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Geistiges Heilen, Teil I und II

Interview mit Gabriele Keitel-Borth, Lars-Ulrich Cortes Rosa, Arzt und Jochen Pajunk, Pfarrer i. R.

Man kann es sehen und sieht es doch irgendwie nicht, weil der Verstand es gar nicht aushält: Ohne Sterilisation der Geräte und mit einem einfachen Messer werden die Augenpupillen geschabt, vor den eigenen Augen werden Menschen operiert, indem ihnen ohne Narkose mit dem Messer in den Leib eingefahren wird. Und sie verlassen alle geheilt diesen Ort. Es passieren Dinge, die es in unserer westlichen Welt und nach unseren Vorstellungen nicht gibt. Das sind Erlebnisse der Interviewpartner, die einen Heiler in Brasilien besuchten.
Aber auch in einem nordfriesischen Dorf ist eine Frau in der Lage, durch Handauflegen eine Krebsgeschwulst verschwinden zu lassen. Die behandelnden Ärzte in Niebüll hatten dafür keine Erklärung. Diese nordfriesische Heilerin hatte sich durch ihr Gebetsleben die Fähigkeit des Heilens erworben.
Es gibt wissenschaftliche Belege, Videoaufnahmen, Augenzeugen und auch selbst geheilte Menschen, die belegen, dass es diese Phänomene gibt. „Erklären“ können wir sie mit unserem Verstand nicht. Die Interviewpartner/in haben selbst mit eigenen Augen diese Heilungen gesehen und erlebt, aber es ist insofern nur ein Herantasten an die geistigen Kräfte und Prozesse, die dahinter stehen.

Gabriele Keitel-Borth
Gabriele Keitel-Borth

Gabriele Keitel-Borth hat eine kleine Praxis, in der sie Öldispersionsbäder gibt und Beratungsgespräche führt. Sie ist seit 30 Jahren mit geistiger Heilung beschäftigt, seit 2004 hat sie die Auseinandersetzung damit intensiviert.

Lars-Ulrich Cortes Rosa
Lars-Ulrich Cortes Rosa

Lars-Ulrich Cortes Rosa, Facharzt für Innere Medizin und in hausärztlicher Praxis tätig seit 6 Jahren. „Ich bin nach schulmedizinischen Kriterien Arzt geworden und hatte viel Glück, was ich an der modernen Medizin lernen durfte. Jetzt mache ich als Hausarzt darüber hinausgehende Erfahrungen, dass die Medizin mit ihrer Technik und Möglichkeiten der Diagnosestellung einer dringenden Ergänzung bedarf, nämlich was der kranke Mensch außerdem noch braucht.“

Jochen Pajunk
Jochen Pajunk

Jochen Pajunk, Priester der Christengemeinschaft im Ruhestand, früher evangelischer Pfarrer. Er war schon als Student mit den Fragen der geistigen Heilung beschäftigt, weil „die Christen einen Heilungsauftrag haben – das ist im Neuen Testament vom Christus selber so formuliert worden.“ Er leitet und betreut Gruppen, die den Impuls „heilende Meditation und Fürbitte“ pflegen. Lars-Ulrich Cortes Rosa und Frau Keitel-Borth sind Mitglieder in einer dieser Gruppen.

Christine Pflug: Welche Erfahrungen und Beispiele geistiger Heilung haben Sie erlebt?

Jochen Pajunk: Als evangelischer Pfarrer in den 70er Jahren habe ich in Hamburg eine Frau kennengelernt, die inzwischen verstorbene Margot Ogasa, die durch ihr Gebetsleben die Fähigkeit des Heilens erworben hatte. Sie hatte gesagt, dass ihr diese Kräfte von Christus zufließen. Mit ihr war ich zu Kranken gegangen und habe beobachtet, wie sie durch Handauflegen heilte. Beispielsweise waren wir in einem nordfriesischen kleinen Dorf bei einer alten Krankenschwester, die am Hals eine Hühnerei-große Krebsgeschwulst hatte; das war im Krankenhaus in Niebüll als solche diagnostiziert worden. Wir gingen in ihr Wohnzimmer, unterhielten uns eine Weile mit ihr, dann hielt Frau Ogasa die Hand über die Geschwulst und fing an zu beten. Nach ungefähr 20 Minuten war die Geschwulst verschwunden.

die Ärzte hatten keine Erklärung dafür

Ein paar Tage später wurde die alte Krankenschwester im Krankenhaus Niebüll untersucht, sie sollte dort operiert werden. Die Krankheit war geheilt. Die Ärzte hatten keine Erklärung dafür.
Frau Ogasa hatte Kontakt mit anderen Heilern, und dadurch kam ich in Kontakt mit einer Heilerin in Süddeutschland. Diese flog mit ihren Patienten auf die Philippinen zu den Geistheilern. Durch einen Unfall wurde sie dann daran gehindert und übertrug mir diese Aufgabe, so dass ich öfter mit einer Gruppe von 15 – 20 Menschen auf die Philippinen flog. Ich konnte immer beobachten, wie die Geistheiler dort gearbeitet haben.

