von den 3.104 Befragten 3,3% an, „entweder ein anderes Geschlecht zu haben als bei ihrer Geburt zugewiesen oder sich schlicht nicht als weiblich oder männlich zu definieren. Das heißt: Knapp 2,5 Millionen Deutsche […]“. Tania Witte: Andersrum ist auch nicht besser: Willkommen im Mainstream. In: Zeit Online. 15. Juni 2017, abgerufen am 8. November 2019.
In der ZEIT vom 20. Mai 2020 war in einem Artikel („Vom Recht, anders zu sein“) zu lesen, dass in „explodierenden Zahlen“ auch immer mehr Jugendliche mit ihrem Geschlecht nicht zurechtkommen. Sie lassen mit ärztlicher Behandlung eine Geschlechtsumwandlung durchführen. In Schweden stieg zwischen 2008 und 2018 die Zahl um 1.500 Prozent, in Deutschland ist der Trend ähnlich. Ein Thema, das auch bei Experten mehr Fragen als Antworten und kontroverse Positionen hervorruft.
Tritt mit dem Thema „Transidentität“ etwas in die Öffentlichkeit, was es immer schon gab, jetzt aber anerkannt wird und den Betreffenden eine neue Stimmigkeit in ihrem Körper und Leben verschafft?
Könnten es Anzeichen einer menschheitlichen Entwicklung sein, dass sich die Unterscheidung in zwei Geschlechter auflöst, wie Rudolf Steiner es für sehr zukünftige Zeiten beschrieben hat? Der Komponist Anton Webern, ein Schüler Schönbergs, sagte im letzten Jahrhundert: „Aus der Zweigeschlechtlichkeit ist ein Übergeschlecht entstanden.“ (Er sieht die Zwölftönigkeit als Fortführung der Dur-Moll-Tonalität, bei der Dur und Moll dem Männlichen und Weiblichen zugeordnet wird.) Beschleunigen sich heute Entwicklungen in einem Tempo, wie man es vor 100 Jahren nicht gedacht hätte?
Nächstes Jahr wird es von anthroposophischer Seite eine Fachtagung zu dem Thema geben „Mädchen, Junge, Divers? Das Geschlecht und seine Variationen“ (siehe am Ende des Interviews).
Wir haben es anscheinend mit einer kulturellen Entwicklung zu tun, die von uns verlangt, dass wir uns damit auseinandersetzen.

Interviewpartner: Frank Hörtreiter, geb. 1944, Studium der klassischen Philosophie und am Priesterseminar der Christengemeinschaft. Seit 1969 verheiratet, seit 1970 Priester, seit über 15 Jahren Öffentlichkeitsbeauftragter der Christengemeinschaft. Tätig als Pfarrer in Hamburg von 1970-1973 und 1996-2006, dazwischen 23 Jahre in Hannover und in Stuttgart und die letzten 14 Jahre wieder in Hannover; seit 5 Jahren emeritiert. Zurzeit schreibt er eine Studie Die Christengemeinschaft im Nationalsozialismus und ein Buch Geschichte der Christengemeinschaft. Seit ungefähr eineinhalb Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Transsexualität, seit ungefähr 25 Jahren mit gleichgeschlechtlicher Liebe.

 

Christine Pflug: Ich finde es interessant, dass Sie sich mit dem Thema gleichgeschlechtliche Liebe und Transsexualität nicht aus einer persönlichen Betroffenheit heraus beschäftigen (was abgesehen davon genauso gut wäre). Sie leben in einer „klassisch-konservativen“ Situation, sind seit über 50 Jahren mit derselben Ehefrau verheiratet, haben 4 Kinder, 8 Enkelkinder, wussten seit Jugendjahren, dass Sie Pfarrer werden wollen … Was ist Ihr Anliegen?

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Engel

Wie Engel heute führen oder warum eine Führung „von oben“ nicht mehr klappt!

Interview mit Dr. Hans-Bernd Neumann, Pfarrer

Heute ist das Thema Engel wieder populär, nachdem es im 20. Jahrhundert nur von wenigen Literaten beachtet wurde. Seit einigen Jahrzehnten gibt es viele Bücher, Veröffentlichungen, sogar Kongresse dazu. Welche Wesen sind die Engel? Wie wirken sie? Wie können wir uns an sie wenden? Vielleicht gewinnen solche Fragen in Krisenzeiten wie der jetzigen an Bedeutung.

Der Vortrag von Herrn Dr. Neumann mit dem Titel „Engel – sie sind niemals sentimental. Wie Engel heute führen oder warum eine Führung „von oben“ nicht mehr klappt. Von der Ressourcennutzungs- zur Potentialentfaltungsgemeinschaft“ fand statt am 4. Juni 2020 in der Lukas-Kirche in Volksdorf.

Interviewpartner: Hans-Bernd Neumann, verheiratet, 4 erwachsene Kinder. 1999 wurde er zum Pfarrer geweiht, er arbeitete in Bielefeld, Tübingen und jetzt in Reutlingen. Im ersten Beruf Dr. der Physik, an sechs Universitäten studiert, „eigentlich wollte ich die Universitätskarriere durchziehen“. Als er bei DESY („Deutsches Elektronen-Synchroton“) in Hamburg als Physiker arbeitete, lernte er die Christengemeinschaft kennen. „Ich habe nie mit der Physik gebrochen, ich war dort nie frustriert, aber ich lernte in meiner Hamburger Zeit, dass es noch einen anderen Bereich des Seins zu entdecken gibt. Ich habe die Theologie mehr als eine Erweiterung der Physik erlebt und nicht als eine Begrenzung.“

Christine Pflug: Engel werden von Dichtern und in anderer Literatur mitunter als furchterregend beschrieben, z. B. heißt es bei Rilke: „Jeder Engel ist schrecklich“ oder „… und gingen wie Erzürnte durch das Haus und griffen dich als ob sie dich erschüfen und brächen dich aus deiner Form heraus.“
Wie sind Engel?

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Corona – was ist die Chance in der Krise?

verschiedene Beiträge zu dem Thema

 

Was bedeutet eine Epidemie für den kulturellen und geistigen Fortschritt der Menschheit?

Einige Gedanken zu dem Thema von Dr. med. Wolfgang Rißmann, Psychiater

Bereits 1972 erstellten die Mitglieder des Club of Rome eine Studie zur Zukunft der Weltwirtschaft: „Die Grenzen des Wachstums“ (Originaltitel: englisch The Limits to Growth).

Das benutzte Weltmodell diente der Untersuchung von fünf Tendenzen mit globaler Wirkung: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum. So wurden Szenarien mit unterschiedlich hoch angesetzten Rohstoffvorräten der Erde berechnet, oder eine unterschiedliche Effizienz von landwirtschaftlicher Produktion, Geburtenkontrolle oder Umweltschutz angesetzt. Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden.1973 wurde der Club of Rome dafür mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Trotz dieser warnenden Vorausschau können wir heute 48 Jahre später feststellen, dass diese Warnrufe wenig gehört wurden. Nach wie vor äußern sich führende Wirtschaftsfachleute und Politiker so, dass eine gesunde Wirtschaft wachsen müsse. Wie weit und wohin soll sie eigentlich wachsen?

