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Die Chakren

Zur Entwicklung und zum Aufbau seelischer Sinnesorgane

Zusammenfassung eines Vortrages von Steffen Hartmann

Das Thema Chakren ist populär. Wir wissen davon aus Medien, esoterischer Literatur, Yogakursen etc. Das Wissen um diese „Lotusblumen“, wie die Chakren auch genannt werden, ist uralt und wurde schon von Buddha gelehrt. Rudolf Steiner knüpfte an diese alten Traditionen an und entwickelte daraus einen Übungsweg, der für uns westliche Menschen zeitgemäß ist. Steffen Hartmann hielt dazu einen Vortrag am 27. November 2019 im Rudolf Steiner Haus

Steffen Hartmann studierte Klavier in Hamburg. 2007 gründete er zusammen mit Matthias Bölts das Institut MenschMusik Hamburg, das neue Wege in der Musikerausbildung beschreitet. Steffen Hartmann schreibt regelmäßig Aufsätze zu Grundfragen der Anthroposophie, zu Meditation und Musik. Zusammen mit Torben Maiwald gründete er die Edition Widar. Seit 2012 ist er im Zweig am Rudolf Steiner Haus Hamburg verantwortlich tätig; damit verbunden ist eine intensive, internationale Vortrags- und Seminartätigkeit.

Wie ging es Ihnen, als Sie in Ihrem Leben zum ersten Mal gehört haben, dass es Chakren gibt oder als Sie selbst erlebt haben: Ich habe Chakren, ich habe geistig-seelische Wahrnehmungsorgane? Vielleicht hat man davon gehört oder hat eigene Erlebnisse, die nicht auf den Sinnen des physischen Leibes beruhen. Wenn man von so einem Thema berührt wird, begleitet es einen viele Jahre und lässt einen nicht mehr los. Mich hat es schon als junger Mensch interessiert: Was sind das für Organe? Wie kann ich die wahrnehmen, und wie kann ich mit diesen Organen anderes wahrnehmen? Aus meiner Sicht ist es ein langer Weg, den man in der Klärung und Bearbeitung dieser Fragen gehen kann.

Was ist überhaupt ein Sinnesorgan?

Fragen wir uns zunächst grundlegend: Was ist überhaupt ein Sinnesorgan? Wir kennen sie durch unseren physischen Leib: die fünf klassischen Sinne, das Auge, das Ohr, Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn. Jeder Mensch, der einen gesunden Leib hat, verfügt natürlicherweise über diese Sinne. Wenn jemand blind oder taub ist, ist einer dieser Sinne gestört und damit ein spezifischer Zugang zur Welt. Das heißt: Die Sinne sind Tore zur Welt. Das Auge vermittelt uns beispielsweise die Farben. Ein gesundes Sinnesorgan macht sich von sich aus nicht bemerkbar; es ist ganz selbstlos, durchlässig für die Welt. Wenn die Augen oder die Ohren schmerzen, sich das Organ in seinem Eigensein bemerkbar macht, dann geht man normalerweise zum Arzt.

Die Sinne öffnen uns je einen bestimmten Erlebniszugang.

Im Laufe der Zeit hat man noch weitere Sinne entdeckt, die sich auf den Leib stützen. Rudolf Steiner ist letztlich zu zwölf Sinnen gekommen, aber auch andere Menschen haben das entdeckt. Zum Beispiel gibt es so etwas wie einen Lebenssinn, der dem Menschen signalisiert, wie es ihm gerade in seiner leiblichen Befindlichkeit geht, z. B. ob man ausgeschlafen oder müde ist, ob man Fieber hat, ob die Verdauung gut geht usw. Der Lebenssinn ist nach innen gewandt, er „meldet“ die Situation der Körperlichkeit. Weiterhin gibt es einen Gleichgewichtssinn, der vermittelt, ob die Situation im Raum ruhig und stabil ist oder ob man beispielsweise auf einem Schiff mit hohem Wellengang schaukelt. Rudolf Steiner benennt im Weiteren den Ich-Sinn, den man auch als Du-Sinn bezeichnen könnte, der bemerkt, dass noch andere „Iche“ im Raum sind. Rudolf Steiner sagt zu den Sinnen im allgemeinen: „In anthroposophischer Beleuchtung darf alles dasjenige ein menschlicher  Sinn genannt werden, was den Menschen dazu veranlasst, das Dasein eines Gegenstandes, Wesens oder Vorgangs so anzuerkennen, dass er dieses Dasein in die physische Welt zu versetzen berechtigt ist.“ Die Sinne öffnen uns je einen bestimmten Erlebniszugang, und wir haben eine Erlebnisevidenz; ein gesunder Mensch zweifelt nicht daran, was ihm die Sinne sagen und zeigen.

