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02/2020

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Interview

Wir müssen die gesellschaftliche Transformation schaffen!

Neue Nachhaltigkeitsansätze in der Wirtschafts- und Finanzwelt

Interview mit Dirk Grah, Regionalleiter der GLS-Bank Hamburg

Eigentlich ist das Thema Klimawandel schon seit vielen Jahren präsent. 2015 gab es das Klimaabkommen in Paris, Wissenschaftler, einige Politiker wie Al Gore, Umweltverbände kümmerten sich um diese Probleme, aber sie wurden wenig beachtet – bis vor einem Jahr, als sich ein Mädchen mit einem Pappschild in Schweden vor das Parlament setzte. Seitdem ist eine weltweite Dynamik entstanden, die sich jetzt auch in strengeren Reglementierungen für Wirtschaft und Finanzindustrie niederschlägt.

Interviewpartner: Dirk Grah, (Volkswirt und Biologielehrer), Regionalleiter der GLS Bank Hamburg seit 1993. Vorstand im Zukunftsrat Hamburg und Mitarbeit in der Handelskammer Hamburg.

Christine Pflug: Es werden strengere Regeln für ökologische und ethische Investitionen eingeführt. Woran liegt das? Hat Fridays for Future Druck gemacht, ist die Menschheit gar vernünftiger geworden …?

Dirk Grah: Man muss sich dazu die Entwicklung der letzten zwanzig Jahre anschauen. Al Gore z.B. (Albert Arnold „Al“ Gore Jr. * 31. März 1948 in Washington, D.C. ist ein US-amerikanischer Politiker (Demokratische Partei), Unternehmer sowie Umweltschützer. Von 1993 bis 2001 war er unter Präsident Bill Clinton der 45. Vizepräsident der Vereinigten Staaten. 2007 erhielt er den Friedensnobelpreis. Aus: Wikipedia) hat schon sehr früh angefangen, auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Er ist mit großem Wissen und viel Geld durch die Welt gereist, hat Filme gedreht, Unterstützer ausgebildet usw. Theoretisch war das Thema Klimawandel bei Wissenschaftlern, dann bei einigen Politikern wie Al Gore schon viele Jahre präsent, aber es war nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen; Umweltverbände, Aktivisten etc. kümmerten sich darum, aber die standen am Rande. 2015 gab es das Klimaabkommen in Paris, die Weltgesellschaft hatte intellektuell verstanden, dass etwas passieren muss, aber es fehlten die nötigen Konsequenzen.

Je länger wir warten, desto teurer wird es.

Vor einem Jahr setzte sich ein Mädchen mit einem Pappschild in Schweden vor das Parlament, ein Journalist sorgte für die Publicity, und dann entstand weltweit eine Dynamik unter den Jugendlichen, die keiner für möglich gehalten hatte. Was Al Gore nicht geschafft hat, haben die jungen Menschen hinbekommen: „Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ – das ist eine emotionale Ebene, die so eine Welle ausgelöst hat, dass das Thema in der Weltgesellschaft endlich angekommen ist. Diese jetzige Dynamik, die durch die Jugendlichen entstanden ist, brauchen wir, damit eine Umgestaltung stattfindet. Wir sehen es in der Industrie: Die Autoindustrie hat es jetzt nach 20 Jahren verstanden, die Stahlindustrie beginnt es gerade einzusehen, dass es fünf vor zwölf ist, wenn nicht sogar fünf nach zwölf. Keiner kann sich dieser Transformation entziehen, und alle wissen: Je länger wir warten, desto teurer wird es. Hätten wir schon vor zwanzig Jahren angefangen, wäre eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft nicht so teuer gewesen. Man geht davon aus, dass noch in den nächsten zwei bis fünf Jahren die co2-Emission weltweit weiter steigen werden, weil das Reduzieren nicht so schnell geht. Aber je später die weltweite Reduktion einsetzt, umso teurer wird das für die Weltwirtschaft sein.

C. P.: Warum? Braucht das neue Vorrichtungen, fallen Arbeitsplätze weg?

Der Hauptfaktor für die enormen Kosten sind die Schäden, die immer größer werden und repariert werden müssen.

