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Mythologische Reisekultur

– in einem „Schiff“, das zu Lande und zu Wasser fährt!

Artikel von Micaela Sauber

Micaela Sauber
Micaela Sauber

Im zweiten Jahr geht es vom 20.-28. Juli, auf eine ungewöhnliche Reise, auf der Suche nach dem Glanz des Goldes vom Fell des Widders aus Kolchis, nach der Fülle des heiligen Grales aus Wolframs Erzählungen, auf den Spuren von Rainer Maria Rilke in Duino und zu Dantes Höhle in Tolmin. Zu heiligen Plätzen in der Natur, von Menschen geadelt, in „Terra Parzival“/ Slowenien, Norditalien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina.
Kunst. Musik, Poesie, Erzählungen europäischer Mythen und Märchen treffen auf urbildhafte Landschaften. Der Musiker und slowenische Kulturbotschafter Miha Pogacnik nennt es: Die Polyphonie von Europa hören lernen. Und aus dieser Polyphonie eine Komposition zu schaffen, die einen Zusammenhang ermöglicht in der zerrissenen und zersplitterten Welt, das vermag unser Bewusstsein.

Ein Schiff, das sowohl auf dem Wasser wie auf dem Lande fahren kann, führt Märchenheldinnen und –Helden in neue Länder, zu neuen Erlebnissen und Erfahrungen, zu neuen Entwicklungsstufen. Phantasie verbindet sich mit Wirklichkeiten. Das Schiff, mit dem wir reisen, bauen wir täglich neu aus unseren Imaginationen, aus dem gemeinsamen Erleben von Wort und Klang, aus unseren Begegnungen untereinander. Die Planken, Ruder und Segel bilden wir immer wieder neu aus unseren Wahrnehmungen einer europäischen Kultur, die uns erinnert, woher wir kommen, wo wir uns befinden und wohin wir wollen. Was wirklich Kultur ist, die heilsam wirkt, danach suchen wir, indem wir die Erzählungen über die Suche nach dem Gral hören und reflektieren.

Im Südosten unseres vielfältigen Kontinents Europa, am Rand des Balkans und auch ein wenig mittendrin, fahren wir durch Landschaften, über denen es manchmal gold glänzt im Grün der Berge, Wiesen und Wälder, in herrlichen Gewässern. Silbern funkeln bewegte Bäche, Flüsse und Ströme. Farben wie aus Edelsteinen leuchten in Licht- und Schattenerscheinungen der Luft und des Himmels. Wir fahren mitten hindurch und sind mittendrin im Erleben ganz wunderbarer und behüteter Natur, hören starke Klänge und Worte in alten Bauwerken, Burgen und Schlössern, Ruinen von Klöstern und kleinen Kirchlein, die wie Himmelswegweiser auf Hügeln und Bergen sitzen. Klänge und Worte verbinden uns mit unserer eigenen Seele. Weshalb wir hier in Europa sind heute und jetzt, und was hier unsere Aufgabe sein kann, wird ahnbar. Die Seele atmet tief und weitet sich auf dem Weg zu uns selber und zu gemeinschaftlichen Erlebnissen.

den Umkreis wahrnehmen

Für Pogacnik ist die Idee einer Makro-Geige das Leitbild von „Terra Parzival“. Den Umkreis wahrnehmen, die Makro-Geige, die in allem schlummert, und mit Leib, Seele und Geist das Instrument der eigenen Möglichkeiten zum Erklingen bringen.
Das erinnert an das Gedicht von Joseph von Eichendorff:

„Schläft ein Lied in allen Dingen,

die da träumen fort und fort,

und die Welt hebt an zu singen,

triffst du nur das Zauberwort.
“



der Gral bildet sich langsam heraus, immer neu

Terra Parzival in Slowenien als Quell- und Lernort für Suchende aus aller Welt, die ein heilsames Neues hervorbringen möchten in der Wirtschaft, in der Kultur, im gesellschaftlichen Miteinander. Aus allem Klang und Gesang hören üben: Aus Landschaften, aus dem, was Menschen tun mit ihrer Arbeit, aus einer Vergangenheit, die von der Zukunft erzählt. Das ist eine Idee, die sehr groß gefasst ist und die auf ihre Verwirklichung, ihren ständigen Prozess wartet. Wie bei der Geschichte von Parzival: Gradalis heißt stufenweise und der Weg ist das Ziel und der Gral bildet sich langsam heraus, immer neu.

