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Maria Magdalena

Versuche, sich dieser Gestalt anzunähern

Beiträge von Cornelia Schrader, Brigitte Olle, Michaela Mayer

das historische Gemälde von Maria Magdalena bei der Fußwaschung
das historische Gemälde von Maria Magdalena bei der Fußwaschung

Maria Magdalena ist eine Frau im Evangelium, die gerade in der Osterzeit besonders bedeutungsvoll ist. Aber auch unabhängig davon ist auf sie, die vor der Begegnung mit Jesus Christus nach manchen Aussagen eine Prostituierte gewesen sein soll, ein starkes Interesse gerichtet. In Romanen, in esoterischer Literatur, in einem Kinofilm wird ihr Verhältnis zu Jesus Christus als erotisches, sogar sexuelles Verhältnis ausgelegt. Wer war diese Frau? Welche Verwandlungen hat sie in ihrer Biografie vollzogen? Findet sie so sehr unsere Beachtung, weil sie eine weibliche Komponente in das Christentum einbringt? Das alles sind Fragen, die nicht nur durch Wissen alleine beantwortet werden können.
In der Volksdorfer Gemeinde der Christengemeinschaft fand im Januar dieses Jahres ein Seminar statt, bei dem versucht wurde, auch mit anderen Methoden dem Wesen der Maria Magdalena zu begegnen. Die Pfarrerin Brigitte Olle und die Therapeutin Cornelia Schrader haben dieses Seminar gestaltet. Michaela Mayer berichtet von ihren Erlebnissen als Teilnehmerin.
Michaela Mayer, Studentin am Priesterseminar; davor 20 Jahre lang therapeutisch gearbeitet als Physiotherapeutin, Heilpraktikerin.
Brigitte Olle, seit 1996 Pfarrerin der Christengemeinschaft. Drei Jahre tätig in der Christengemeinschaft in Leipzig und seit 2000 in der Lukas-Kirche in Hamburg-Volksdorf. Davor Sonderschulrektorin und Klassenlehrerin an einer heilpädagogischen Schule.
Cornelia Schrader, Psychotherapeutin, Musikerin, Heilpädagogin; hat schon öfters Seminare mit religiösen Themen konzipiert und durchgeführt; u. a. in der Christengemeinschaft

Der spirituelle Weg der Maria Magdalena
Zusammenfassung des einführenden Referates von Cornelia Schrader

Maria Magdalena wird vom Namen her nicht durch eine Familie, sondern von einem Ort her benannt: dem Dorf Magdala am See Genezareth. Das deutet auf ihre Eigenständigkeit hin. Wir wissen auch, dass sie begütert ist. Johannes bezeichnet deutlich zu Beginn des 11. Kapitels Lazarus, Martha und Maria als Geschwister.
Die Gleichsetzung von Maria Magdalena mit der namenlosen Sünderin, die Jesus die Füße salbte, und mit Maria von Bethanien wurde schon 373 im Kommentar von Ephraim dem Syrer vollzogen. Papst Gregor I. bezeichnete 591 in einer Predigt Maria von Magdala als Prostituierte.
Die Stationen des Seminars orientieren sich an folgenden Bibelstellen:

1. Lukas 7, 36-50: Salbung im Hause des Pharisäers, Christus vergibt der weinenden Frau, die seine Füße salbt, ihre Sünden. Dazu ein Fresko aus dem 11. Jahrhundert.

2. Johannes 11, 41-44: Auferweckung des Lazarus mit einem Bild von Rembrandt.

3. Johannes 12, 1-8 Salbung von Bethanien, unmittelbar vor dem Einzug nach Jerusalem und der Gefangennahme und Kreuzigung mit einem Bild aus dem 15. Jahrhundert.

4. Matthäus 21, 55: die Kreuzigung mit dem Kreuzigungsbild von Grünewald aus dem Isenheimer Altar.

5. Matthäus 21, 57-61: die Grablegung und die Wache vor dem Grab, dazu eine Grablegung und ein Bild von der Wache der Frauen vor dem Grab von Beato Angelico.

6. Johannes 20, 11-18: der Ostermorgen, die Frauen am Grabe und die Begegnung von Maria Magdalena und Christus im Garten, dazu ein weiteres Bild von Beato Angelico.