Bei der Wahrnehmung, und das gilt für die sinnliche sowie auch für die seelische und geistige Ebene, gilt tatsächlich: Nimm für wahr, was du wahrnimmst. Goethe formuliert das ähnlich: „Den Sinnen darfst du kühn vertrauen, kein Falsches lassen sie dich schauen, wenn dein Verstand dich wach erhält.“ Heute würden wir vielleicht sagen: Es braucht eine wache, sachlich nüchterne Aufmerksamkeit und kein träumendes Wahrnehmen. Sehr wichtig ist für mich: Es gibt keine falschen Erfahrungen, und es gibt auch keine richtigen Wahrnehmungen – was man erlebt hat, das hat man erlebt! Wie man das interpretiert und welche Schlussfolgerungen man daraus zieht, das ist eine andere Frage – dabei können Irrtümer entstehen. Aber Wahrnehmungen, auch seelische und geistige, können an sich nicht falsch sein; sie sind, wie sie sind.

Die Sinnesorgane der Seele sind angelegt, aber ruhen und können geweckt werden.

Nun gibt es aber einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen bisher beschriebenen Sinnesorganen und den sogenannten Chakren. Der Unterschied besteht in Folgendem: In unserer Leiblichkeit sind uns die Sinne fertig gegeben. Das ist bei den Chakren anders. Sehr selten gibt es Menschen, die mit entwickelten Chakren zur Welt kommen. Die Regel ist, dass diese Sinnesorgane der Seele angelegt sind, aber ruhen und geweckt werden können. Es gibt Übungen, um sie zu entwickeln. Wir sind jetzt in einer Etappe der Menschheitsentwicklung, in der das gut möglich ist, mitunter aber auch unter Schmerzen und Zuständen, die ins Pathologische gehen können. Die Anthroposophie ist eine große Hilfe, um diese Entwicklung möglichst gesund und verbunden mit einem klaren Denken zu vollziehen.

Zum Aufbau der Chakren ist zu sagen: Es gibt sieben Hauptchakren. Sie sind bekannt im Okkultismus und in der asiatischen Esoterik und werden dort auch „Räder“ oder Lotusblumen genannt. Rudolf Steiner knüpft einerseits bei diesen alten Schriften an, aber an entscheidenden Stellen stellt er es anders dar. Diese sieben Chakren sind bestimmten Farben zugeordnet, und man kann sie anschauen wie einen umgekehrten Regenbogen.

Ich beginne mit dem zweiblättrigen Lotus in der Stirn, den man auch das dritte Auge nennen kann. Dieser wird entwickelt durch klares Denken, insbesondere durch gesunde Urteilskraft.

Dann gibt es im Bereich des Kehlkopfs ein Chakra; das ist sechzehnblättrig. Es hat mit unserer Wortkraft zu tun, mit dem „rechten Sprechen und Schweigen“.

Das Chakra im Herzbereich ist das zentrale Chakra in der Mitte des Menschen; es ist zwölfblättrig. Man könnte sagen, im Verhältnis zum physischen Herz, das ist unser „Seelenherz“.

Diese drei oberen Chakren sind für Rudolf Steiner und den anthroposophischen Erkenntnisweg zunächst die entscheidenden. Alle Übungen, die er gibt, arbeiten zunächst mit diesen drei Chakren.

Weiterhin gibt es im Bereich des Solarplexus (Sonnengeflecht) ein zehnblättriges Chakra.

Ein sechsblättriges „Sakralchakra“ befindet sich im Unterleib.

Und das Wurzelchakra liegt da, wo die Wirbelsäule endet und wo der Mensch sich vom Skelett her nach unten öffnet.

Wenn man sonstige Bücher über Chakren aufschlägt, findet man das meistens so dargestellt, dass die Reihenfolge von unten nach oben geht. Es wird dort auch immer von einem tausendblättrigen Scheitelchakra, oder „Kronenchakra“ gesprochen, das ganz oben über dem Kopf des Menschen seinen Ort hat. Damit öffnet sich der Mensch für den Kosmos, so wie er sich beim Wurzelchakra für die Erde öffnet. Das ist ein jahrtausend altes Wissen um den Seelenorganismus des Menschen. Dazu gehört auch folgende Zuordnung der Farben: Das Wurzelchakra hat ein dunkles Rot, das Sakralchakra ist orange, der Solarplexusbereich ist gelb, das Herzchakra leuchtet grün, im Kehlkopf wird es hellblau, im Stirnbereich dunkelblau und nach oben hin kommt ein schönes violett (Kronenchakra). Wenn man diese Farbenabfolge im Zusammenhang mit den Chakren meditiert, erlebt man: Ich bin als Mensch wie ein Regenbogen.