D. Grah: Zum einen steht in vielen Bereichen die Technologie nicht in der Marktreife zur Verfügung. Aber der Hauptfaktor für die enormen Kosten sind die Schäden, die immer größer werden und repariert werden müssen. Es muss z.B. der Hochwasserschutz ständig angepasst werden. In Indonesien soll die Hauptstadt Jakarta verlegt werden, weil die Umweltschäden den Standort gefährden; dafür muss wertvoller Regenwald abgeholzt werden usw.… Es wird Folgeschäden ohne Ende geben!

Es ist allen klar, dass ein radikaler Wandel erbracht werden muss. Die EU Grenzwerte werden immer stärker gesenkt; bei der Autoindustrie sind die Vorschriften für die co2-Emission für die Flotte, also für die Gesamtheit der Fahrzeuge eines Herstellers, so streng, dass sie das ohne E-Mobilität gar nicht schaffen können. Sie müssen aufgrund der Eu-Vorschriften verstärkt E-Autos herstellen. Auch im Schiffsbereich fängt das in diesem Jahr verstärkt an.

Die nachhaltige Technologie wird sogar billiger werden.

C. P.: Man liest aber, dass in Deutschland beim Kauf eines Autos jeder Vierte ein SUV ist. (Ein Sport Utility Vehicle trägt seit 2010 am zweitstärksten zum Anstieg des weltweiten CO2-Ausstoßes bei, noch vor der Schwerindustrie. Neben dem erhöhten Verbrauch fossilen Kraftstoffes oder elektrischer Energie während des Betriebes verursacht die Produktion der oft überdurchschnittlich großen und schweren SUV auch einen erhöhten Bedarf an natürlichen Ressourcen. Aus: Wikipedia) Was wird der Drehpunkt sein, dass sich das ändert?

D. Grah: Es ist in der Praxis eine differenzierte Sache, weil sich die Klimabilanz aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Aber letztlich ist die Idee, dass das Autofahren sich so entwickelt, dass zum Beispiel ein Auto mit Elektromobilität unter dem Strich günstiger ist als einer mit Verbrennungsmotor. Man kann sich freuen, wenn etwas über die Einsicht passiert, aber letztlich geht es wahrscheinlich doch über den Preis.

Es ist EU-Verordnung, dass jedes Jahr die gesamte Emission pro Flotte immer weiter runtergesetzt wird. Deshalb gab es ja auch diese Tricksereien, weil sie das mit dem Diesel nicht mehr erreicht haben. Es ist wie bei den Glühbirnen: Wenn die EU die alten Glühbirnen nicht verboten hätte, würde es die heute noch geben. Die Leitplanke, die der Gesetzgeber einziehen muss, um die notwenige Transformation herbeizuführen, ist wichtig. Natürlich hätten wir lieber, dass die Verbraucher das aus Einsicht machen, aber ohne den gesetzlichen Druck wird es nicht reichen. Deshalb hat die GLS-Bank die co2-Bepreisung auch als politisches Ziel formuliert: Der Staat muss einen Preis festlegen, und jeder muss es letztendlich im Portemonnaie spüren, bzw. die nachhaltige Technologie wird sogar billiger werden. Bei all diesen Entwicklungen ist die Finanzindustrie bisher deutlich hinterhergehinkt.

„Wenn Euer Geschäft risikoreicher ist als ein anderes, müsst ihr es mit mehr Eigenkapital unterlegen.“

C. P.: Was hat bewirkt, dass nun auch in der Finanzwirtschaft eine Umänderung kommt?

D. Grah: Interessanterweise kommt das jetzt aus der Risikobetrachtung. Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, eine staatliche Behörde) hat ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken 2019 veröffentlicht. Al Gore beispielsweise hat eine Positivdefinition gemacht, weniger co2 emittieren, die Umwelt schützen etc., und keiner hat hingehört. Jetzt fordert die BaFin: Wenn ihr als Banken oder Versicherungen in euren Geschäftsmodellen die Risiken, die in diesen Technologien wie Kohle usw. enthalten sind, nicht einpreist, dann bekommt ihr ein Problem. Sie kommen von der Risikoseite: „Wenn Euer Geschäft risikoreicher ist als ein anderes, müsst ihr es mit mehr Eigenkapital unterlegen.“ Und nun werden die Banken hellhörig. Es ist wie mit der Polizei: Erst wenn die Strafzettel zu teuer werden, fährt man langsamer. Dass die BaFin einem die erhöhten Auflagen androht, will keiner.