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100 Jahre Anthroposophische Medizin

Interview mit Dr. med. Irene Stiltz und Thomas Klimpel, Anthroposophische Medizin (GAÄD)

„Nicht um eine Opposition gegen die mit den anerkannten wissenschaftlichen Methoden der Gegenwart arbeitende Medizin handelt es sich. … Allein wir fügen zu dem, was man mit den heute anerkannten wissenschaftlichen Methoden über den Menschen wissen kann, noch weitere Erkenntnisse hinzu, die durch andere Methoden gefunden werden und sehen uns daher gezwungen, aus dieser erweiterten Welt- und Menschenerkenntnis auch für eine Erweiterung der ärztlichen Kunst zu arbeiten.“

aus „Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst“ von Rudolf Steiner u. Ita Wegman

Heute wünschen sich die meisten Menschen eine Medizin, die wissenschaftlich und gleichzeitig ganzheitlich arbeitet. Seit 100 Jahren gibt es nun die Anthroposophische Medizin, und sie verbindet Schulmedizin und ergänzende Behandlungsformen. Der Mensch wird immer als Ganzes gesehen, mit Körper, Seele und Geist und daran orientiert sich die Diagnostik und Therapie. Krankheit hat einen Sinn für den betreffenden Menschen, und in der Heilung findet er zu einem neuen Gleichgewicht.

Interviewpartner:
Dr. med. Irene Stiltz, niedergelassen seit 1996 als Allgemeinärztin mit Schwerpunkt Anthroposophische Medizin; war über 20 Jahre Schulärztin an der Bergedorfer Rudolf Steiner Schule, einige Zeit auch als Ärztin in der Sozialtherapie tätig. Mitarbeit in einem Team, das  schwerkranke Patienten ambulant versorgt (Palliativmedizin). Im Zusammenhang damit entstand eine Mitarbeit in der Medizinischen Sektion in Dornach für Palliativmedizin; es wird dabei erarbeitet, was die Anthroposophische Medizin über die schulmedizinische Versorgung hinaus in der Palliativmedizin beitragen kann.

Thomas Klimpel, anthroposophischer Arzt, seit 2001 gemeinsam mit seiner Frau in einer Kassen-Hausarztpraxis in Hamburg niedergelassen. Facharzt-Ausbildung in der internistisch-anthroposophischen Abteilung im Krankenhaus Rissen. Seit 2000 auch ärztliche Versorgung von Erwachsenen mit Betreuungsbedarf in der sozialtherapeutischen Einrichtung Franziskus e.V.

 


Christine Pflug: Wie ist die Anthroposophische Medizin 1920 entstanden? Weiterlesen „100 Jahre Anthroposophische Medizin“

Wir müssen die gesellschaftliche Transformation schaffen!

Neue Nachhaltigkeitsansätze in der Wirtschafts- und Finanzwelt

Interview mit Dirk Grah, Regionalleiter der GLS-Bank Hamburg

Eigentlich ist das Thema Klimawandel schon seit vielen Jahren präsent. 2015 gab es das Klimaabkommen in Paris, Wissenschaftler, einige Politiker wie Al Gore, Umweltverbände kümmerten sich um diese Probleme, aber sie wurden wenig beachtet – bis vor einem Jahr, als sich ein Mädchen mit einem Pappschild in Schweden vor das Parlament setzte. Seitdem ist eine weltweite Dynamik entstanden, die sich jetzt auch in strengeren Reglementierungen für Wirtschaft und Finanzindustrie niederschlägt.

Interviewpartner: Dirk Grah, (Volkswirt und Biologielehrer), Regionalleiter der GLS Bank Hamburg seit 1993. Vorstand im Zukunftsrat Hamburg und Mitarbeit in der Handelskammer Hamburg.

Christine Pflug: Es werden strengere Regeln für ökologische und ethische Investitionen eingeführt. Woran liegt das? Hat Fridays for Future Druck gemacht, ist die Menschheit gar vernünftiger geworden …?

Dirk Grah: Man muss sich dazu die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre anschauen. Al Gore z.B. (Albert Arnold „Al“ Gore Jr. * 31. März 1948 in Washington, D.C. ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei), Unternehmer sowie Umweltschützer. Von 1993 bis 2001 war er unter Präsident Bill Clinton der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. 2007 erhielt er den Friedensnobelpreis. Aus: Wikipedia) hat schon sehr früh angefangen, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Er ist mit großem Wissen und viel Geld durch die Welt gereist, hat Filme gedreht, Unterstützer ausgebildet usw. Theoretisch war das Thema Klimawandel bei Wissenschaftlern, dann bei einigen Politikern wie Al Gore schon viele Jahre präsent, aber es war nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen; Umweltverbände, Aktivisten etc. kümmerten sich darum, aber die standen am Rande. 2015 gab es das Klimaabkommen in Paris, die Weltgesellschaft hatte intellektuell verstanden, dass etwas passieren muss, aber es fehlten die nötigen Konsequenzen. Weiterlesen „Wir müssen die gesellschaftliche Transformation schaffen!“

Das alte und das neue Jahr

Interview mit Christian Bartholl, Pfarrer der Christengemeinschaft 


In der Zeit zwischen dem alten und dem neuen Jahr liegt es nahe, dass wir zurückblicken. Was ist im letzten Jahr in der Welt geschehen? Gab es erfreuliche Entwicklungen, Vorbildliches, Erschreckendes, Zerstörung? Was habe ich persönlich damit zu tun? Wir alle haben zu verantworten, wie es mit uns und der Erde weitergeht. Welche Vorhaben möchten wir alleine und auch in Gemeinschaft in Zukunft realisieren?


Interviewpartner: Christian Bartholl wurde in Stade geboren, 2006 als Pfarrer geweiht, 5 Jahre war er tätig in München und seit 8 Jahren in Hamburg-Volksdorf. Seit 2 Jahren trägt er Verantwortung für die Christengemeinschaft Norddeutschland. Er war im früheren Beruf Grafik-Designer und arbeitete für Zeitschriften- und Buchverlage.


 

Christine Pflug: In den Gemeinden der Christengemeinschaft werden am 31. Dezember Sylvesterpredigten gehalten. Was macht so eine Sylvesterpredigt aus?

Christian Bartholl: In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr neigt man dazu, eine Rückschau zu halten, auch für sich persönlich: Wo stehe ich in meinem Leben und was wird mir das nächste Jahr bringen? Was war substanziell im letzten Jahr? Ich versuche, auf einer gesellschaftlichen Ebene die wichtigen Motive des Jahres zu finden und zum Inhalt der Sylvesterpredigt zu machen. So ein Rückblick könnte auch eine andere Form haben, in manchen Gemeinden trifft man sich und tauscht sich gemeinsam aus.

P.: Auf was blicken Sie in 2019 zurück?