Etwas zur Systematik:

Rudolf Steiner erklärt die Entwicklung der Chakren folgendermaßen. Er beschreibt, wie die eine Hälfte dieser Organe in uralten Zeiten im Menschen angelegt worden ist, sie schlummern in uns als Potenzial. Beim Kehlkopfchakra zum Beispiel waren acht von seinen 16 Blättern schon in alten Zeiten entwickelt worden. Wenn nun der Mensch durch Seelen-Übungen die anderen acht Blätter aktiviert, werden auch die „alten, schlafenden“ geweckt und beim Hellseher sind dann alle 16 Blätter aktiv. Das ist das okkulte Gesetz. Bei den 16 Blättern haben wir es von daher mit acht Übungen zu tun, die wir praktizieren können, beim zwölfblättrigen Herzchakra mit sechs Übungen, beim Solarplexus mit fünf, beim Sakralchakra mit drei, beim Wurzelchakra mit zwei, und beim Stirnchakra mit einer Grundübung.

Das nächste Rätsel ist Folgendes: Wenn man Rudolf Steiners Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ studiert, wird man feststellen, dass er kein Wort über das tausendblättrige Kronen-Chakra sagt. Er führt die Chakren ein mit den Worten: „Diejenigen Organe, die hier zunächst besprochen werden sollen, werden in der Nähe folgender physischer Körperteile geistig wahrgenommen. Das erste zwischen den Augen, das zweite in der Nähe des Kehlkopfes, das dritte in der Gegend des Herzens, das vierte liegt in der Nachbarschaft der sogenannten Magengrube, das fünfte und sechste haben ihren Sitz im Unterleib. Diese Gebilde werden von den Geheimkundigen „Räder“ (Chakren) oder auch Lotusblumen genannt.“ Das sogenannte Kronenchakra erwähnt er nicht. Das scheint für den anthroposophischen Weg nicht die Bedeutung zu haben, die es sonst auf den östlichen Wegen hat. Entscheidend ist auch: Der alte, klassische Weg mit den Chakren beginnt immer von unten nach oben; Steiner ist jedoch ganz dezidiert der Auffassung, man soll von oben (beim Stirnchakra) beginnen und dann nach unten weitergehen. Erst das Gedankenlicht in der Stirn entzünden, bevor andere geistige Wahrnehmungen erschlossen werden.

Das Stirnchakra verlangt als Übung klares, reines Denken.

Das Stirnchakra verlangt eine Übung zur Erweckung, und das ist eigentlich die Grundübung der ganzen Anthroposophie – klares, reines Denken. Das ist der Weg, den Steiner in der „Philosophie der Freiheit“ beschreibt oder, was man oft bei Steiner findet: gesunde Urteilskraft ausbilden. Da kann man sich fragen, was das heißt? Es ist nicht einfach nur eine philosophische Schulung des Denkens, sondern es ist ein Denken gemeint, das sich der Welt gesund zuwendet. In der „Philosophie der Freiheit“ heißt das dritte Kapitel: „Das Denken im Dienste der Weltauffassung“. Darum geht es, das Denken soll der Weltauffassung dienen lernen!

Es ist das Entscheidende bei diesen Chakren-Übungen, dass wir es mit etwas zu tun haben, was man altmodisch „Tugenden“ nennen würde oder etwas sachlicher gesagt „Fähigkeiten“; also sein Denken so auszubilden, dass es im jeweiligen Sachzusammenhang dienend Erkenntnisse zutage fördert. Damit ist man natürlich nie am Ende. Gesunde Urteilskraft muss sich immer wieder neu bewähren.