C. P.: Welche Heilweisen gibt es?

J. Pajunk: Es gibt verschiedene Heilweisen. Bei der extremsten Heilweise, die aber auch nicht so häufig praktiziert wird, ist der Heiler in der Lage, eine Körperstelle zu dematerialisieren – so würde ich diesen Vorgang meinerseits interpretieren. So kann er beispielsweise einen Eingriff in die Bauchhöhle machen und eine Krebsgeschwulst herausholen – mit der bloßen Hand, ohne Betäubung etc. Anschließend wird die Wunde wieder geschlossen. Man sieht nicht einmal eine Narbe. Dieses Phänomen kann man nicht leugnen, wenn man es auch nicht erklären kann.
Diese Heilweise wurde von Forschern wissenschaftlich untersucht. Zwei der besten Forscher auf diesem Gebiet waren Dr. Hans Naegelie Osjord aus Zürich und Hiroshi Motoyama, Ph.D. aus Tokyo. Die Untersuchungen dieser Wissenschaftler sind so genau, dass man jede Scharlatanerie ausschließen kann. Beide Forscher haben die Heilungen gefilmt, Beobachter eingesetzt, Gewebeproben wurden an verschiedenen Universitäten untersucht. Man hat Heiler unter Laborbedingungen im Ausland, z. B. in Japan, untersucht unter Einsatz von medizinisch-technischen Geräten usw. Diese Forschungen sind veröffentlich. (Hans Naegeli Osjord: „Die Logurgie in den Philippinen“. Hiroshi Motoyama: „Psychic Surgery in the Philippines“. „Tony Agpava´s Psychic Surgery and it`s mechanism“)

C. P.: Welche Heilweisen gibt es noch?

J. Pajunk: Eine andere Heilweise hat als Grundlage, dass der Heiler zunächst im Energiekörper des Menschen die Krankheit hellsichtig wahrnimmt. Entweder hat sich die Krankheit im Körper schon manifestiert oder sie hat Symptome verursacht, wie zum Beispiel Schmerzen. Diese energetische Störung wird materialisiert, erscheint dadurch auf der Körperoberfläche und kann dort entfernt werden, d. h. man hat die Ursache des physischen Symptoms im Energiekörper entfernt.
Die dritte Heilmethode kommt aus dem Christentum, man kennt sie als Handauflegung. An dieser Stelle möchte ich einschieben, dass die Heiler auf den Philippinen auch aus dem Christentum stammen, ursprünglich aus dem Katholizismus, sie sind aber aufgrund dieser Phänomene aus der Kirche ausgeschlossen worden und haben oft eine eigene christliche Gemeinde begründet.
Das Handauflegen und sog. Gesundbeten habe ich öfter erlebt, manchmal auch bei der Gruppe, die ich betreut habe. Beispielsweise trat ein Heiler ans Bett einer Kranken, die wegen einer parkinsonschen Schüttellähmung auf die Philippinen kam, dort noch eine fiebrige Krankheit dazu bekam, legte ihr die Hand auf und betete. Dieser fiebrige Zustand und eine große Erschöpfung, die sie hatte, konnten auf diese Weise in einer viertel Stunde geheilt werden. Erst dann war sie in der Lage, wegen ihrer parkinsonschen Krankheit zu einem anderen Heiler zu gehen.

C. P.: Frau Keitel-Borth, haben Sie Beispiele von Heilung erlebt?

Gabriele Keitel-Borth: Seit 2004 habe ich meine kleine Praxis langsam entwickelt, mit meinen Wunsch, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten; dabei ist mir das Gebet sehr nahe. Wenn ich mich zu den Menschen hinwende mit einem Gebet, einem Spruch oder mit Worten, die wie aus meinem Herzen heraustönen, durfte ich erfahren, auch wenn die Menschen räumlich ganz weit entfernt wohnten, dass Veränderungen passieren. Es ging ihnen so, dass sie wieder selbst für ihr Leben sorgen und nächste Schritte gehen konnte. Das hat mich immer wacher dafür gemacht, anderen helfen zu wollen und zu können, sei es durch die Öldispersionsbäder, durch Beratungsgespräche oder eben auch geistig, d. h. wenn ich mich mit erfüllten Gedanken an einen Menschen wende. Da dadurch immer eine Veränderung passierte, habe ich weiter nach Erfahrungen gesucht, wie das von anderen praktiziert wird. Ich stieß dabei auf João de Deus, der in Brasilien, in der Nähe von Brasilia, eine wachsende Ortschaft namens Abadiânia gegründet hat.

Die „Patienten“ sind dabei in völliger Entspannung und haben keine Betäubung bekommen

C. P.: Wie geschehen die Heilungen bei João de Deus in Brasilien?

G. Keitel-Borth: Er heilt als Voll-Trance Medium und – so beschreibt er das – mit göttlicher Kraft und mit Hilfe von verstorbenen Individualitäten, die vor Jahrhunderten auf der Erde heilend tätig waren. Beispielsweise ist die Wesenheit eines Augenarztes dabei, und João de Deus führt Augenoperationen aus, bei denen alle zuschauen können. Die Menschen stehen um ihn herum und nehmen Anteil an diesem Wunder, dass ohne Sterilisation der Geräte und mit einem einfachen Messer die Augenpupillen geschabt werden oder dass aus der Brust „etwas“ – wahrscheinlich ein Tumor – entnommen wird. Man kann das sehen und sieht es doch irgendwie nicht, weil der Verstand es gar nicht aushält. Die „Patienten“ sind dabei in völliger Entspannung, haben keine Betäubung bekommen, sind wie leuchtend und mit Liebe erfüllt, und in dieser Energie empfinden sie keine Schmerzen. Ich habe diese Form des Heilens mit eigenen Augen gesehen und auch erlebt, als wir mit einer großen Gruppe von Menschen in dem Raum saßen, dass uns João im Namen Jesu Christi segnete und jeder auf seine Weise eine geistige Berührung erfuhr. Rollstuhlfahrer, Alte und Junge, Anhänger aller Religionen oder auch nicht-religiöse Menschen kommen zutiefst verändert und berührt wieder in ihr Leben zurück. Wir sprechen viel über „Geist“ oder geistiges Heilen, aber an diesem Ort konnte man das mit eigenen Augen sehen und durfte auch bei sich, als ganzer Mensch und nicht nur am Körper, durch diese Segnung eine tiefgreifende Erfahrung erleben. Obwohl so viele da waren, hatte er jeden in seinem innersten Kern und seiner Individualität erreicht.