Bei der Begegnung am Ostermorgen erkennt Maria Magdalena IHN nicht an der Stimme und nicht an seiner Erscheinung, sondern erst, als ER sie mit ihrem Namen anspricht. Ihr innerstes Wesen wird berührt. Sie erlebt die „Wahr-Nehmung“ ihrer durch Christus erneuerten Identität.

Der spirituelle Weg der Maria Magdalena geht ungefähr die folgenden Schritte:

• Selbsterkenntnis, Buße und Vergebung
• Die Erlösung von den eigenen Dämonen
• Demut und Liebe im Verschenken des persönlichen Besitzes
• Veränderung des eigenen Lebens
• Still-Werden und Lauschen
• Treue bis in den Tod (Salbung und Kreuzigung)
• Das Erlebnis der Auferstehung und die Nennung ihres Namens: sie erlebt sich als gerufen und erhält den Auftrag zur Verkündigung
• Das Leben als Einsiedlerin und Predigerin
Von ihrem Weg als Verkünderin wird in der Legenda Aurea berichtet: Zusammen mit Lazarus und Martha wird sie in ein führerloses Schiff dem Meer überlassen, das in der Provence in Les Saintes Maries de la Mer landet. Auf späteren Bildern sieht man sie als Predigerin und Verkündigerin. Sie hat bis zu ihrem Lebensende als Einsiedlerin in der Provence gelebt. Ihre Reliquien waren einige Jahrhunderte in Vézelay und befinden sich jetzt in Sainte Baume.

Interview mit Brigitte Olle und Michaela Mayer:

Christine Pflug: Dieses Seminar war so gestaltet, dass nicht nur Inhalte vermittelt wurden, sondern es ging auch um innere Erlebnisse. Außerdem war es eine Zusammenarbeit zwischen Pfarrer und sog. Laien. Brigitte Olle, was ist Dein Anliegen dabei?

miteinander in Gleichberechtigung bezüglich unseres religiösen Lebens bzw. Erlebens zu lernen

Brigitte Olle: Bisher ist man in erster Linie in der Christengemeinschaft gewöhnt, Seminare zu veranstalten in denen die Pfarrer die Lehrenden sind. Ich finde es sehr bereichernd voneinander und miteinander in Gleichberechtigung bezüglich unseres religiösen Lebens bzw. Erlebens zu lernen. Gerade wenn es um die innere Erlebnissphäre geht, kann das ja wohl gar nicht anders sein.

C. P.: Was war der spezielle Ansatz bei dem Seminar mit Maria Magdalena?

B. Olle: Cornelia Schrader hat in einem vorangehenden Vortrag sehr ausführlich dargestellt, was über Maria Magdalena im Evangelium steht. Ich habe mich zu anderen Fragestellungen geäußert, z. B. die Beziehung Maria Magdalenas zu Jesus Christus. Am nächsten Tag gab es ein Seminar, an dem nicht nur Menschen aus der Christengemeinschaft teilnahmen, sondern auch Mitglieder der Evangelischen Kirche. Diese haben aktiv mitgearbeitet, z. B. hat jemand den Beginn der jeweiligen Seminarabschnitte mit einem gemeinsamen Tanz eingeleitet. Dann haben wir die Evangelienstellen zu Maria Magdalena gehört und passend das Bild eines bestimmten Malers dazu gestellt. Dieses Bild haben wir lange betrachtet und lange Zeit dazu geschwiegen. Auch konnten wir währenddessen den Text des Evangeliums nachwirken lassen. Dann haben wir uns dazu geäußert, wie das zu uns spricht.

was aus der inneren Stille erwächst

C. P.: Es ging also nicht darum, dass die Teilnehmer miteinander sprechen, sondern ihr inneres Erleben ausdrücken?

Michaela Mayer: Es hat sich z.T. angelehnt an das, was man Biblio-Drama nennt. Zum Beispiel hatten wir die Aufgabe, uns in eine Person auf dem Gemälde besonders einzufühlen und dann das auszusprechen, was diese Person spürt, fühlt usw. Es ging darum, das zu äußern, was aus der inneren Stille erwächst.
Wichtig war auch die Anordnung im Raum. Es wurde eine meditative Stimmung geschaffen dadurch, dass die Bilder in Form einer Spirale angeordnet waren und man immer weiter in diese Spirale hineinging, also den Weg von außen nach innen mitgemacht hat. Nachdem man den Text gehört hatte, saß man in Stille vor den Bildern.