Mit Miha Pogacnik und seinen Künstlerfreunden reist die kleine Gesellschaft auf den Spuren der Tempelritter, die im Mittelalter mit der Kultivierung von Landschaften und mit dem Geheimnis der selbstlosen Verwaltung von Geld und Gold den Kathedralenbau ermöglichten. Die Tempelritter wirkten auch mit besonderen Märchen auf die Gemüter ihrer Zeitgenossen, damit diese einmal in Freiheit ihre Lebensziele erkennen und ergreifen mögen, individuell und gemeinschaftlich, vor Ort und global.

Plätze, die wie im Dornröschenschlaf bewahrt blieben

Die Reise führt zu Plätzen, die wie im Dornröschenschlaf bewahrt blieben, manchmal jahrhundertelang, nachdem sie als Inspirationsorte für große Werke dienten.
Wer wird sich nicht bezaubern lassen von Landschaften wie aus Träumen, von Quellen, Seen und Flüssen, deren Anblick die Seele erfüllen?
Johann Wolfgang Goethe hat in seiner genialen verdichteten Allegorie über die menschliche Biografie ausgesprochen, was erlebt werden kann, wenn wir uns selber begegnen in Naturerscheinungen:

Gesang der Geister über den Wassern
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es.
Ewig wechselnd.

Strömt von der hohen,
Steilen Felsenwand
Der reine Strahl,
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,

Und, leicht empfangen,
Wallt er verschleiernd,
Leisrauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz entgegen,
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund.

Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin,
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne.
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind rauscht von Grund aus
Schäumende Wogen.

Seele des Menschen
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

Von den Argonauten gibt es Nachricht, dass sie von Kolchis am östlichen Schwarzen Meer mit dem Goldenen Vlies an Bord gen Westen segelten, dort hindurch fuhren, wo wir heute Slowenien haben und in dieser Gegend auf einem unterirdischen Strom verschwanden, um im Mittelmeer wieder aufzutauchen. Einen Abglanz dieses Mythos entdeckte Frau Dr. Ita Wegman, Ärztin und Mitarbeiterin von Rudolf Steiner, in der slowenischen Erzählung von Goldhorn – Zlatorog.

Der Mythos, der im Triglavgebirge lebt und vom Untergang einer friedvollen und heilkräftigen Epoche durch Gier und Missgunst erzählt, erschüttert uns und spiegelt die Not unserer Zeit. Doch die Überlieferung berührt uns auch, weil sie ein Hoffnungslicht entzündet. Denn, so heißt es, aus einer im Triglav wachsenden Fichte würde eine Wiege geschnitzt werden, für ein Kind, das einst den Menschen neues Brot bringen wird. Geistiges Brot als Wegzehrung in eine neue zu erarbeitende Kultur der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit durch individuell an sich selbst arbeitende Menschen.

die Gemeinschaft der mittelalterlichen Tempelritter

Rudolf Steiner hat in dem Städtchen Bled an dem tief türkisfarbenen See mit der kleinen heiligen Insel das zweite von seinen vier Mysteriendramen, „Die Prüfung der Seele“, geschrieben, in dem die Gemeinschaft der mittelalterlichen Tempelritter erscheint und deren Aufgaben zur Erziehung der Menschen im Mittelalter deutlich wird. In diesem Drama werden auch zwei Märchen erzählt: „Das Märchen vom Quellenwunder“ und das Märchen „Woher kommt das Böse“. Die Wahrnehmung wunderbarer Quellen und Quellteiche in Slowenien, in Bosnien und der Herzegowina macht das erste Märchen lebendig. Die Frage nach dem Ursprung des Bösen weist auf die bosnischen Bogumilen, „Gottesfreunde“, deren Steindenkmäler von der Verwandlung des Menschen und der Materie durch Licht- und Sonnenkräfte im Innern des Menschen und durch Gemeinschaftsbildung zeugen.