Insofern ist es eine interessante Situation in der Finanzindustrie, dass wir diese Veränderung in Deutschland über die BaFin erleben. Auf EU-Ebene erleben wir das über den Aktionsplan Sustainable Finance, der gerade in der Arbeit ist, und das betrifft die ESG-Anlagen.

Seit der Agenda 21 gibt es einen Standard für Nachhaltigkeit.

 C. P.: Was sind die Kriterien für ESG-Anlagen (Environment, Social and Governance = Umwelt, Soziales und Unternehmensführung)?

D. Grah: Das geht zurück auf die Nachhaltigkeitsziele der Weltgemeinschaft, die sogenannten SDGs, Social Development Goals, es sind siebzehn Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris verabschiedet wurden. Alle Nachhaltigkeitsbanken, natürlich auch die GLS-Bank, richten ihre Anlagen mittlerweile nach diesen Nachhaltigkeitszielen aus. In Rio 1992 hat die Agenda 21 zum ersten Mal das Thema Nachhaltigkeit definiert: Es gab den sog. Triple-Bottom-Line-Ansatz (Drei-Säulen-Modell), dieser dient als Orientierung für ein Unternehmen, um die eigene Nachhaltigkeit sicherzustellen. Die Nachhaltigkeit beruht demnach auf den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales, die ein nachhaltiges Unternehmen in seiner Zielsetzung berücksichtigen soll. Gemäß dem klassischen Triple-Bottom-Line-Ansatz handelt ein Unternehmen nachhaltig, wenn es alle drei Dimensionen gleichrangig verfolgt.

Bis dahin war das Ökonomische stets im Vordergrund – jede Firma will erst einmal Gewinne machen! Und seit dieser Agenda 21 gibt es einen Standard für Nachhaltigkeit. Das wurde dann in die einzelnen Staaten und weiter an die Kommunen runterdelegiert.

Wir haben damals 1996 im Zuge der Agenda 21 in Hamburg den „Zukunftsrat Hamburg“, ein Netzwerk für nachhaltige Entwicklung, gegründet, der diese Ziele als Zivilgesellschaft verfolgt und versucht, die Politik daran zu messen.

C. P.: Informiert man sich z. B. im Internet, gibt es ethisches Investment, ökologisch geprägte und sozial-ethische Geldanlagen. Sind diese allgemeinen Begriffe dann durch konkrete Richtlinien ersetzt worden?

D. Grah: Genau, was hinter diesen Begriffen steht, hatte bisher jeder für sich selber definiert. Wir als GLS-Bank sind eine sozial-ökologische Bank, weil wir die Kredite nach sozial-ökologischen Kriterien vergeben. Ethisches Investment haben vor allem die Kirchenbanken stark in den Fokus genommen.

Andere, z. B. die Öko-Bank, hatten dabei Ausschlusskriterien, z. B. nicht gentechnisch, nicht umweltverschmutzend, „keine Kinderarbeit“. Die GLS-Bank hatte von Anfang an sowohl Negativ-Kriterien als auch Positiv-Kriterien entwickelt.

Wir haben Zukunftsbilder entwickelt

C. P.: Was sind zum Beispiel Positiv-Kriterien?

D. Grah: Bei uns heißt das jetzt „Anlage- und Finanzierungsgrundsätze“, alle Kredite und alle Anlageprodukte werden danach definiert. Zum Beispiel haben wir als Positiv-Kriterien unsere Geschäftsfelder genannt, das sind erneuerbaren Energien, Ernährung, Landwirtschaft, Wohnen, Bildung und Kultur, Soziales und Gesundheit. Für diese Geschäftsfelder haben wir Zukunftsbilder entwickelt, und in der neuesten Entwicklung zeigen wir eine „Wirkungstransparenz“ auf, d. h., welche Wirkung die bei uns angelegten Gelder erzielen. Wir arbeiten daran, wie das konkret gemessen und definiert wird.

Diese „Wirkungstransparenz“ ist neu, und es gab sie bisher nicht bei Banken. Sie kommt aus dem Stiftungswesen: Die Stiftungen müssen ihren Stiftern Rechenschaft darüber ablegen, wie nachhaltig die Anlage ist, d. h. die Anlagestrategie und das Förderziel der Stiftung müssen miteinander in Einklang sein.