C. P.: Haben Sie selbst erlebt, dass Sie von einer Krankheit geheilt wurden?

G. Keitel-Borth: Ich hatte eine Sehnerventzündung am linken Auge; dieses Auge, schon seit Jahren anfällig, war wieder in einem schlechten Zustand. Ich konnte erleben, wie an meinem Kopf gewirkt wurde, als ob er durchlichtet und durchgestaltet wurde. Die Wirkung ging aber auch über den Kopf hinaus, und ich spürte Freude und Frieden. Erst Tage später, man sollte sich nach so einem Treffen 24 Stunden in die eigene Ruhe begeben, merkte ich, dass es meinem Auge gut ging und die Schmerzen waren weg.

C. P.: Herr Cortes-Rosa, Sie waren auch bei João. Mit welchen Krankheiten und Gebrechen kommen die Menschen und wie gehen sie wieder weg?

wirklich schlimme Krankheiten

Lars-Ulrich Cortes Rosa: Wenn man wirklich schlimme Krankheiten sehen will, findet man sie alle in diesem Ort. Beispielsweise Degenerationskrankheiten der Hüften, Knie, Wirbelsäule, innere Erkrankungen der Leber, des Herzens etc., des weiteren Geschlechtskrankheiten, Infektionskrankheiten etc., aber auch Epilepsie, psychische Erkrankungen bis hin zu malignen, also bösartigen Tumorerkrankungen.

es werden Erkrankungen geheilt, die hier im Westen nicht heilbar sind

Für uns Ärzte aus der westlichen Welt ist interessant, dass definitiv Erkrankungen geheilt werden, die hier im Westen nicht heilbar sind, zum Beispiel Epilepsie, HIV oder eine Makuladegeneration, eine Erkrankung bei der die Aufnahmefähigkeit der Rezeptoren am Auge allmählichen verschwindet. Diese Krankheiten kann man in unserer westlichen Welt behandeln, mit erheblicher medikamentöser Therapie, und auf ein gutes Niveau einstellen, dass beispielsweise keine Krampfanfälle auftreten oder dass die Menschen mit Immunschwächen länger leben können – aber heilbar ist das schulmedizinisch nicht. Aber dort sind diese Krankheiten wirklich erfolgreich behandelt worden. Man muss die Frage stellen, was dort in dem Ort Abadiânia passiert. Es ist bestimmt nicht so, dass jemand mit einer fortgeschrittenen HIV-Infektion kommt, dann die Krankheit weg ist und alle Symptome auch, sondern es werden Prozesse angelegt, die den Weg einer Heilung ermöglichen. Beispielsweise berichtete ein Mensch oder Mann, der von HIV geheilt wurden, im Nachhinein, dass es für ihn großartig gewesen sei, von der Krankheit befreit zu werden, aber dass das nur ein Ausdruck von etwas anderem war, nämlich an seinem eigenen Ego zu arbeiten. Diese Krankheit war ein Ausdruck seiner eigenen Egomanie, und dass er einen solchen Reifungsschritt machen konnte, das überhaupt zu sehen und sich in seinem Innersten zu ändern, wurde dann im weiteren Verlauf die eigentliche Befreiung von der Krankheit. Heute ist er Viruslastfrei. Das können wir uns hier überhaupt nicht vorstellen.

C. P.: Was macht es, dass beispielsweise so ein Mensch an seiner Egomanie arbeiten kann? Bekommt er dort einen Schub in diese Richtung und muss dann alleine weiter machen? Denn irgendwo muss doch eine eigene Aktivität dazukommen …

L.-U. Cortes Rosa: Das ist mir selbst eine Frage. Die Menschen kommen mit allen Krankheiten aus der ganzen Welt. Es ist aber auch jedes intellektuelle Niveau vertreten; der Mensch mit HIV beispielsweise hatte eine Möglichkeit, das zu reflektieren. Die Menschen, die wir getroffen haben, berichteten alle, dass sie sozusagen auf ihrem Lebensweg, wo sie in dem Moment gerade stehen, voll und ganz erkannt wurden. Es gibt also zwei Voraussetzungen: Sie werden zum einen gesehen, aber sie müssen sich zum anderen auch bewusst werden darüber, wo sie in ihrem Leben gerade stehen.

jeder bekommt die Möglichkeit, sich selbst in seinem innersten Kern zu treffen

Es wird nicht jeder irgendwie geheilt, sondern jeder bekommt die Möglichkeit, sich selbst in seinem innersten Kern zu treffen. Und je „tiefer“ das im Inneren ist, desto besser, würde ich denken, sind die Chancen auf eine Heilung. Da entsteht eine Art Anknüpfungspunkt, und die Heilung hängt bestimmt auch davon ab, wie man in der Lage ist, diesen selber handhaben zu können. Man kann sich beteiligen, bei den Gebeten mitmachen, die Medikamente einnehmen, die man dort bekommt, aber eben auch die inneren Schritte der eigenen Entwicklung vollziehen, manchmal über viele Jahre.
Wir haben die Heilungen gesehen und es ist völlig unbestritten, dass solche Phänomene stattfinden. Obwohl man es gesehen hat, mag man es vielleicht immer noch nicht glauben, dass beispielsweise Menschen mit Krücken reingehen und ohne Krücken rauskommen, dass den Menschen die Pocken wie aus dem Gesicht fallen. Man kann das alles sehen: Es wurden Leute vor meinen Augen operiert. Ohne Narkose wurde dabei mit dem Messer in den Leib eingefahren, und die Behandelten ließen das alles mit sich machen. Was aus westlicher Sicht auch ein völliges Rätsel darstellt, sind die hygienischen Bedingungen. Da wird also jemand vor den Augen aller operiert. Schon das findet hier in Deutschland im OP statt. Joao de Deus wäscht sich die Hände in einer Schüssel mit Wasser. Aber Desinfektionsmittel oder Handschuhe benutzt er nicht. Auch die Körperstelle, in die geschnitten wird, ist nicht besonders vorbereitet. Und die Nadel, mit der die Wunde dann genäht wird, erinnert mehr an eine Stopfnadel denn an modernes OP-Besteck. In all der Zeit ist es nicht ein einziges Mal zu einer Infektion gekommen. Ein unglaubliches Rätsel!