Den Zeugnissen der Bogumilen, karg, urbildlich, stark, gilt der zweite Teil der Reise.

wer sein Denken mit dem Herzen verbindet

Die Argo fuhr seinerzeit nicht ebenso auf dem Land wie im Wasser. Mit so einem Schiff zu reisen ist eine Aufgabe für uns Zeitgenossen und für die Zukunft. Die Argonauten mussten ihr Schiff noch tragen, wenn es übers Land ging. Ihre Aufgabe war, einen Weg zu bahnen in ein denkendes Bewusstsein, das weiterer Entwicklungen und Metamorphosen bedarf. Die goldenen Hörner des Widders Zlatorog sind ein Bild für Weisheit tragende Denkkräfte.
Ost-slawische Märchen jedoch erzählen von einem zu Wasser und zu Land fahrenden Wunderschiff, das beherrscht, wer sein Denken mit dem Herzen verbindet und es warm und flüssig halten kann. Bilder von Menschen, die dies übten, sind auf den Steindenkmälern der Bogumilen zu entdecken. Meditation wird geübt und verbindet mit der sonnenhaften Welt des Lebendigen und mit den Sternen.

Stand auf den alten griechischen Tempeln das Wort: „Oh Mensch, erkenne Dich!“, so wird auf dieser Reise ein weitgehend für den Tourismus noch unentdeckter Teil Europas zum Tempel. In Landschaften und Kompositionen, in mythologischen und poetischen Texten erkennen wir uns selber.
Es gilt zu erfahren, was einmalig ist, was beflügelt und kulturelle Wurzeln erkennen lässt. Musik, Mythen und Märchen, Dichtung und Folklore regen an. Wo innen und außen einander durchdringen, wird der Mensch seelisch berührt. Motive und Werte für das persönliche Leben werden erinnert, die noch lange nachwirken möchten. In den Landschaften erleben wir unsere eigenen seelischen Landschaften, in der Musik und dem gesprochenen und gesungenen Wort singt unsere eigene Seele, spricht unser Geist.

aus dem eigenen heil werden auch Heilsames in die Gesellschaft strahlen

Ist Slowenien noch ein mitteleuropäisch kultiviertes Land, das klar und vom Herzen aus zu klingen scheint, so wird die Natur je weiter man nach Südosten fährt, würziger und wilder. Der Ausdruck der mittelalterlichen Gralsgemeinschaften in Bosnien und Herzegowina in seinen Steinsetzungen mit archaisch anmutenden Bildern, zeugt von großer Kraft.
Europa in kleinen Schritten in seiner Vielstimmigkeit wahrnehmen zu lernen ist ein Impuls, den Miha Pogacnik in Slowenien verankern möchte. Seit 2012 hat er mit slowenischen Freunden „Terra Parzival“ dort begründet.
Der biografische Weg des Parzival mit seinen urbildhaften/archetypischen Schritten und Stufen führt hinab in Chaos, Krieg und Leid. Mit Parzivals Sinneswandlung am tiefsten Punkt seiner Verzweiflung – der Einsiedler fordert ihn auf: „Ändert Euren Sinn – wendet Euch dem Göttlichen wieder zu!“ -zeigt Wolfram von Eschenbach, welche Schritte in Selbsterkenntnis und Selbst-Schulungen zu vollbringen sind, damit aus dem eigenen heil werden auch Heilsames in die Gesellschaft strahlen kann. Die Mythologischen Reisen, die Erzählungen von Parzival, den Argonauten, die Poesie von Rilke oder Dante enthüllen Aufgaben, Hindernisse und Ziele. Die Sommerkurse in Terra Parzival dienen zur Schulung. Existenzielle menschheitliche Fragen werden bewegt und in ein fröhliches geselliges Leben eingebettet.

Auskunft und Programm:
www.micaela-sauber.de oder
Tel. 040-4104713
www.terraparzival.eu (englisch)

Micaela Sauber ist 1945 in Hamburg zur Welt gekommen, kurz vor Ende des Krieges. Sie reist seit mehr als 25 Jahren als Erzählerin von Märchen, Mythen und Geschichten durch Europa und Nahost. Ihr derzeitiger Einsatz gilt dem Aufbau des Netzwerkes „Erzähler ohne Grenzen“ (www.erzaehler-ohne-grenzen.de) und der Unterstützung von Terra Parzival als Metamorphose der weltweiten Kulturinitiative IDRIART.