C. P.: Können Sie ein Beispiel nennen?

B. Olle: Es gab verschiedenste Bilder, bei denen es um die Berührung der Füße ging. Das war etwas Zentrales. Maria Magdalena hat die Füße des Christus gesalbt. Welche Geste steckt hinter diesem sich Beugen und die Füße berühren?

Sie arbeitet weniger mit Worten, sondern mit Gesten vom Tastsinn her

M. Mayer: Maria Magdalena ist oft in der Situation zu berühren. Sie arbeitet weniger mit Worten, sondern mit Gesten vom Tastsinn her. Die Füße verankern uns auf der Erde – in der Beziehung zum Irdischen geschieht etwas Neues in uns, wenn wir uns für das Bild der Fußsalbung öffnen. Maria Magdalena berührt auch, indem sie ihre eigene Rührung durch ihre Tränen zeigt.

C. P.: Brigitte, Du hast in Deinem Vortrag erzählt, dass wir heute neue Wege brauchen, um uns der Maria Magdalena anzunähern. Ist die Durchführung eines solchen Seminares damit gemeint?

B. Olle: Ich meinte mit diesen „Wegen“ auch neue Methoden. Und diese oben beschriebene Methode schien mir passend, sich dieser Gestalt im Evangelium zu nähern. Maria Magdalena ist nicht von sich aus laut in den Vordergrund getreten. Sie war eine ganz andere Figur als zum Beispiel Petrus; ihm würde man sich sicher mit einer anderen Methode nähern wollen.

C. P.: Wie wurde Maria Magdalena im Laufe der Geschichte betrachtet?

B. Olle: Bis ins Mittelalter hinein war man in der Kirche vielleicht näher an der Realität dran, was ihre Person betrifft, als heute. Da wurde sie nämlich als die „Apostelin der Apostel“ bezeichnet. Ihr wurde also der Rang der ersten oder wesentlichsten Schülerin des Christus Jesus zugesprochen. In der „Legenda Aurea“, einer Sammlung von Heiligenviten, dem religiösen Volksbuch des Mittelalters, das damals mehr gelesen wurde als die Bibel, wird sie beschrieben als die Jüngerin, „die der Herr lieb hatte.“ Und damit kommt ihr die selbe Stellung zu wie Lazarus.
Im späten Mittelalter überwiegt dann der Blick auf die Sünderin. Das heißt, der Blick wird gerichtet auf ihr Leben vor der Begegnung mit dem Christus Jesus.
In der männlich orientierten Theologie des 19. Jahrhunderts fällt sie dann sozusagen ganz unter den Tisch. Sie sollte bedeutungslos werden. Würde man nämlich genauer auf sie schauen, müsste auch zugegeben werden, dass sie priesterlich an dem Christus gehandelt hat, nämlich in der Handlung die Vorbild für ein Sakrament abgibt: die Salbung vor seinem Sterben. Diese Salbung ist bei uns in der Christengemeinschaft durchaus Ausgangspunkt für unser Sterbesakrament, das Sakrament der „Letzten Ölung“. Dieses Sakrament gibt es auch in der katholischen Kirche; dort wird es inzwischen Krankensalbung genannt. Man müsste mit dem Blick auf Maria-Magdalena entdecken, dass eine Frau Priesterdienst geleistet hat, und zwar an dem Christus selbst.
In der katholischen Kirche gibt es aber bis heute keine Priesterinnen. Du verstehst, warum Maria Magdalena in den Hintergrund rücken musste?

sie wird als die Frau von Jesus Christus dargestellt

C. P.: Maria Magdalena ist populär geworden in dem Buch von Dan Brown, erschienen in 2007, und in dem gleichnamigen Film „Das Sakrileg“. Aber auch davor war sie für die Literatur eine interessante Gestalt: Luise Rinser („Mirjam“) und Marianne Frederiksson („Maria Magdalena“) haben Romane über ihre Biografie geschrieben. Bei Dan Brown wird sie als die Frau von Jesus Christus dargestellt. In den beiden Romanen handelt es sich um eine liebende Beziehung, in der erotische, wenn auch keine sexuelle Gefühle anklingen.