es passieren Dinge, die es in unserer westlichen Welt und nach unseren Vorstellungen nicht gibt

Alle stehen mit Kameras, Handys drum herum, filmen und fotografieren, man kann es im Internet anschauen (siehe im Internet: Videos zu joao de deus, Anm. d. Red.) – es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass das so ist. Auch wenn wir daneben stehen, fehlt uns trotzdem der nötige Glaube daran, dass hier Dinge passieren, die es in unserer Welt und nach unseren Vorstellungen nicht gibt.

J. Pajunk: Ich kann noch ein Beispiel nennen. Diese Heilungen wirken auf den Charakter und auf die seelischen Probleme des Menschen. Ich habe auf den Philippinen einen Farmer getroffen, der Parkinsonsche Schüttellähmung hatte und dort geheilt wurde. Dann wurde er sehr depressiv, betrank sich an der Bar und hatte die Schüttellähmung wieder. Ich hatte ihn gefragt, wann die Schüttellähmung eingetreten sei: nach dem Tod seiner Frau. Es kam heraus, dass er keine Trauerarbeit geleistet hatte, sondern alles, wie mir schien, in den Körper abgeschoben hatte. Zunächst flog er voller Wut nachhause. Der Leiter der Gruppe war ein Arzt aus Kanada, und dieser hatte mit ihm dort die Trauerarbeit vollzogen. Ein Jahr später flog er wieder auf die Philippinen, und nachdem er nun den Tod seiner Frau verarbeitet hatte, wurde er geheilt und blieb auch gesund.
Auf den Philippinen sagen die Heiler, dass es ihnen in erster Linie gar nicht um die Beseitigung von Symptomen ginge, sondern dass sich der betreffende Mensch entwickelt. Sie schildern das auf eine einfache Weise: „Unsere Aufgabe ist es, dass ihr wieder den Kontakt zu Gott herstellt und wieder zum Glauben kommt, und wir benutzen die Heilung dafür, dass ihr merkt, dass die geistige Welt eine Realität ist und der Christus wirklich der Menschenheiler ist.“

L.-U. Cortes Rosa: So ähnlich wird das in Brasilien auch beschrieben: Die Wesen, die zur Heilung aufgerufen werden, haben weniger Interesse an der Heilung des Körpers als an der Heilung der Seele.

C. P.: … und dazu muss dann aber auch eine Aktivität des eigenen Ichs kommen!?

L.-U. Cortes Rosa: Jeder, der von der Heilung rauskommt, hat eine Wahrnehmung; der eine schläft erst mal 72 Stunden, ist danach völlig erfrischt, und bei einem anderen tauchen die Lebensthemen auf, die jetzt dran sind. Es sind keine Neuigkeiten, aber es werden Akzente gesetzt: „Ja, das habe ich schon immer irgendwie gewusst“, aber jetzt fordert es eine Auseinandersetzung.

J. Pajunk: Die Frage nach der Ich-Aktivität ist eine mehr westliche Sichtweise. Die Menschen sind sehr verschieden. Wenn die Bewohner der Philippinen zu einem Heiler gehen, dann sind sie vielleicht noch gar nicht in der Lage, sich bewusst mit dem eigenen Schatten oder den Doppelgängerphänomenen auseinanderzusetzen. Für sie würde es bedeuten, dass sie wieder anfangen, zu glauben, zu beten und auf den Geist zu vertrauen.

kein Heiler kann wirken, wenn nicht diese Kraft der Liebe die Menschen erreicht

G. Keitel-Borth: Das geht bis dahin, dass man Gewohnheiten verändert. Ich habe den Bericht einer Frau, die auch in Abadiânia von ihrem Krebs geheilt wurde, gehört. Sie ging nach Hause, fiel in die Gewohnheiten ihres alten Lebens zurück, erkrankte wieder, reiste wieder nach Abadiânia, aber dann war es für eine Heilung zu spät. Die Heilung dieser berühmten Heiler, die das seit Jahrzehnten schon erfolgreich praktizieren, geschieht aus göttlicher Kraft, aber kein Heiler kann wirken, wenn nicht diese Kraft der Liebe die Menschen erreicht. Und das kann nur der Behandelte selbst in Erfahrung bringen und in sich aufnehmen.

Christine Pflug: Warum wird der eine Mensch, der zu einem Geistheiler geht, geheilt und der andere nicht, denn es gibt ja keine Garantie auf Erfolg. Wovon hängt es ab, ob jemand geheilt wird?

Jochen Pajunk: Die philippinischen Heiler sagen, dass sie die Aura des Menschen sehen könnten, und an dieser würden sie ablesen, ob der Betreffende geheilt werden dürfe oder nicht. Dahinter steht der Glaube, dass die geistigen Wesen das Karma, d. h. das Schicksal des Betreffenden überblicken. Der Heiler kann das an den Farben der Aura ablesen, und wenn der Mensch nicht geheilt werden kann, darf er ihm anders helfen. Ich hatte beispielsweise eine Frau in der Gruppe dabei, und sie hatte eine dicke Krebsgeschwulst am Hals. Sie wurde nicht geheilt, der Heiler konnte ihr aber die Schmerzen nehmen.