Das passt auch zu dem weiteren Aspekt: Diese Organe sind in geistiger Bewegung, wenn sie entwickelt sind. Das ist ein Unterschied zu den physischen Sinnesorganen, beispielsweise hat man beim Auge den Eindruck, es ist ruhig beim Sehen. Interessanterweise stimmt das nicht ganz, man weiß durch Messungen, dass sowohl beim Auge als auch beim Ohr ständig physiologische Bewegungen stattfindet.

die übersinnliche Gestalt eines Gedankens

Wenn ich gesunde Urteilskraft und Konzentrationskraft entwickle, wecke ich immer mehr meinen zweiblättrigen Lotus auf, und irgendwann wird man dann dieses Organ auch bemerken. Wenn ich denke, tue ich gleichzeitig etwas. Und die Grundempfindung ist, dass das im Stirnbereich geschieht. Und umso wacher es wird, desto bewegter wird es. Wenn mein Stirnchakra sich dreht und leuchtet, dann kann ich damit auch übersinnlich wahrnehmen. Zum Beispiel die übersinnliche Gestalt eines Gedankens (wie ein Blitz, wie ein Fels, wie eine konturierte Wolke) oder die Imagination eines Gefühls als Antlitz oder Flügelschlag oder Farbklang usw.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass man zuerst das Organ als solches wahrnimmt, auch wenn das zunächst irritierend sein kann. Man fühlt sich mitunter in der Stirn wie „ver-rückt“. Im Herzbereich können phasenweise Schmerzen entstehen, die mit der Herausbildung neuer Wahrnehmungsfähigkeiten zu tun haben. Wenn man das Organ wahrgenommen hat und es dann schafft, diese Erfahrung auf gesunde und harmonische Weise zu integrieren in das Seelenleben, kann man als nächsten Schritt mit diesem Organ auch anderes wahrnehmen.

der „achtgliedrige Pfad des Buddha“

Beim Kehlkopfchakra hat man einen ganzen Kosmos an Übungen vor sich. An dieser Stelle hat Rudolf Steiner den gesamten Buddhismus in die Anthroposophie integriert. Denn die acht Übungen, die hier anstehen, sind der „achtgliedrige Pfad des Buddha“; da ist das Kernstück des Buddhismus voll und ganz in den anthroposophischen Erkenntnisweg integriert. Die erste Übung heißt: das rechte Vorstellen. Man könnte sagen, sich rechte Vorstellungen von der Welt bilden; auch die Überwindung der Lüge fällt in diesen Bereich. Man merkt, dass man mit dieser Übung nie zu Ende ist. Die zweite Übung: der rechte Entschluss; handle aus bewussten, wohlerwogenen Gründen. Die dritte Übung: das rechte Sprechen; der Geheimschüler soll nur das aussprechen, was Sinn und Bedeutung hat; alles Reden um des Redens willen führt vom Weg ab. Die vierte Übung: das rechte Handeln. Man soll sein Handeln so einrichten, dass es sich harmonisch der Welt einfügt. Diese Übung hängt mit der zweiten eng zusammen. Ab der fünften Übung werden die Übungen umfassender: natur- und geistgemäß leben. Da ist alles mit inbegriffen: Ernährung, Schlaf, Hygiene, Rhythmus … auch damit ist man nie fertig. Die sechste Übung: Strebe nach Vollkommenheit. Das ist ein großes (unerreichbares) Ziel. Die siebte Übung ist quasi die Innenseite davon: ein Leben lang lernen. Das kann auch durch die Tagesrückschau passieren, bei der man sich fragt, was man heute gemacht hat und daraus lernen kann. Man hat es gerade in Bereichen, in denen man schon sehr viel kann, mitunter schwer, eine Kritik anzunehmen, aber genau da ist es umso wichtiger, weiter zu lernen.  Die achte Übung: das rechte Gewissen. Rudolf Steiner legt nahe, dass man sich immer wieder Zeiten schaffen soll, in denen man auf sich selber schaut, sich selbst wie einen Fremden betrachtet und eine Lebensbilanz zieht.

Es ist ein ganzer Kosmos von Übungen, den Buddha gelehrt hat und den Steiner aufgreift und an dieser Stelle mit der Entwicklung des Kehlkopfchakras in den anthroposophischen Erkenntnisweg integriert. Der Buddha hat diese acht Übungen gelehrt, um die Menschen von dem Leid der Wiedergeburt zu befreien.

Rudolf Steiner nimmt dieselben Übungen und stellt sie in einen anderen Kontext

Rudolf Steiner nimmt dieselben Übungen und stellt sie in einen anderen Kontext, nämlich um ein tüchtiger Erdenbürger zu werden und um an der Verwandlung der Erde mitzuwirken!