Bartholl: Mir ist als eindrückliches Bild die Waldbrände im Amazonas-Gebiet geblieben, stellvertretend dafür, wie wir heute mit der Erde umgehen. Auch in den Jahren davor war das ein wichtiges Thema, aber es spitzt sich immer mehr zu. Man merkt, wie groß die Zerstörung der Welt und ihrer Ressourcen ist. Man könnte auch sagen: Die Erde brennt! Und die Art und Weise, wie wir heute in unserer Zivilisation leben, ist auch eine übermäßige Verbrennung von Rohstoffen. Wenn man auf den Körper schaut, findet da auch Verbrennung statt: Wie verbrennen Nahrungsmittel, damit wir leben können. Man könnte sagen: Damit überhaupt geistiges Leben und Zivilisation entstehen kann, muss Verbrennung sein, aber es werden so viele Ressourcen aufgebraucht, dass für später nicht mehr viel übrig bleibt. Das Gleichgewicht geht verloren.

C. P.: Nun hängt ja in Brasilien der Amazonas-Brand, der immer noch nicht gelöscht wird, mit der dortigen Regierung zusammen, die allerdings demokratisch vom Volk gewählt wurde. Immer mehr rechtsradikale Regierungen sind in 2019 an die Macht gekommen. Auch das ist ein Symptom.

die Zerstörung der Ressourcen und politisch gesehen die Vereinzelung

C. Bartholl: Diese „Verbrennung“ wird nicht dafür eingesetzt, dass mehr heilender Geist entsteht, zu dem auch die Menschheit beitragen kann, sondern es steht Egoismus dahinter: „Mir soll es gut gehen, und wie es dem anderen geht, ist mir egal“ – das ist die Grundgeste, die man an vielen Stellen der Welt sieht. Insofern hängt das eine Phänomen mit dem anderen zusammen. Auf der einen Seite steht die Zerstörung der Ressourcen, auf der anderen Seite politisch gesehen die Vereinzelung, und wir schaffen es nicht, etwas für die Gemeinschaft entstehen zu lassen. Es ist z. B. traurig, wenn man die Wahlergebnisse im Herbst 2019 im Osten anschaut: Eine Gesellschaft driftet auseinander; viele fühlen sich nicht verstanden, und andere können es nicht richtig hören. Auch das ist ein Grundproblem: Wir können nicht richtig hinhören. Die Frage ist: Wie können wir eine vertiefte Form des Hinhörens üben, einmal im persönlichen Kontakt, aber auch im Größeren?

In der Politik haben wir eine Form der Diskussion: Ein Argument kommt auf das nächste, und der mit den scheinbar besseren Argumenten gewinnt. Häufig ist es so, dass dann ein großer Teil der Bevölkerung sich darin nicht wiederfinden kann. Das führt zu Spaltungen. Statt Diskussion sollte der Dialog geführt werden. Im Dialog geht es darum, den anderen wirklich zu verstehen und gut zuzuhören.

C. P.: Damit wären wir bei den Wünschen für die Zukunft. Welche Ereignisse fanden sie in 2019 noch bemerkenswert?

Menschen stehen ein für ihre Sache und übernehmen Verantwortung!

C. Bartholl: Zusammenhängend mit dem übermäßigen Verbrauch von Ressourcen ist die Fridays-for-Future-Bewegung entstanden. Junge Menschen sind so erschüttert von dem, was sie von Wissenschaftlern an Zukunftsszenarien hören, dass sie sich zusammengetan haben. Die Erde verwandelt sich in einem rapiden Maße so, dass die jungen Menschen nicht mehr sehen, wie sie darin ihr Leben gestalten können.

Ein weiteres Schlaglicht des letzten Jahres ist die Kapitänin der Seawatch, Carola Rakete. Daran finde ich interessant, wie jemand aus einer persönlichen Betroffenheit handelt und das auf eine sehr selbstbewusste Weise. Sie ist sehr jung, hat eine große Verantwortung, tut, was getan werden muss, um Menschenleben zu retten und fragt nicht nach den politischen und juristischen Bedingungen. Das macht mir Mut: Menschen stehen ein für ihre Sache und übernehmen Verantwortung! Und sie sind bereit, die Konsequenzen zu tragen, was in ihrem Fall nicht einfach ist. In anthroposophischen Zusammenhängen würde man das als eine michaelische Qualität bezeichnen: Ich sehe, was passiert, handle aus einem Selbstbewusstsein heraus und stehe dann dafür ein.

Dieses Prinzip vervielfältigte sich dann

C. P.: Ähnliches kann man auch von Greta Thunberg sagen …

C. Bartholl: Ein Ursprung ihres Erfolgs war, dass sie sich ganz einsam vor den schwedischen Reichstag hingestellt hat und auch die Konsequenzen, die vom Fehlen im Unterricht kommen, auf sich genommen hat. „Dies hier ist wichtiger, als die Konsequenzen, die ihr mir androht.“ Dieses Prinzip vervielfältigte sich dann auch bei den anderen Schülern.

C. P.: Ist der Brexit auch ein Phänomen der beschriebenen Vereinzelung?

C. Bartholl: Der Brexit ist der Ausstieg Groß Britanniens aus der europäischen Union. Die europäische Gemeinschaft hat sich gebildet, weil sie gemeinsam für Europa einstehen will, eine gemeinsame Außen- und Wirtschaftspolitik gestalten möchte, die starken Länder sollen die förderungsbedürftigen Regionen unterstützen – es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Großbritannien will sich herausziehen, weil es ihnen mehr um den eigenen Vorteil in der Welt geht.

In diesem Sinne sollten wir Gemeinschaften anstreben.

C. P.: Wie sehen Sie als Pfarrer der Christengemeinschaft die Wege, aus diesen schwierigen Situationen heraus zu kommen?

C. Bartholl: Das Heilmittel würde darin liegen, eine neue Verbindung zur geistigen Welt aufzubauen, um von dort die Impulse zu bekommen. Dafür gibt es das Bild des „Salavator Mundi“, Christus als der Heiler der Welt.

Wenn wir wollen, dass die Christus-Impulse in der Welt wirksam werden, dann müssen sich Gemeinschaften bilden, damit ein Gefäß entstehen kann für die Inspirationen aus der geistigen Welt. Diese Gemeinschaften können zum Beispiel Gemeinden sein. Wir kennen das: Wenn mehrere, die sich gut abgestimmt haben, zusammen arbeiten, entsteht mehr, als wenn nur ein Einzelner etwas tut. In diesem Sinne sollten wir Gemeinschaften anstreben.

C. P.: Fridays-for-Future hat das praktiziert …

C. Bartholl: … und zwar sehr erfolgreich, es ist ja eine riesige Gemeinschaft. Eine kleinere Gemeinschaft ist sinnvoll, um wirklich neue Impulse in die Welt zu holen und zu entwickeln; das Hinhören auf das, was entstehen will, gelingt besser. Obwohl weniger Menschen beteiligt sind, können sie gute Ideen finden. Je größer eine Gemeinschaft ist, desto komplexer werden die Gemeinschaftsbeziehungen untereinander. Das Wahrnehmungsorgan großer Gemeinschaften ist dadurch diffuser.