M. Mayer: Es gibt auch das Musical „Jesus Christ Superstar“ mit dem Song der Maria Magdalena: “I don´t know how to love him, he is a man, he is just a man. I´ve had so many men before, and in many ways he is just one more.
Auch steht in esoterischen Buchläden in den Regalen eine Fülle von Materialien über Maria Magdalena. Da werden auch solche Dinge behauptet: dass die beiden zusammen waren, dass es Kinder gab, dass Maria Magdalena aus einer Magier-Linie kommt usw.

C. P.: Ist das alles denkbar?

B. Olle: Für mich gibt es weder in den Evangelien, noch in den apokryphen Schriften, nicht einmal im so genannten „Evangelium der Maria“ einen ernst zu nehmenden Hinweis auf die Annahme, dass sie die Frau von Jesus Christus ist, geschweige denn, dass es Nachfahren gibt.
Dass es jetzt in aller Mund ist, liegt daran, dass Dan Brown so einen spannenden Thriller daraus gemacht hat.
Im Maria-Evangelium gibt es eine Passage, in der Petrus ihr gegenüber zum Ausdruck bringt, dass der Herr sie mehr als alle anderen Frauen liebt. Dan Brown hebt das hervor und geht auch auf eine Passage ein, in der geschildert wird, dass „er sie oft auf den Mund geküsst habe“. Das interpretiert er als eine Liebesbeziehung.

„Küssen auf den Mund“

C. P.: Was ist damit gemeint, dass er sie „auf den Mund geküsst hat“?

B. Olle: Ganz abgesehen davon, dass „auf den Mund küssen“ in den Papyri von Dag Hammadi von dem Übersetzer in eckige Klammern gesetzt ist, was allgemein so viel heißt wie: „da musste ein Wort frei
ergäntzt werden, weil an dieser Stelle etwas nicht mehr lesbar war“, gilt auch, dass im Altertum oft von „Küssen auf den Mund“ gesprochen wird. Damit ist aber eine besondere Lehrer-Schüler Beziehung gemeint. Und in solchen Zusammenhängen wird dann sogar oft von „Kindern“ gesprochen, die aus dieser Beziehung geboren werden.
Gemeint sindaber geistige Kinder!
Der Eingeweihte küsst den Einzuweihenden auf den Mund, um ihm Pneuma, also Geist, einzuhauchen. Den Kuss, der in den Schriften gemeint ist und auf den sich Dan Brown bezieht, kann man aus der damaligen Sichtweise wohl nur interpretieren als einen Kuss, der gemeint ist für die Schüler, die aus der Finsternis, so drückte man sich aus, befreit wurden. Es gab den Einweihungskuss, bei dem wohl auch die Angst vor Dämonen verschwand.
In dieser Richtung schaue ich, wenn ich versuche, die Beziehung zwischen Maria Magdalena und Jesus Christus zu verstehen.

C. P.: Frau Mayer, können Sie etwas auf der Ebene des Erlebens, d. h. aus dem Seminar, etwas über diese besondere Liebe sagen?

M. Mayer: Vom Erleben her ist diese Liebe an mehreren Bildern spürbar geworden: bei der Salbung und Fußberührung. An den Teilnehmern war spürbar, dass innerlich etwas bei diesem Thema passiert- es war eine Annäherung an diese Liebe da. Für mich war es ein inniges Erleben von Offenheit und einer großen Zuwendung – diese spirituelle Liebe ist spürbar geworden.

Warum sollte dieser Bereich der Sexualität nicht auch möglich gewesen sein?

C. P.: Wäre es aber nicht denkbar, dass Maria Magdalena ein körperliches Verhältnis mit Jesus Christus hatte? Er ist doch ganz Mensch geworden, hat Nahrung zu sich genommen, geschlafen, gelitten. Warum sollte dieser Bereich der Sexualität nicht auch möglich gewesen sein? Ist es vielleicht unsere kulturelle Wertvorstellung, dass wir das so nicht haben möchten?

B. Olle: Ich denke, es ist mehr die Vorstellung unserer Zeit, dass wir es in diese Richtung interpretieren. Sexualität wurde im Alten Testament nicht totgeschwiegen. Warum hätten es die Evangelisten bezüglich Maria Magdalena und dem Christus jetzt verschweigen sollen, wäre es so gewesen? Ein Christentum, das aufbaut auf einer Unwahrheit oder einem Verschweigen von Tatsachen, die in der jüdischen Umgebung mehr Anerkennung gefunden hätten als unverheiratet und kinderlos zu sein, ist für mich eher nicht vorstellbar. Eine Frau die unverheiratet und kinderlos war, wurde in dieser Zeit betrachtet als jemand, der vor Gott als unwürdig galt und von den Menschen damals als Sünderin bezeichnet wurde.

Wir sind an diese starke Trauer und an das Ohnmachtserlebnis der Maria Magdalena herangekommen

C. P.: Zur Ostersituation: Cornelia Schrader hat in ihrem Vortrag besonders dieses Kreuzigungserlebnis betont – den Ausspruch von Maria Magdalena: „Sie haben mir meinen Herren weggenommen“. Wie war das auf dem Seminar?

M. Mayer: Es ist nicht viel gesprochen worden, aber gerade an dem Osterbild ist eine dichte Atmosphäre entstanden. Wir sind an diese starke Trauer und an das Ohnmachtserlebnis der Maria Magdalena herangekommen, bevor sie verstand, dass er auferstanden ist.
Es sind bei den Teilnehmern Erlebnisse aus der eigenen Biographie aufgetaucht, als sie sich in diese Ohnmacht eingefühlt hatten. Überhaupt ist man durch die Beschäftigung der Maria Magdalena an eigene biografische Stellen geführt worden – sowohl als es um Zuwendung, Hingabe und Liebe ging, als auch um den riesigen Schmerz.
Man konnte spüren: Im Kleinen habe ich diese Ebenen auch schon mal erlebt.

die Menschenweihehandlung, unser Gottesdienst, verbindet sich dort ganz tief mit der Erde

C. P.: Cornelia Schrader berichtete in ihrem Vortrag von der Legende Aurea, nach der Maria Magdalena, Lazarus und Martha in einem Schiff in der Provence landen. Maria Magdalena soll dort dann christianisiert haben. Du sagtest in Deinem Vortrag, dass Du das persönlich nachvollziehen kannst. Woran hast Du das erlebt?

B. Olle: Südfrankreich kenne ich sehr gut und ich bin von der Legende überzeugt, dass dort eine sehr frühe Christianisierung stattgefunden hat. Speziell in der Provence, die ich am besten kenne, hatte ich das Erlebnis, dass das ein christianisierter Boden ist.
Ich habe auf Gemeindereisen schon in der Provence zelebriert und dabei erlebt, wie sich die Menschenweihehandlung, unser Gottesdienst, dort ganz tief mit der Erde verbindet. Wie anders erlebt man das in Skandinavien!
Auch habe ich schon von anderen Menschen gehört, die z.B. in La Sainte Baume waren, in der Höhle, die ja schon in vorkeltischer Zeit ein heiliger Ort war und heute als die so genannte „Büßerhöhle“ der Maria-Magdalena gilt, dass dort durchaus noch heute eine innere, sehr intensive Begegnung mit ihrem Wesen stattfinden kann.

C. P.: Welches Resümee würden Sie beide im Anschluss an dieses Seminar ziehen?

Das Element der Maria Magdalena ist die Berührung

M. Mayer: So wie wir da gearbeitet haben, danach haben viele Menschen Sehnsucht. Und zwar ist es auch inhaltlich genau das Thema: man sehnt sich danach berührt zu werden. Man wünscht sich, etwas nicht nur zu verstehen, sondern zu spüren, zu fühlen und mit der eigenen Biografie zu verbinden. Das war in gewisser Hinsicht eine viel weiblichere Methode, als was wir sonst in der Christengemeinschaft in Vorträgen und Gesprächen gewöhnt sind. Man ist schnell aus seinem eigenen Mittelpunkt heraus engagiert.

B. Olle: Das Element der Maria Magdalena ist die Berührung. Das ist das, was sie in ihrer Biografie von der „Sünderin“ zur „Berufenen“ verwandelt hat. Insofern hat dieses Moment der Berührung in dem Seminar auf einer inneren Ebene auch stattgefunden – man selbst war von den Szenen ihres Lebens berührt.