Lars-Ulrich Cortes Rosa: In Brasilien bei dem Heiler João de Deus ist es so: Wer kommt, signalisiert grundsätzlich die Bereitschaft, dass diese geistigen Wesenheiten (siehe Interview November 2011) an einem arbeiten dürfen. Man kann nicht für jemand, der das selbst gar nicht will, eine Heilung erbitten. Man muss bereit sein, sich zu öffnen, und man muss auch wissen, wie weit man sich öffnen möchte. Es war beispielsweise ein Mann dort, der war körperlich krank und wollte so weit gesund werden, dass er seine Familie mit fünf Kindern durchbringen konnte. Bis zu diesem Niveau wurde er dann auch geheilt. Aber er hatte keine eigene Frage, was ihn krank gemacht hatte. Und weil er diese Frage gar nicht hatte, wurde sie so auch nicht beantwortet. So hängt möglicherweise die Qualität der Heilung damit zusammen, wie weit man innerlich wirklich bereit ist, an das wahre Schicksal heranzukommen.

für andere Heilung erbitten?

J. Pajunk: Im neuen Testament wird das mit dem Wort Glauben beschrieben, d. h. dass der Mensch an die Heilungsmöglichkeiten glauben soll.
Es wird im neuen Testament aber auch die Möglichkeit beschrieben, dass durchaus andere für jemand Heilung erbitten können, z. B. der Gelähmte, der von seinen Freunden durch das Dach vor den Christus hinuntergelassen wurde. In seinem Buch „Die vergessene Gabe – Heilung als biblischer Auftrag“ berichtet der schottische Pfarrer John Cameron Peddie von einem schwerkranken Mann. Die Ehefrau war darüber ganz verzweifelt, aber ihr Mann glaubte nicht an eine geistige Heilungsmöglichkeit. Die Frau bat dann diesen Pfarrer, ihren Mann doch zu behandeln, und als dieser fühlte, dass es ihm besser geht, fing er an zu glauben und wurde dann von seiner Krankheit geheilt. Dieses Prinzip spielt in der Psychotherapie auch eine Rolle: der Kranke, der seelische Störungen hat, glaubt vielleicht nicht an die eigene Heilung; aber der Therapeut muss daran festhalten, dass der Kranke in seinem innersten Wesen gesund ist und auch von seinen Symptomen frei werden kann.

C. P.: Herr Cortes Rosa, als Arzt haben Sie die Schulmedizin kennengelernt, arbeiten mit technischen Geräten, wissen von Symptombeseitigung der modernen Medizin und auf der anderen Seite erleben Sie diese Heilungsphänomene in Brasilien. Wie kriegen Sie das zusammen?

sich immer mehr in Richtung Individualität eines Menschen vorarbeiten

Lars-Ulrich Cortes Rosa: Zunächst passt es nicht zusammen. Wenn wir Patienten mit Tumorerkrankung haben, die aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr gesund werden können, kann es aber an solchen Orten wie Abadiânia trotzdem eine Heilung geben. Man muss sich fragen, was da passiert: Wir in der Schulmedizin müssen uns vom körperlich-technischen Bereich immer mehr in Richtung Individualität und damit zur geistigen Substanz eines Menschen vorarbeiten. Wir kommen dabei mehr von außen: wir kennen die Psychosomatik, die Psychotherapie und wissen ein wenig, was die Seele ist, merken dabei aber, dass der Weg von der Oberfläche zum Inneren des Menschen noch lange nicht zu Ende gegangen ist. Die geistigen Heilprozesse gehen vielleicht den umgekehrten Weg, nämlich von innen nach außen. Man braucht einen gesunden Körper, um einen gesunden Geist zu haben, aber vielleicht braucht man auch einen gesunden Geist, der wiederum den Körper heilen kann. Natürlich ist die geistige Substanz als solche nie krank, aber dieses Geistige braucht eine Menge Bedingungen und eben auch Erkrankungen, um sich zu verwirklichen. Es ist immer ein Wechselspiel, wie stark der Körper ist, um das Geistige auszuhalten. Auf dieses Wechselspiel ist der Augenmerk zu legen.

C. P.: Haben Sie Beispiele dafür, wann das Geistige die Bedingung einer Krankheit braucht?

das Geistige braucht eine Menge Bedingungen um sich zu verwirklichen

J. Pajunk: Es kann sein, dass Menschen nicht von ihrer körperlichen Krankheit geheilt werden, aber eine seelische Heilung erfahren. Als evangelischer Pfarrer hielt ich Gottesdienste für Kranke und deren Angehörige und Freunde. Eine alte Krankenschwester beispielsweise kam zu solch einem Gottesdienst, rief mich danach an und sagte: „Ich hatte wirklich mit meinem Herrgott gehadert. Mein ganzes Leben lang habe ich Krebskranke gepflegt, und nun habe ich selber diese Krankheit. Als ich in dem Gottesdienst war, verschwand auf einmal der Pastor, und der Christus stand da in seiner Auferstehungsgestalt. Das blieb bis zum Ende des Gottesdienstes so, und ich fühlte mich so getröstet. Ich habe IHN gesehen, und wenn ich jetzt irgendwann sterbe, dann kann ich in Frieden zu IHM heimgehen.“ Sie war also in ihrer Seele geheilt, wenn auch nicht in ihrem Körper. Ähnliche Erlebnisse hatte ich auch als Krankenhausseelsorger. Wir in unserer christlichen Tradition haben ebenfalls die Möglichkeit und auch die Aufgabe, aus dem Vertrauen in die heilende Kräfte des Christus uns für diesen Dienst am notleidenden Mitmenschen zur Verfügung zu stellen.