C. P.: Was müssen diese Gemeinschaften haben, damit die beschriebene Spaltung aufhört?

C. Bartholl: Die Menschen in der Gemeinschaft sollten die Fähigkeit haben hinzuhören. Und dieser Freiraum, der dann entsteht, sollte von Sicherheit und Vertrauen geprägt sein. Wenn man so eine Gemeinschaft hat, z. B. erlebe ich das in Evangelienkreisen, kann ein Gedanke „in der Mitte entstehen“. Man hat dann das Gefühl, dass das nicht mehr der eigene Gedanke ist, sondern dass er wie in diesen Raum hinein „gebeten“ wurde. Dazu gehören bestimmte Fähigkeiten, z. B. jemanden ausreden lassen, zuhören, am Thema bleiben und nicht ein neues hineinbringen. Das muss natürlich immer wieder geübt werden. Wir machen es uns in der Gemeinde bewusst, dass wir auf diese Weise miteinander reden wollen, und es sind bestimmte Regeln, an die man sich hält. Beispielsweise gibt es solche Techniken, dass jeder eine gewisse Zeit zur Verfügung hat und die anderen hören konzentriert zu.

In der Gemeinde haben wir den Vorteil, diese Dinge ausprobieren zu können. In anderen Kontexten ist es viel schwieriger, sich auf bestimmte Formen des Gesprächs zu einigen. Ich sehe darin auch eine gesellschaftliche Aufgabe nicht nur bei der Christengemeinschaft, sondern auch in anderen Gemeinschaften, solche neuen Formen auszubilden.

das Bild des „Salavator Mundi“, Christus als der Heiler der Welt

C.P.: Salvator Mundi – der Heiler der Welt. Wie genau ist das zu verstehen in Hinblick auf die Zeitlage?

C. Bartholl: Es gibt ein Bild, das da Vinci zugeschrieben wird: Es ist der Christus abgebildet, der in der linken Hand eine Weltenkugel hält und mit der rechten Hand den Christusgruß zeigt. Es gibt aber auch verschiedene andere Künstler, die den Salvator Mundi gemalt haben.

Wir erleben, dass die Welt in Unordnung geraten ist und Krankheitssymptome trägt, im Sinne der Zerstörung der Erde. Und die Frage ist: Wie kann Gesundung eintreten? Was soll heil werden? In der Anlage der Welt, so wie die Schöpfung begann, wurde der Mensch von Gott getrennt – so ist es in der Paradiesesvertreibung geschildert. Zuvor hatten sich die Menschen mit der Gottheit eins gefühlt, und dann sind sie aus dieser Einheit herausgefallen. Wir haben seitdem eine Sehnsucht nach der Einheit, wir fühlen uns getrennt, einsam und leben nicht in einem guten Zusammenhang mit der Welt. Wie können wir diese Trennung überwinden? Durch Liebe und indem wir auf den anderen zugehen. Diese Art der Liebe beschreibt Erich Fromm in seinem Buch „Die Kunst des Liebens“. Es geht darum, dass ich den anderen nicht überwältige oder einvernehme, sondern das Wesen des anderen respektiere. Auch symbiotische Beziehungen sind keine Liebe, weil sie den anderen nicht frei lassen.

Wie können wir auch das, was als Geistiges in der Welt lebt, so einbeziehen, dass es heilend wirksam ist? Die Ursache für das, was wir heute erleben, ist eine immer größere Geistferne, weil wir zunehmend nur auf die Materie schauen.

C. P.: Wie kann die Verbindung mit dem Geistigen entstehen?

C. Bartholl: Das Christuswesen ist deshalb auf die Erde gekommen, weil er in seinem Leben der Menschheit zeigen wollte, wie diese Verbindung mit der Gottheit wieder entstehen kann. Gott wird Mensch, damit die Menschen sich in Freiheit weiterentwickeln können und eine neue Vereinigung mit der göttlichen Welt erreichen können. Das eine Bild, von dem wir kommen, ist das Paradies, und das Bild, wohin wir uns entwickeln sollen, ist das himmlische Jerusalem. Durch eigene Entwicklung gibt man Bausteine für das himmlische Jerusalem. Und die bedeutendste Lehre des Christus ist die Liebe. Wenn wir Gemeinschaften bilden, die inspirationsfähig sind, können wir aus der geistigen Welt Impulse holen, die uns helfen, an dieser aus dem Geist gebauten Stadt zu bauen.

C. P.: In der Christengemeinschaft wendet man sich direkt an den Christus als den Heilenden. Es gibt aber viele Gemeinschaften, die auch das Wohl des Ganzen im Blick haben, z. B. Greenpeace, BUND oder andere NGO´s – sind die auch von dieser Kraft inspiriert, auch wenn sie das nicht so nennen würden?

Das Christuswesen ist eine Energie, eine Kraft, die sich in den Prozessen des Lebens ausdrückt.

C. Bartholl: Das Christuswesen ist eine Energie, eine Kraft, die sich in den Prozessen des Lebens ausdrückt. Er zeigt sich auch in Situationen, die nicht seinen Namen tragen, aber diese Energie wird spürbar.

Es gibt ein Grundprinzip, nach dem auch die Menschenweihehandlung angelegt ist. Am Anfang ist die Verkündigung (Lesung einer Evangelienstelle), dann kommt die Opferung, ein Öffnungsprozess. Wenn ich in einer Krisensituation stehe, brauche ich zuerst die Bereitschaft, mir diese Situation anzuschauen und mir meine Hilflosigkeit zuzugestehen – das ist der Beginn der Öffnung. Denn da, wo ich keine Frage habe, kann sich auch keine Verwandlung bilden. Das ist die Grundlage dafür, dass dann eine Wandlung geschehen kann – es kann etwas hinzukommen, was über die eigenen Kräfte hinausgeht. In diesem nächsten Schritt der Wandlung verbinden sich die menschliche und die göttliche Hingabe. Im letzten Schritt, in der Kommunion, bekommt man die göttliche Antwort.

C. P.: Wenn man das auf die alltäglichen Verhältnisse bezieht – könnte man sagen, dass man vor einer scheinbar ausweglosen Situation steht, wie z. B. die Jugendlichen von Fridays-for-Future, in der man nicht mehr weiter weiß, dann sich dieser Ohnmacht stellt und durch diese Offenheit eine inspirierte Antwort bekommt, die man wiederum mit anderen teilt?

Diese zweite Schöpfung entsteht dadurch, dass sich Menschen verabreden und so miteinander umgehen, dass sie inspirationsfähig werden in sozialer und kultureller Form.

C. Bartholl: Das wäre der ideale Weg. Natürlich können wir auch als Einzelne so einen Prozess beschreiten: Was bin ich bereit, in meinem Leben zu ändern? Wenn man die Umweltsituation als Beispiel nimmt, muss man Altgewohntes loslassen, damit etwas Neues möglich wird. Es ist immer ein guter Weg, mit kleinen Schritten bei sich selbst anzufangen. Und doch ist es so, dass einerseits jeder Einzelne etwas tun kann, aber es braucht Verabredungen in einer Gemeinschaft. Sie werden im Rechtsleben geregelt, aber zuvor braucht es das Gespräch, und zwar einen gesellschaftlichen und politischen Dialog.

Wenn man das Ziel der Entwicklung der Welt in ein Bild bringt, so ist es ihre freie Gestaltung in Liebefähigkeit. Ein spirituelles Leben, die Entwicklung von Kultur, Musik, Kunst, das Gestalten des sozialen Miteinanders hilft, diese Prozesse zu entwickeln. Kultur ist ja letztlich, dass man gemeinschaftliche Prozesse und die Umgebung so gestaltet, dass sie das Wohl von allem einbezieht. Dazu gehört auch, mit was man sich umgibt, wie die Städte aussehen, wie die sozialen Prozesse in diesen Städten gestaltet werden usw. – das wird in Zukunft immer wichtiger werden.

Das erste Urbild in der Bibel ist ein Naturbild, nämlich das Paradies. Das Bild der zukünftigen Entwicklung ist eine Stadt, also ein Kulturgebilde, nämlich das neue Jerusalem. Gott hat in der ersten Schöpfung die Welt geschaffen, jetzt geht es um die zweite Schöpfung, die durch die Menschheit geschieht. Diese zweite Schöpfung entsteht dadurch, dass sich Menschen verabreden und so miteinander umgehen, dass sie inspirationsfähig werden in sozialer und kultureller Form.

 

Grund und Boden ist keine Ware

Interview mit Heidjer Reetz, Vorstandsmitglied von „Vivenda – leben und arbeiten in Stadt und Land“

Heidjer Reetz
Heidjer Reetz

Wem gehört der Grund und Boden? Kann er eigentlich überhaupt jemandem gehören? In unserer Gesellschaftsordnung wird Grund und Boden wie ein wirtschaftliches Produkt gehandelt, aber niemand hat dafür eine Leistung erbracht. Es gibt dafür einen Markt, und der führt zu gesellschaftlichen Missständen – Spekulationen, überteuerten Wohnungen etc. Welchen Umgang mit Recht und Kapital bräuchten wir, damit sich alle Menschen auf angemessene Weise organisieren könnten, um für sich einen erstrebenswerten Wohnraum zu schaffen? Der Verein VIVENDA zeigt dafür Modelle auf.

Weiterlesen „Grund und Boden ist keine Ware“

Soziale Dreigliederung im persönlichen Leben

Interview mit Lars Grünewald, Kulturwissenschaftler

Lars Grünewald
Lars Grünewald

Soziale Dreigliederung – man könnte sie als das politische Konzept von Rudolf Steiner bezeichnen. Aber mitunter ist es so, dass Politik irgendwie „die Anderen“ und äußere Umstände sind. So stellt sich die Frage: Was kann man selbst machen, die Prinzipien der Sozialen Dreigliederung täglich im persönlichen Leben umzusetzen? Welche Fähigkeiten gilt es dafür zu entwickeln? Und letztlich geht es darum, wie man dadurch eine Grundlage für politische Veränderungen schaffen kann.

Weiterlesen „Soziale Dreigliederung im persönlichen Leben“

„ImPuls für die Zukunft“

100 Jahre Soziale Dreigliederung

Rückblick auf die Tagung in Stuttgart von Dörte von Wietersheim

Dörte von Wietersheim
Dörte von Wietersheim

„ImPuls für die Zukunft“ war das Thema einer Tagung zum 100. Jahrestag der Idee der Sozialen Dreigliederung, die von Rudolf Steiner entwickelt wurde.
Was ist aus der Sozialen Dreigliederung geworden? Was haben ihre Mitstreiter heute zu sagen? In welchen Projekten und Unternehmen wird sie verwirklicht? Weiterlesen „„ImPuls für die Zukunft““

30 Jahre hinweis

Mit Beiträgen von Christine Pflug, Tille Barkhoff, Elmar Lampson, SchülerInnen der 11. Klasse Rudolf Steiner Schule Wandsbek

Am 5. Juni wurde in den Schnittke-Akademie das 30-jährige Jubiläum des hinweis gefeiert, zu dem Sie, als LeserInnen, auch die AnzeigenkundInnen, Interviewpartner und Vertreter der Einrichtungen eingeladen waren. Es war eine gelungene, heitere Feier mit über 100 BesucherInnen, musikalisch begleitet von dem a-cappella-Terzett Livella Kadó.
Zu dem Motto „Kultur leben“ gab es verschiedene Beiträge. Sie zeigten den großen Umfang und die Impulse des anthroposophischen Kulturlebens in Hamburg auf, von den Anfängen, kraftvollen und krisenhaften Zeiten bis in die Gegenwart und mit Wünschen für die Zukunft.

Weiterlesen „30 Jahre hinweis“

Europa – wohin?

Interview mit Kai Ehlers, Autor und Vortragsredner

Kai Ehlers
Kai Ehlers

In Europa befördern sich derzeit die zentrifugalen und zentralistischen Kräfte gegenseitig. Verschiedene Nationalstaaten streben auseinander, abgesehen vom Brexit gibt es Autonomietendenzen in Katalonien, in Schottland, in Oberitalien, Ungarn, Polen. Das ist zum einen Ausdruck davon, dass der europäische Koloss zu monopolistisch wird, zum anderen entstehen diffuse nationalegoistische Vorstellungen von „Wir“ und „Die“. Das ist der Kern des Populismus.
Was ließe sich aus der Geschichte lernen? Wir hatten zwei Weltkriege, die durch Konkurrenz und das Aufeinanderprallen der europäischen Nationalstaaten entstanden sind. Es war ein Kampf um die Weltressourcen. Heute werden die Ressourcen immer knapper und die Nationalstaaten, die darauf zugreifen wollen, sind vielfältiger geworden. Diese Entwicklung ist Katastrophen-, Krisen- und Kriegs-trächtig.

Weiterlesen „Europa – wohin?“

Biologisch-dynamische Landwirtschaft

Erfolge und Herausforderungen

Interview mit Friedemann Wecker, Geschäftsführer der Bäuerlichen Gesellschaft e.V. - Demeter im Norden

Friedemann Wecker
Friedemann Wecker

Demeter hat den höchsten Rang bei dem Qualitätsversprechen – so lauten die Ergebnisse von Verbraucherumfragen in den letzten Jahren. Die Verbraucher haben ein großes Vertrauen in diese Marke, und das merkt man an dem gesteigerten Verkauf. Auch das Flächenwachstum für biologisch-dynamische Landwirtschaft ist wie im gesamten Ökolandbau auch gestiegen.
Aber das bringt Herausforderungen mit sich: Es können nicht alle Höfe betrieben werden, weil es nicht genug ausgebildete Landwirte gibt.
Auch der Klimawandel, das Aussterben der Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren stellt die biologisch-dynamische Landwirtschaft vor neue Aufgaben. Weiterlesen „Biologisch-dynamische Landwirtschaft“

Alles was recht ist ….