Die klassische Haltung der Buddhas in vielen Tempeln ist der Schneidersitz und die Fußsohlen sind nach oben, also in den Himmel gerichtet. Es gibt aber auch Bodhisattvas, die einen Fuß nach unten auf die Erde setzen oder auch solche, die beide Füße nach unten richten. Es gibt also im Buddhismus auch eine inkarnierende, erdzugewandte Strömung.

die Herzensübungen

Das nächste Chakra ist das zwölfblättrige Herzchakra. Die von Rudolf Steiner am meisten genannten Übungen sind die Herzensübungen, sie werden von vielen auch „Nebenübungen“ genannt, obwohl Rudolf Steiner dieses Wort nicht benutzt hat. Es geht in der ersten Übung um die Gedankenkonzentration. Gedanklich ganz bei der Sache sein. Bei der zweiten Übung geht es um die Beherrschung des Willens: jeden Tag zur gleichen Zeit eine zweckfreie Handlung ausüben. Das dritte ist Gleichmut und Gelassenheit, nämlich das Auf-und-Ab der Gefühle auszubalancieren. Das vierte ist Positivität, die Kraft, in allem etwas Gutes zu sehen. Das fünfte ist Unbefangenheit, Offenheit, ich würde auch sagen Kindlichkeit. Das sechste ist eine Harmonisierung dieser fünf Übungen.

Bei den drei beschriebenen oberen Chakren kommen wir somit schon auf fünfzehn spirituelle Übungen. Diese Übungen beschreibt Rudolf Steiner sehr ausführlich, die weiteren deutet er nur an. Es scheint mir ein Gesetz dahinter zu stehen: Es ist nicht ratsam für den heutigen, westlichen Menschen, mit den unteren Chakren zu beginnen und sie zu erwecken, ohne den vorbereiteten Weg, wie er gerade beschrieben wurde, zu gehen. Man kann das gut nachvollziehen: In jedem Chakra schlummern Schätze einer uralten Vergangenheit, und es ist ein großer Unterschied, ob ich sie behutsam und aus Freiheit hebe, wecke und anwende oder ob ich ein Feuerwerk von geistigen Erlebnissen habe, das ich aber gar nicht einordnen kann und das mich vielleicht überfordert.

die Beherrschung der äußeren fünf Sinne

Ich bin der Überzeugung, dass es bei den fünf Übungen zum Solarplexus-Chakra um die Beherrschung der fünf klassischen Sinne geht. Rudolf Steiner deutet das nur an: Man soll lernen, nur zu sehen, was man sehen will, nur hören, was man hören will, nur riechen, was man riechen will etc.; er sagt, wenn ein Mensch die Beherrschung der äußeren fünf Sinne hat, würde sofort das Solar-Plexus-Chakra erwachen. Alles, was unbewusst, ohne dass ich selbst nicht dabei bin, einen Eindruck auf mich macht, schwächt das Solar-Plexus-Chakra. Man kann das vielleicht an einem Beispiel nachvollziehen: Wenn man ein spannendes Buch in der U-Bahn liest, schaltet man die anderen Sinne aus, man lebt dann ganz in den Inhalten des Buchs. Um diese Kraft geht es hier. Mit diesem Chakra kann man die geheimen Seiten der Natur und auch des Menschen wahrnehmen, z. B. die Aura. Diese Fähigkeit setzt eine hohe Moralität voraus, denn mit diesem Wissen muss man entsprechend lauter umgehen können.

Die drei Übungen des Sakral-Chakras sind die Beherrschung von Leib, Seele und Geist. Das ist sehr anspruchsvoll und umfassend!

Beim Wurzel-Chakra gibt es zwei Übungen: man soll keinen Illusionen mehr erliegen, weder in der physischen noch in der geistigen Welt.

Natürlich gibt es zur Erweckung der Chakren auch andere Wege über Atemübungen, Körperstellungen, Energiearbeit, mit denen man etwas von diesen Schätzen heben kann, auch sicherlich schneller. Ich selbst habe erlebt, mit welchen starken Kräften man es zu tun hat und war damals sehr froh, dass ich mit dem Stirnchakra begonnen hatte und nicht mit derselben Intensität beim Wurzelchakra. Es ist aber auch ein Stück weit Schicksal, wo ein Mensch bei seiner geistigen Entwicklung hingeführt wird, wo er herkommt und wem er begegnet und was er erlebt.

(Zusammenfassung des Vortrages: Christine Pflug)

Literaturhinweise:

Werner Bohm, Die Wurzeln der Kraft. Chakras – die Kraft der Lotosblumen.

Rudolf Steiner, Die Chakren. Sinnesorgane der Seele, herausgegeben von Andreas Neider.

Volker Fintelmann & Steffen Hartmann, Mit Widar Zukunft schaffen, im letzten Kapitel werden Anregungen gegeben zur Entwicklung der Chakren verbunden mit Widar, Michael und Christus.