Gabriele Keitel-Borth: Bei dem Arzt und Heiler Dr. med. Wolfgang Bittscheidt entstand beispielsweise durch seine schwere Erkrankung, die durch die Heilkraft des Gebetes dem Gesunden den Raum freigab, die große Aufgabe, Schulmedizin und Geistiges Heilen ins Gespräch und zugleich in die Erfahrbarkeit zu bringen. Bei mir war es 2004, nach 18-jähriger Tätigkeit als Waldorf-Gründungs-Kindergärtnerin, als durch eine Herzerkrankung die Wende nach „innen“ begann. Heute sehe ich es als meine Lebensaufgabe, und so verstehe ich auch dieses Interview, dass immer mehr Menschen ins Gespräch kommen über die Heilkräfte des Lebens, die sich in jedem Menschen individuell und zugleich objektiv ausdrücken können.

C. P.: Welche Rolle spielt die Gemeinschaft, die bei solch einer Heilung mit dabei ist?

Heilungsgottesdienste

J. Pajunk: Zu diesen Heilungsgottesdiensten in einer kleinen friesischen Dorfkirche kamen damals bis zu 150 Menschen, ungefähr 50 davon waren Kranke. Die Atmosphäre war sehr dicht, denn es waren Kranke, bei denen die Schulmedizin die Heilung aufgegeben hatte. Es waren ganz normale Gottesdienste mit Predigt, Liedern, und Gebeten zu dem Thema „Heilung aus dem Glauben“ und einer anschließenden Kommunion; zusammen mit der im ersten Interview erwähnten Heilerin (siehe HINWEIS November 2011) habe ich den Kranken nach der Kommunion die Hände auf den Kopf aufgelegt und habe einen Heilungssegen gesprochen. Es sind wirkliche Heilungen geschehen. Eine Frau hatte einen Gehirntumor, der im Krankenhaus in Niebüll diagnostiziert wurde, und der war dann verschwunden.
Was bei diesen Heilungsgottesdienstes wesentlich zur Heilung beigetragen hatte, war die Gemeinschaft, die mit Liebe und Anteilnahme die Kranken begleitete. Das hatte Frau Keitel auch aus Brasilien berichtet: Mehrere hundert Menschen beten und meditieren in dem Raum und ermöglichen João de Deus die Heilungen durchzuführen. Es ist heute wichtig, nicht nur auf den individuellen Heiler zu schauen, sondern auch auf die Gemeinschaft, die die Heilung ermöglicht.

L.-U. Cortes Rosa: Dieser Aspekt der helfenden Gemeinschaft knüpft auch an bei dem, was ich vorhin meinte: Wie soll der Weg sein, der vom Körper zum Geist führt, und wie kann man sich dieses Dazwischen vorstellen? Man kann sich ein simples Beispiel zu Hilfe nehmen: Ein Kind fällt von einem Klettergerüst herunter und hat offensichtlich Schmerzen. Die Erwachsenen, die zugesehen haben, wissen:„Das tut jetzt richtig heftig weh“ und empfinden quasi den Schmerz des Kindes schon selbst. Die Mutter sieht: „Ich weiß ganz genau, was dir jetzt weh tut“, und das Kind wiederum merkt, dass sie das weiß. In solch einer Situation hat man den Eindruck, dass sich viel schneller, als es sonst der Fall wäre, der Schmerz bei dem Kind auflöst. Was passiert da? Was ereignet sich bei der Mutter? In der Schulmedizin geht die Entwicklung immer mehr dahin, dass wir Zusammenhänge entdecken: Je wesentlicher wir die Diagnose und die Therapie gestalten können, desto höher ist die Möglichkeit, dass wir Heilung bringen können. Dabei stellt sich die Frage, was Heilung wirklich ist. Mitunter hat man die Vorstellung von einem grandiosen Feuerwerk: Jetzt ist alles gut und schmerzfrei. Das ist aber selten der Fall, denn der Heilprozess hat etwas zu tun mit einer wirklichen Wesenserkennung desjenigen, der Heilbedarf hat und desjenigen, der ihn von außen tatsächlich sieht. Und wenn wir in eine Situation geraten, in der wir uns für einen Augenblick so gesehen fühlen, wie wir wirklich sind, dann lässt uns das manchmal wie „erwischt“ und beschämt fühlen, aber manchmal fühlen wir uns geheilt. Es taucht dann, zunächst kaum wahrnehmbar, aus den unendlichen Tiefen der Seele ein Gefühl auf von großer Dankbarkeit.

Wie kann man H(h)eiler werden?

C. P.: Sie sprachen davon, dass João de Deus während seinen Heilungssitzungen in Trance ist und andere Wesen – verstorbene Ärzte und Heilige aus anderen Jahrhunderten – sich in ihm inkarnieren. Das ist ja etwas sehr Spezielles. Beispielsweise Jochen Pajunk als evangelischer Pfarrer und die christliche Heilerin (siehe HINWEIS 11/2011) scheinen das aus Kräften zu tun, die uns hier zunächst „normaler“ vorkommen. Was befähigt einen individuellen Menschen – von der unterstützenden Gemeinschaft abgesehen – zu heilen? Welchen Weg sollte er gehen?