Rechtsprobleme unserer Zeit

Interview mit Prof. Dr. Michael Kirn, Professor emer. für Öffentliches Recht

Prof. Dr. Michael Kirn
Prof. Dr. Michael Kirn

Die heutige Justiz orientiert sich methodisch immer noch am Römischen Recht, sie bildet ihre Begriffe nach dem Muster Unverbrüchlickkeit des Eigentums und Vertragsfreiheit.
Aber bei Vielem haben wir heute völlig andere Verhältnisse. Das Klimaproblem, die Verteilung von Wasser, asymmetrische Kriege etc. sind weltweite Angelegenheiten und brauchen globale und sozial orientierte Regelungen. Beim Thema Grund und Boden werden Entscheidungen durch finanzielle Vorgaben dominiert. Besonders im digitalen Bereich entziehen sich manipulative Machenschaften der Kontrolle.
Wie kann das Rechtsleben als selbständiges Element im gesellschaftlichen Leben funktionieren und nicht mehr von wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt werden? Versachlichung in diesem Sinn heißt: Dezentralisierung. Entsprechend müssen Entscheidungsverfahren organisiert werden, die mit urteilsfähigen Bürgern rechnen. Weiterlesen „Alles was recht ist ….“

„Waldorf100 – Learn to change the world“ Teil I und II

Interview mit Henning Kullak-Ublick, Vorstand und Sprecher Bund der Freien Waldorfschulen

Henning Kullak-Ublick
Henning Kullak-Ublick

In zweieinhalb Jahren wird „die Waldorfschule“ 100 Jahre jung! Heute ist diese Pädagogik mit rund 1.100 Waldorfschulen und fast 2.000 Waldorfkindergärten in über 80 Ländern ein weltweiter pädagogischer Impuls. Und es werden nach wie vor mehr! Das anstehende 100-jährige Jubiläum bietet die Chance, den pädagogischen Impuls Rudolf Steiners in einem globalen Austausch weiter zu entwickeln. In welcher Welt werden die Schulkinder leben, wenn sie erwachsen sind? Und wie können wir sie darauf vorbereiten? Wie wird die Waldorfpädagogik heute praktisch umgesetzt, damit sie den Anforderungen der Zeit begegnen kann?
Von jetzt an ziehen sich gemeinschaftsbildende Aktionen über die nächsten Jahre bis September 2019. Alle Aktionen folgen dem gemeinsamen Motto „Waldorf100 – Learn to change the world“. Weiterlesen „„Waldorf100 – Learn to change the world“ Teil I und II“

Flüchtlingsarbeit

Interview mit Peter Benkhofer, ehem. Lehrer und Jörgen Day, Pfarrer emer.

Peter Benkhofer
Peter Benkhofer
Jörgen Day
Jörgen Day

Die Flüchtlinge, die aus großer Not zu uns kommen, brauchen unsere Hilfe. Von vielen Menschen wird ehrenamtlich Flüchtlingsarbeit gemacht, auch im Rahmen der Christengemeinschaft und Anthroposophie. Wie man in schwierigen, dramatischen Lebenslagen Beistand leisten kann, als ganze Gruppe oder Einzelperson, berichten Peter Benkhofer und Jörgen Day. Weiterlesen „Flüchtlingsarbeit“

Flüchtlinge – „an die Wurzel gehen…“

Artikel von Kai Ehlers, Russlandforscher und Autor

Kai Ehlers
Kai Ehlers

„Nach den Anschlägen von Paris erklärte Frankreich den „Krieg gegen den Terror“. Die letzte Kriegserklärung gegen den Terror durch George W. Bush nach 9 / 11 hat den Terrorismus weltweit anwachsen lassen. Wohin führt die neuerliche Kriegserklärung? Geht sie wirklich an die Wurzel des Übels? Kai Ehlers beleuchtet Abläufe, Motive und die Hintergründe dieser neuerlichen Eskalationen.“ Weiterlesen „Flüchtlinge – „an die Wurzel gehen…““

Die Kunst des Schenkens und die Direkte Demokratie

Vortrag von Johannes Stüttgen

Johannes Stüttgen
Johannes Stüttgen

Wie finden wir heute zu einer eigenen Identität, die mit den wirtschaftlichen Verhältnissen übereinstimmt? Das ist nur möglich, wenn wir den Begriff der Arbeit neu fassen. Wenn Arbeit selbstbestimmt und frei ist im Sinne der „Sozialen Plastik“, beinhaltet sie Verantwortung für die Gestaltung der Welt und auch die Erfüllung der eigenen Lebensaufgabe, mit der wir auf die Erde gekommen sind. Wir entwickeln die eigene Identität im Laufe des Lebens in Begegnung mit den Widerständen. Da wir das aber nicht alleine hervorbringen können, müssen wir uns dabei gegenseitig Hebammen-Hilfe leisten, damit dieses „Künstlertum“ geboren werden kann. Weiterlesen „Die Kunst des Schenkens und die Direkte Demokratie“

Signaturen des 20. Jahrhunderts

Interview mit Stephan Meyer, Pfarrer der Christengemeinschaft

Stephan Meyer
Stephan Meyer

Eine Signatur des 20. Jahrhunderts ist der Impuls zu immer größerer Freiheit und individueller Selbstbestimmung. Beim ersten und auch beim zweiten Weltkrieg wurde dieser Freiheitsimpuls pervertiert: Freiheit muss individuell errungen werden und darf nicht zu einer „Freiheit der Nation“ in einen instinktiven, nationalismusgebundenen Egoismus absinken.
Auch heute in den Zeiten der Globalisierung müssen Handlungen aus der Autonomie der Einzelnen kommen. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass der Einzelne aus Verantwortung für das Ganze handelt. Nur so kann die Menschheit und Erde überleben. Weiterlesen „Signaturen des 20. Jahrhunderts“

Kampf der Kulturen? Teil I und II

Ost-West-Konflikte und ihre Inszenierungen

Interview mit Lars Grünewald

Lars Grünewald
Lars Grünewald

Wieso erstreben die USA die Weltherrschaft? Welche Funktion hat dabei der islamistische Terrorismus? Welche Rollen spielen Deutschland, Russland und die Ukraine? Wo positionieren sich die Medien und Geheimdienste?
Lars Grünwald hielt am 3. März 2015 im Ledigenheim in der Rehhoffstraße einen Vortrag mit dem Titel „Kampf der Kulturen oder Spaltung der Gesellschaft?“ . Mit Zitaten und Veröffentlichungen amerikanischer und deutscher Berater, Autoren und Journalisten sowie Ausführungen Rudolf Steiners zeigt er Zusammenhänge zwischen diesen Spannungsfeldern auf. Weiterlesen „Kampf der Kulturen? Teil I und II“

Die Demokratie retten!

Interview mit Gregor Hackmack, Mitarbeiter von abgeordnetenwatch.de

Gregor Hackmack
Gregor Hackmack

Unsere Demokratie ist gefährdet. Der Wille der Bevölkerung wird nicht umgesetzt, weil zunehmend wirtschaftliche Interessen Einfluss auf die Politik nehmen. Der Demokratieaktivist Gregor Hackmack und seine Mitstreiter haben in Hamburg vier Volksentscheide und zwei Verfassungsänderungen erfolgreich durchgeführt. Seitdem hat Hamburg beispielsweise das modernste Transparenzgesetz Deutschlands. Weiterlesen „Die Demokratie retten!“

Der Erste Weltkrieg – vor hundert Jahren und heute

Artikel von Andreas Bracher, Historiker

Andreas Bracher
Andreas Bracher

Der Beginn des Ersten Weltkriegs liegt dieses Jahr hundert Jahre zurück. Schon seit etwa einem Jahr hat dieses Jubiläum seine Schatten in der deutschen Öffentlichkeit vorausgeworfen. Der Krieg ist die „Urkatstrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts“ genannt worden. Er war ein Krieg in einem Maßstab und mit einer Zerstörungskraft, der alles weit in den Schatten stellte, was es bis dahin in der Menschheitsgeschichte gegeben hatte. Weiterlesen „Der Erste Weltkrieg – vor hundert Jahren und heute“

Die Kraft der „Überflüssigen“

Interview mit Kai Ehlers, Autor, zu seinem gleichnamigen Buch

Kai Ehlers
Kai Ehlers

„Wir leben in einer paradoxen Zeit: In einer Welt des Überflusses und der globalen Entgrenzung werden immer mehr Menschen als „überflüssig“ bezeichnet oder fühlen sich sogar selbst so. Ein globaler Verwertungsprozess reißt uns aus unseren lokalen familiären, wirtschaftlichen und geistigen Verankerungen und spuckt uns am Ende als menschlichen Müll wieder aus. Schauen wir genau hin: Die „Überflüssigen“ sind nicht das Problem, das entsorgt werden müsste – sie sind die Lösung …“ Weiterlesen „Die Kraft der „Überflüssigen““

Zinssystem, Geldschöpfung und Weltfinanzkrise

Interview mit Bernd Senf, Referent für Volkswirtschaftslehre

Bernd Senf
Bernd Senf

Im Rahmen der „Hamburger Utopiewochen“ wird Bernd Senf am 11. Januar einen Vortrag zu diesem Thema halten. In diesem Interview, das er uns zur Verfügung stellt, zeigt er auf, wie die grundlegend problematische Struktur und Dynamik des bestehenden Geldsystems, das 2009 zur Bankenkrise führte, immer noch nicht gelöst sind. Die Verknüpfung von Geld und Zins treibt fünf Krisentendenzen hervor, die sich immer weiter zuspitzen müssen: Die Krise der Wirtschaft, der Umwelt, der Gesellschaft, des Staates und der Dritten Welt. Weiterlesen „Zinssystem, Geldschöpfung und Weltfinanzkrise“

… jetzt schaffen sie es, darüber zu sprechen

Das Schicksal der Kriegskinder des Zweiten Weltkriegs

Interview mit Dr. med. Helga Spranger

Helga Spranger
Helga Spranger

Kriege verwunden – auch seelisch. Seit einigen Jahren dringt immer mehr an die Öffentlichkeit, was die damaligen Kinder im zweiten Weltkrieg erlebt haben und unter welchen Spätfolgen sie heute als ältere Menschen leiden. Viele erinnern sich erst jetzt an die lebensbedrohlichen Erfahrungen von damals. Oft bleiben solche seelischen Kriegstraumatisierungen über Jahre unbewusst, sind aber doch wirksam und lösen seelische Schäden oder psychosomatische Krankheitsbilder aus. Die Lebensgestaltung eines so traumatisierten Menschen bleibt durch die Kriegserlebnisse geprägt und kann an die nächste und übernächste Generation “vererbt“ werden. Die neue Sensibilisierung für das Thema ist eine Gelegenheit zur Verständigung zwischen den Generationen, damit aus dieser „stummen Krankheit“ (Spranger) heilende Konsequenzen gezogen werden können, sowohl auf einer individuellen als auch auf einer gesellschaftlichen Ebene. Weiterlesen „… jetzt schaffen sie es, darüber zu sprechen“

Der HINWEIS-DIALOG: Das bedingungslose Grundeinkommen

– Beiträge zur Diskussion

Gespräch mit Kai Ehlers und Lars Grünewald

Lars Grünewald
Lars Grünewald

 

Kai Ehlers
Kai Ehlers

Kann das bedingungslose Grundeinkommen unsere wirtschaftlichen und sozialen Probleme lösen? Immer wieder gibt es dazu engagierte und emotionale Diskussionen, im September wurde in etlichen Ländern eine Woche des Grundeinkommens veranstaltet und Vielen scheint es ein Ausweg aus einer prekären Lebenssituation zu sein. Deutschland ist reich wie nie zuvor, aber die Schere von sozialer Bedürftigkeit einerseits und hochproduzierender Gesellschaft andererseits klafft immer weiter auseinander. Wie kann das vorhandene Geld auf sinnvolle Weise verteilt werden? Das folgende Gespräch zeigt Hintergründe, mögliche Konsequenzen und auch, wie umfassend die Diskussion über das Grundeinkommen angelegt sein muss, wenn ein wirklich gesellschaftlicher Fortschritt damit verbunden sein soll. Weiterlesen „Der HINWEIS-DIALOG: Das bedingungslose Grundeinkommen“

Die Finanzkrise als Bewusstseinskrise

Interview mit Lars Grünewald

Lars Grünewald
Lars Grünewald

In unserem derzeitigen Finanzsystem ist Geld zur Ware geworden. Es ist nicht mehr ein Gegenwert für reale Güter, sondern wird selbst als Gut betrachtet und hat so einen Markt produziert. Die Fixierung auf das Geld hat zur Aufblähung der Finanzmärkte geführt, die mit Devisen, Krediten und Schulden Handel betreiben. Diese Blase ist geplatzt, mit immer größeren Folgen für die reale Wirtschaft.
Wie kann man Entschuldungen großen Stils einleiten, damit in der Wirtschaft wieder Produktivkräfte frei gesetzt werden können? Wie muss die strategische Rolle der Banken neu bestimmt werden? Wie kann man zu neuen Einsichten gelangen, damit in der Volkswirtschaft nicht weiterhin mit dem gleichen Egoismus wie in der Betriebswirtschaft gehandelt wird? Diese und weitere Themen werden im folgenden Interview behandelt. Weiterlesen „Die Finanzkrise als Bewusstseinskrise“