Die Nachhaltigkeit bewerten

C. P.: Wie wird so eine Wirkungstransparenz dargestellt?

D. Grah: Zum Beispiel haben wir diese Wirkungsfelder genauer definiert; bei dem Thema Bildung ist das Zukunftsbild „pädagogische Vielfalt“, „Umgebungsqualität“, „Betreuungsqualität“, „Zugangsmöglichkeiten zu Bildung“. Wir haben zu Prüfung eine Vielzahl von Parametern, die wir bei unseren Kreditnehmern erheben. Dann kommt eine Nachhaltigkeitsbewertung: Wie viele von diesen SDGs (Social Development Goals) passen überhaupt für diesen Kreditnehmer? Wie gut ist dieser Kreditnehmer beispielsweise bei dem Nachhaltigkeitsziel „Gesundheit und Wohlergehen“? Hat er in seiner Schule eine gesunde Ernährung? usw.

Ganz am Ende soll es eine Einschätzung und eine Bewertung der Nachhaltigkeit dieses Kunden geben, so dass der Anleger beispielsweise sehen kann, wie viele Schüler in Schulen oder Betreute in Behinderteneinrichtungen durch die GLS-Bank gefördert werden. Wir planen für die Zukunft, das auch noch durch ein Punktesystem besser zu verobjektivieren. Dafür sollen die Kreditnehmer selbst eine Einschätzung abgeben, nicht nur wir von der Bank.

Dieses von uns entwickelte Projekt beginnt 2020, und wir hoffen, am Ende des Jahres darüber etwas veröffentlichen zu können.

Auch andere Banken fangen mit der Nachhaltigkeit an.

C. P.: Seid Ihr die einzige Bank oder arbeiten andere auch an diesem Thema?

D. Grah: Wie gesagt, die Finanzindustrie ist deutlich hinter der allgemeinen Entwicklung hinterher. Aber die Nachhaltigkeitsbanken fangen jetzt an, diese Wirkungstransparenz konkret aufzuzeigen.

Die Bundesbank baut ein Portfolio auf – „Sustainable Finance“ (=nachhaltige Finanzierung); sie legen Fonds auf, die nach solchen Kriterien definiert sind. Sie wollen den Bundesländern eine Möglichkeit geben, ihre Anleihen nach diesen Kriterien zu strukturieren, z. B. hat das Land Nordrheinwestfalen als erstes sog. Green Bonds (grüne Anleihen) aufgelegt.

Bislang gab es nur die üblichen Staatsanleihen: Man gab der Kommune oder dem Staat Geld, damit diese ihre Aufgaben erfüllen können. Damit wurden aber auch Kernkraftwerke, Kohlekraftwerke usw. aufgebaut – alles, was wir nicht mehr wollen. Jetzt sollen die Investoren die Möglichkeit haben, gezielt in den grünen Bereichen zu investieren. Das ist zu mindestens ein positiver Ansatz.

Bisher haben nur die Nachhaltigkeitsbanken wie GLS Bank oder Triodos so etwas gemacht, mit z. B. einem Klimafonds, andere Banken aber nicht. Aber jetzt fangen sie damit an. Ein großer Pensionsfonds in Holland hat nur noch Geldanlagen nach ESG-Kriterien (ethisch, ökologisch, sozial). Die Kommunen sind da etwas langsamer; die Hamburger Pensionsanlagen sind z.B. nur in Bundesländeranleihen angelegt. Das sind keine Greenbonds, also grüne Anleihen. So ist also die Aufgabe, dem Finanzsenator klar zu machen, dass auch die Freie Hansestadt Hamburg solche Greenbonds auflegen muss. Wir von der GLS-Bank sind dabei gut vernetzt; auch wenn wir nur ein verhältnismäßig kleiner Player auf dem Gebiet sind, ist doch unser Thema brandaktuell.

Sogar Saudi-Arabien setzt auf Transformation.