Gabriele Keitel-Borth: Wenn jemand Heiler werden möchte, will er – für sich selbst – zunächst „heil“ sein. Danach suchen unzählige Menschen, weil der Hunger nach Ausgeglichenheit, nach Kräfte spüren wollen, nicht mehr gejagt-Sein, nach Stille, letztlich der Begegnung mit dem wahren Sein unglaublich groß ist. Wenn dieser Wunsch aus dem Herzen kommt und gesund wachsen kann, und nicht vordergründig schnelle Methoden und Geldverdienen dahinter stehen, findet jeder seinen individuellen Weg. Der eine bekommt an der Klagemauer in Jerusalem eine Eingebung, wie der Heiler Pjotr Elkunoviz, der dir geistige Kraft zur Wirbelsäulenaufrichtung empfangen hat (unter www.begradigungsheiler.de), der nächste im Traum, ein anderer gewinnt Erkenntnisse durch das Studieren der Werke Rudolf Steiners. Wir haben eine Fülle von individuellen Umwandlungsprozessen und sind heute wach dafür, dass diese Wege immer ganz individuell gefunden werden müssen. Wenn man in eine Geistheilerschule in England, die es inzwischen auch in Deutschland oder in der Schweiz gibt, geht, ist dabei die Frage: Erlerne ich Methoden oder geht das so tief durch mich hindurch, dass ich immer authentischer damit werde?

geistige Wesen, die an dieser Arbeit interessiert sind

J. Pajunk: Nach meinen Erfahrungen sagen die großen Heiler, dass sie ihre Fähigkeiten durch beten und meditieren bekämen. Dabei hat jeder seinen individuellen Weg, aber letztlich geht es darum, wie man sich für die geistigen Kräfte öffnet, bzw. für die geistigen Wesen, die an dieser Arbeit interessiert sind. Bei João de Deus sind das diese verstorbenen Ärzte, der englische Heiler Harry Edwards sagt von sich auch, dass er mit Wesen zusammengearbeitet hat; Rudolf Steiner spricht ebenfalls davon, dass wir zum Wohle der Menschheit mit den Verstorbenen zusammenarbeiten sollten. Man findet das überall, und nun kommt es darauf an, dass man die Disziplin aufbringt und das wirklich umsetzt. Der schottische Pfarrer hat in dem bereits erwähnten Buch geschrieben und auf seine schlichte, aber sehr wirksame Weise geschildert, dass er sich jeden Abend von 23 bis 24 Uhr hinsetzte und mit Christus wachte; die Jünger hätten das im Garten Gethsemane nicht geschafft, aber er wolle das mal versuchen. Das machte er fünf Jahre lang; er dachte nie daran, einen Heilungsauftrag zu bekommen, dazu war er viel zu bescheiden. Nach diesen fünf Jahren kamen die Menschen zu ihm und baten um Heilung; zunächst war er sehr zurückhaltend, aber dann verstand er, dass er durch seine hingebungsvolle Treue an den Christus diese Fähigkeit geschenkt bekommen hatte. Die Sakristei wurde dann zur Klinik – so beschrieb er das – und er heilte tausende von Menschen.

Man muss sehr kritisch schauen, mit wem man es zu tun hat!

L.-U. Cortes Rosa: Wir sprechen jetzt von großen Heilern, die sich auf Christus oder auf religiöse Motive beziehen, aber wenn man es allgemein fasst, kann man sagen: Die geistige Welt will das ja selber. Für mich stellen sich dabei aber etliche Fragen. Wenn man die Augen und Ohren aufmacht, sieht man, dass jeder irgendwelche kleinen Begabungen hat. Aber das, was da dumpf auftaucht, finde ich zweifelhaft, weil es ungefiltert kommt und völlig unklar ist. Beispielsweise fangen Menschen an, irgendetwas auszuüben, vielleicht sogar, weil sie manipulieren wollen, oder andere geben sich als Heiler aus und hantieren mit Geistkräften, aber es ist unklar, woher sie das haben, welche Intentionen dahinter stehen und auch, wie gesund das letztlich ist.
Wir wissen, dass jahrelanges Meditieren eine Stunde vor Mitternacht geistige Kräfte erwachsen lässt, aber auch Schockerlebnisse lassen einen kurz die geistige Welt erfahren. Vielfach haben auch Menschen aufgrund eines an ihnen ausgeführten Missbrauchs solche Fähigkeiten. Diese werden benutzt, einfach deshalb, weil es irgendwie funktioniert. Man muss sehr kritisch schauen, mit wem man es zu tun hat!
In unserer Arztpraxis berichtete eine Patientin, dass ihre Gürtelrose besprochen worden sei, dann auch verschwand, und auf ihre Frage, wo sie denn jetzt hingekommen sei, kam von der Besprecherin die Antwort: Die hat jetzt jemand anderes. Die Krankheit wurde einfach weitergegeben. Das kann ich persönlich überhaupt nicht als Heilung verstehen. Da findet keine Umwandlung statt. Es ist ein Hantieren mit geistigen Kräften – aber aus welchem Geist? Der „Himmel“ ist groß, und es gibt viele geistige Kräfte, die nicht automatisch alle zum Gedeihen der Menschheit sind.
Wir kommen ganz unvorbereitet in eine Zeit, in der die geistige Welt von selbst durchbricht, und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen und wie wir heilende Kräfte überhaupt anwenden sollen.

J. Pajunk: Ist das nicht eine Frage, die sich die Schulmediziner auch stellen, beispielsweise wie sie mit den scharfen Medikamenten voller Nebenwirkungen umgehen sollen? Mir erscheint da eine ganz andere Frage wichtig: Vorausgesetzt man ist von seinen Symptomen befreit – was macht man dann mit seinem Leben?

Welche Kriterien gibt es?

C. P.: Gerade in Hamburg gibt es in Branchenbüchern, Zeitschriften etc. viele Angebote von Geistheilern, und als Suchender steht man orientierungslos davor. Wie unterscheidet man die Scharlatane von denen, die seriös sind?