„Russland – Herzschlag einer Weltmacht“

Auszüge aus dem Buch von Kai Ehlers, Hamburger Autor und Russlandforscher

Kai Ehlers
Kai Ehlers

„In einer Zeit, in der Ratlosigkeit in der Welt um sich greift, wird es immer wichtiger, nach Kräften Ausschau zu halten, die Zukunft bilden können. Lassen sich solche Kräfte allen Ängsten, Warnungen und Kritiken zum Trotz im heutigen Russland entdecken?“ Mit diesem Anliegen erforscht Kai Ehlers die Situation Russlands, durch Reisen und vor allem Gespräche mit den Menschen, die dort leben. Sein Gesprächspartner in diesem Buch ist der Russe Jefim Berschin, ein Zeitzeuge der sowjetischen Wandlungen der letzten Jahrzehnte. Beide führen in einer Etagenwohnung in einem Moskauer Vorort Dialoge über die nachsowjetische Ära, über Grundmotive russischer Mentalität, Geschichte und Kultur und über die geografische und politische Entwicklung Russlands. Diese Gespräche, sowie ein Briefwechsel und Artikel von Kai Ehlers sind in dem Buch „Russland – Herzschlag einer Weltmacht“ veröffentlicht und geben intime Einblicke in die russische Seele und das Leben in dieser Region.
Auf den folgenden Seiten sind einige Leseproben, unter jeweiligen Überschriften, abgedruckt. Weiterlesen „„Russland – Herzschlag einer Weltmacht““

Initiativ werden, gründen und entwickeln I und II

Dr. Jan Uhlmann: Kleiner Fahrplan für Pioniere und Menschen, die ihre Einrichtung voranbringen wollen

Artikel von Dr. Jan Uhlmann

Dr. Jan Uhlmann
Dr. Jan Uhlmann

Wer hat nicht schon davon geträumt, sich allein oder mit anderen gemeinsam selbständig zu machen, eine Einrichtung, ein Unternehmen oder ein Institut ganz nach den eigenen Vorstellungen zu gründen? Manchen gelingt es, andere scheitern, die Dritten fangen erst gar nicht an. Warum sind manche Bemühungen von Erfolg gekrönt? Warum verschwinden Gründungsimpulse wieder ganz von der Bildfläche? Entscheidend sind nicht nur Idee und Tatkraft der Gründer sondern auch die Art und Weise, wie sich der Impuls in die Welt einlebt, die Resonanz, das Mittun der anderen: Mitstreiter, Kunden, Nutzer. Weiterlesen „Initiativ werden, gründen und entwickeln I und II“

Die Favela Monte Azul

gemeinschaftlich für ein besseres Leben

Interview mit Dennis Pauschinger, ehemaliger Waldorfschüler

Dennis Pauschinger
Dennis Pauschinger

Was macht ein junger Mensch nach dem Abitur? Vor allem, wenn er mit viel Idealismus anderen Menschen helfen will … . Dennis Pauschinger ging in das Armenviertel Monte Azul, am Rande von São Paulo in Brasilien. Dort leistet die Associação Comunitária Monte Azul, gegründet von Ute Craemer, schon seit über 25 Jahren Sozialarbeit. Der ehemalige Hamburger Waldorfschüler hatte zunächst etliche Bewährungsproben inmitten der sozialen Probleme der Favelas zu bestehen. Begeistert berichtet er von der lebendigen und immer wieder neu sich erschaffenden „sozialen Plastik“ Monte Azul, wo Menschen trotz schwieriger Bedingungen mit Heiterkeit und Lebensfreude an ihrem Projekt arbeiten. Weiterlesen „Die Favela Monte Azul“

Die Zukunft der Arbeit

Interview mit Lars Grünewald

Lars Grünewald
Lars Grünewald

„Jede Persönlichkeit repräsentiert eine geistige Potenz, eine Summe von Kräften, die nach der Möglickeit zu wirken suchen.
Jedermann muss deshalb den Platz finden, wo sich sein Wirken in der
zweckmäßigsten Weise in seinen Volksorganismus eingliedern kann.
Es darf nicht dem Zufalle überlassen bleiben, ob er diesen Platz findet. Die Staatsverfassung hat keinen anderen Zweck, als dafür zu sorgen, dass jeder einen angemessenen Wirkungskreis findet“ (Rudolf Steiner GA 1, tb S. 209). Weiterlesen „Die Zukunft der Arbeit“

„Nach den Kriegen – vor dem Frieden“

Rupert Neudeck in Hamburger Rudolf Steiner Schulen

Rupert Neudeck
Rupert Neudeck

Wer hat nicht schon von ihm gehört – von Rupert Neudeck und von dem Schiff Cap Anamur, mit dem er vor mehr als 25 Jahren die vietnamesischen Flüchtlinge rettete? Immer wieder berichtete Rupert Neudeck als Journalist aus den schlimmsten Krisengebieten dieser Welt. 2003 gründete er die GRÜNHELME e.V.: Junge Menschen gehen in Länder der dritten Welt, „da, wo die Arbeit getan wird“.
Ende September hatte der Nienstedter Waldorflehrer Dominique Zeylmans van Emmichoven Herrn Neudeck eingeladen für die Schüler in die Rudolf Steiner Schulen nach Nienstedten und Altona sowie für das öffentliche Publikum zu einem Abendvortrag. „Mut“, so Herr Zeylmans, „das ist es, was die Schüler von Herrn Neudeck lernen können.“ Sein unermüdlicher Tatendrang, sein Humor und sein unkonventionelles Handeln überzeugte die Schüler und auch Erwachsene. Weiterlesen „„Nach den Kriegen – vor dem Frieden““

„Bedingungsloses Grundeinkommen“ (I und II)

Zusammenfassung eines Vortrages von Götz W. Werner und Prof. Dr. Thomas Straubhaar

Prof. Götz W. Werner
Prof. Götz W. Werner
Prof. Dr. Thomas Straubhaar
Prof. Dr. Thomas Straubhaar

„Was heißt ’Bedingungsloses Grundeinkommen’ – ist es wirklich eine Lösung für viele gesellschaftliche Probleme, wie vielen meinen, oder eine nicht finanzierbare Traumvorstellung?“ Zu diesem Thema veranstaltete die GLS-Bank in Kooperation mit der Kulturinitiative am Rudolf Steiner Haus am 15. September einen Abend mit Prof. Werner und Prof. Dr. Straubhaar im Hamburger CCH. Weiterlesen „„Bedingungsloses Grundeinkommen“ (I und II)“

„Unsere Gesellschaft altert“

oder: „Der Mensch braucht es, für andere von Bedeutung zu sein“

Zusammenfassung eines Vortrages von Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner

Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner
Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner

Wir stehen das erste Mal in der Menschheitsgeschichte vor der Frage, wie wir mit der wachsenden Gruppe der alten Menschen umgehen werden. Das bisherige System, nämlich Altern in den eigenen vier Wänden oder im Heim, hat etwa 100 Jahre getragen, lässt sich aber nicht fortsetzen. Die gesellschaftliche Entwicklung hat uns heute dahin geführt, dass wir frei und selbstbestimmt leben wollen und uns nicht die Lasten anderer Menschen aufbürden möchten. Scheinbar … . Weiterlesen „„Unsere Gesellschaft altert““