Ein interessantes Beispiel für diesen Trend war der Börsengang des saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco mit einem Volumen von 23 Milliarden Euro. Der saudiarabische Staat hat einen Anteil von seiner Ölindustrie verkauft, weil sie wissen, dass sie damit zukünftig auch nicht mehr so viel Geld verdienen werden. Sie brauchen das Geld, um die Transformation für ihr Land hinzubekommen, sie müssen ihren Staat auf Zukunftstechnologie trimmen. Der große Trend ist aber, dass man Nachhaltigkeitsziele in seiner Geldanlage berücksichtigt, und die Investoren erwarten das auch. Das ist aus unserer Sicht sehr positiv.

C. P.: Geht diese Entwicklung also über Deutschland und Europa hinaus?

D. Grah: Sie ist weltweit, auch in den USA, wenngleich es dort nicht der Mainstream ist. Wenn man nach China schaut, ist die ganze Finanzwelt anders konfiguriert, weil sie vom Staatskapitalismus bestimmt wird. Aber zum Beispiel wird die Elektromobilität dort mit einer ganz anderen Dynamik umgesetzt, weil man verstanden hat, dass es ein Absatzmarkt ist. Sie wissen, dass sie, wenn sie schneller als andere sind, einen Wettbewerbsvorteil haben. Es gibt in China ganz große Regionen, wo nur noch Elektrofahrzeuge zugelassen werden. Wer in China weiterhin Autos verkaufen will, muss E-Motoren anbieten; das ist auch für die deutsche Autoindustrie, die ca. 30% Absatz in China hat, ein wichtiger Faktor.

Einsicht und Preis kommen zusammen.

C. P.: So, wie du es am Anfang geschildert hast, wird ja die Einsicht und der Preis zusammenkommen, weil eine Umstellung im Laufe der Jahre noch teurer wird!?

D. Grah: Genau so ist es, und so entwickelt es sich in der Finanzindustrie gerade auch. Wenn die BaFin Risiken identifiziert, bekommen diese Risiken ihren Preis.

Heute kann man sagen, dass die grünen Geldanlagen den nicht-nachhaltigen in nichts mehr nachstehen, im Gegenteil: Sie erwirtschaften sogar eine höhere Rendite. Das wird sich auch noch steigern.

C. P.: Sind das im Moment Vorschläge, die aber in einigen Jahren Gesetz werden können?!

D. Grah: Zunächst ist es von der BaFin als Merkblatt veröffentlicht worden, wird aber in der Banken- und Versicherungswelt mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Auf der einen Seite stöhnen die Banken und Versicherungen über die Regulierungswut des Staates, aber auf der anderen Seite ist es richtig und wichtig, dass die BaFin als staatliche Behörde, das, was sich im Nachhaltigkeitsbereich entwickelt, in ihre Betrachtung mit aufnimmt. Und wenn so eine Aufsichtsbehörde solche Risiken in Betracht zieht, diese mit Kosten verbindet, dann wird etwas in Bewegung kommen.

Auf EU-Ebene ist erstmal angesagt, dass man „Sustainable“ (= nachhaltig) definiert. Das ist für einige Länder, wie z. B. Polen mit den vielen Kohlekraftwerken eine gewaltige Herausforderung. Genau so will man festlegen, was sustainable financing ist und was es nicht ist. Diese Reglementierung ist ein Fortschritt, damit nicht jeder beliebig behaupten kann, er mache eine grüne Geldanlage.

Bei „bio“ beispielsweise ist der EU-Standard relativ niedrig definiert, aber immerhin gibt es ihn. Jetzt hat die neue Kommission sich sehr hohe Ziele gesetzt, um die gesamte Landwirtschaft in Europa nachhaltiger zu gestalten. Insofern ist es gut, dass die EU einen definitorischen Rahmen für „nachhaltige Finanzwirtschaft“ festlegt. Auch wenn die Latte zunächst noch tief hängt – der Anfang ist gemacht, und höher hängen kann man sie immer noch.

 

Wir als GLS Bank versuchen in diesem Transformationsprozess eine aktive Rolle zu spielen. Dazu ist eine gute Vernetzung mit anderen Akteuren wichtig.

Daher sind wir in Hamburg auch sehr glücklich, dass wir in unserem Standort Veranstaltungsräume zur Verfügung stellen können, wo sich die Akteure treffen und eine inhaltliche Diskussion in vielfältiger Weise stattfinden kann.

 

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