J. Pajunk: Es gibt einige Kriterien, z. B.: Greift der Heiler in die Freiheit eines Menschen ein? Macht er den Hilfesuchenden von sich abhängig? Und ein weiteres Kriterium: Bereichert sich der Heiler und nimmt viel Geld? João in Brasilien beispielsweise schenkt seine Behandlungen. (Wer dennoch etwas spenden will, kann das tun, wobei man den „Spendenkorb“ aber wirklich suchen muss. Anm. von L.-U. Cortes Rosa)
Es kommt gar nicht darauf an, welche Methoden jemand benutzt, sondern wer er ist. Stehen Eitelkeit dahinter oder narzisstische Gründe?

jeder muss sein Unterscheidungsvermögen ausbilden

Wir kommen nicht darum, dass jeder Einzelne sein Unterscheidungsvermögen ausbildet: Ob jemand beispielsweise narzisstisch ist oder ob er bei der Behandlung liebevoll ist, muss man selbst feststellen.

L.-U. Cortes Rosa: Ich finde es sehr schwierig, das alles zu beurteilen, weil jeder auf irgendeine Weise recht hat und auch wirksam ist. Die persönliche Reife kann man schwer einschätzen. Wir stoßen auf ein Gebiet vor, wo wir uns nicht auskennen und wo in Zukunft noch leidvolle Erfahrungen gemacht werden. Ich habe erlebt, wie auf einer esoterischen Messe ein sogenannter Heiler dastand: „Ich sehe, du bist schon ganz schön weit und ich öffne mal dein „Chakra“, und hantiert dann an dem Menschen herum. Es gibt Leute, die beherrschen einerseits wirksame Techniken, andererseits veranstalten sie auf sehr übergriffige Weise einen völligen Unfug. Ich kenne auch Krankengymnasten, die schaffen es mit einer krankengymnastischen Übung, durch eine bestimmte Art der Bewegung, dass der Patient eine vorgeburtliche Situation erlebt. Die verstehen sich gar nicht als Heiler, haben aber solche Techniken erlernt.

Wie weit können wir uns aufrecht an diese Grenze heranwagen?

Wir stoßen an Grenzen, und es ist ein ganz ernstzunehmendes Thema, an das wir uns mit Mut, innerer Festigkeit und dem Schulungsweg heranwagen müssen. Wie weit können wir uns aufrecht an diese Grenze heranwagen, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten?

G. Keitel-Borth: Ich glaube, man kann auch den Satz „an ihren Taten werdet ihr sie erkennen“ als einen Maßstab nehmen. Wird man in der Folge solcher Heilungen freudiger, lebensbejahender ruhiger, umsichtiger, im Alltag tüchtiger, in den Beziehungen tragfähiger? Es geht nicht darum, sich immer mehr in etwas zu verspinnen und den Lebensaufgaben auszuweichen und/oder mit zum Teil raffinierten Methoden vor der eigenen Schattenarbeit zu flüchten.

unsere Gespräche könnten eine andere Qualität haben

C. P.: Wie können wir in kleinen Schritten förderliche Heilungsfähigkeit in uns selbst entwickeln?

J. Pajunk: Die Heiler sagen, dass jeder Mensch, der meditiert und betet, Heilkräfte ausbildet, weil er sich mit der geistigen Welt in Verbindung setzt. Man muss nicht gleich ein großer Heiler werden, aber beispielsweise könnten unsere Gespräche eine andere Qualität haben. In dem Gottesdienst der Christengemeinschaft bitten wir darum, dass der Segen des Christus lebensspenden durch das gesprochene Wort fließen möge.

L.-U. Cortes Rosa: Wenn wir bei den Phänomenen, die wir hier besprechen, immer mehr Ehrfurcht entwickeln, sind wir dicht daran, Gebete zu formulieren. Für mich ist das Formulieren von Gebeten der erste Schritt, bei dem man eine klare Bewusstseinswelt vor sich hinstellt, die niemand anders formulieren kann als man selbst. Die primitivste Form des Gebetes ist die: Lieber Gott, ich bin krank, mach das jetzt weg. Aber wenn man das klar formulieren und anschauen lernt, kommt man im Rückblick auf sich selbst zu dem Punkt: Das bin ich, und das habe ich im Gebet nach außen gestellt. In diesem Bewusstseinsprozess werden wir uns klar über uns selbst, unser Verhältnis zu unserem Leib, zur Krankheit und zur göttlichen Welt.
Aber als nächstes brauchen wir zu diesen Gedanken ganz dringend das Gefühl, das sich daran anknüpft. Das können wir mit einem kleinen Trick erreichen: Wir beschreiben im Gebet unsere jetzige Situation und im nächsten Schritt tun wir so, als sei unserer Bitte erhört worden. Wir versetzen uns mit allen Sinnen in diesen Zustand und durchfühlen diesen. So kommen wir vom Kopf wieder zu einem Gefühl, und zwar zu einem, das wir selbst in unserem Inneren bilden. Wenn man beispielsweise das Wort „Friede“ nimmt und dann nachspürt, wie sich das anfühlt, taucht eine kleine Spur von diesem Frieden in uns auf.

Zukunft vorbereiten

So können wir zunächst in unserem Bewusstsein und dann im Gefühl unsere Zukunft vorbereiten, zu der wir uns allmählich hin entwickeln. Wir bilden dafür „Antennen“ aus, wo diese Zukunft in Ansätzen schon vorhanden ist, und formen so einen geistigen Umraum, in dem unsere Vision dann Wirklichkeit wird. So können wir an unserer eigenen leiblichen und auch an der gesellschaftlichen Gesundheit arbeiten.

C. P.: Mögen Sie noch einige Worte dazu sagen, was Sie in Ihrer Gruppe machen?

Gabriele Keitel-Borth: Seit ungefähr drei Jahren begegnen wir uns im Üben der Meditation und des Gebetes.

J. Pajunk: Wir haben dabei drei Anliegen: den christlichen Übungsweg auf der Grundlage des Neuen Testaments zu pflegen, dadurch heilend an unseren eigenen Problemen zu arbeiten. Und drittens durch Fürbitten Menschen in Notsituationen zu begleiten.

Mail-Adresse Jochen Pajunk: