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Aus der Not eine Tugend machen 

sogenannte Doppelgänger-Wirkungen im Seelischen verstehen und kontrollieren lernen

Artikel von Prof. Dr. Till Florschütz, Psychotherapeut

Die unliebsamen inneren Notstände und Ungereimtheiten des seelischen Lebens, die vermeintlich dunklen Anteile der Psyche, werden oft unter den Bezeichnungen „Schatten“ oder „Doppelgänger“ subsumiert. Wie können wir mit ihnen umgehen? Gibt es Möglichkeiten, sie zu verwandeln? 

Vorliegender Artikel von Till Florschütz sind Auszüge aus seinem Vortrag in der Christengemeinschaft Volksdorf am 21.Oktober 2021 im Rahmen der Michaeli-Vortragsreihe „Ringen mit der Finsternis“.

Till Florschütz ist als Psychotherapeut und Musiktherapeut, in Hamburg-Eißendorf niedergelassen. Er forscht und promovierte zu den Grundlagen einer anthroposophisch begründeten Künstlerischen Psychotherapie und lehrt als Professor für Künstlerische Therapie im Musiktherapiestudium an der Medical School Hamburg.

Die unliebsamen inneren Notstände und Ungereimtheiten des seelischen Lebens, die widerständigen, unvollkommenen, hinderlichen, vermeintlich dunklen Anteile der Psyche, werden oft unter den Bezeichnungen „Schatten“ oder „Doppelgänger“ subsumiert, wobei in der Psychologie, insbesondere auf C. G. Jung avisierend, eher vom Schatten und im Rahmen der anthroposophischen Geisteswissenschaft eher vom Doppelgänger gesprochen wird. In zahlreichen Kontexten werden beide Begriffe synonym verwendet.

Ich möchte jedoch anregen, hier im Dienste eines praktischen Vorgehens zu unterscheiden und hierfür mehr dem jeweils verwendeten Begriff selbst nachzugehen, als der zum Beispiel psychologischen „Tradition“ seiner Verwendung (z.B. als die „dunkle“ oder „ungeläuterte“ Seite des Menschen insgesamt): Im physischen Leben ist der Schatten etwas uns anhaftendes, es macht keinen Sinn ihn „weghaben“ oder „loswerden“ zu wollen, nicht wahr? Dies wäre nur in der totalen Finsternis möglich oder durch Selbstauflösung. Auf das Seelische übertragen wäre beides nicht eben anstrebenswert. Von daher können wir die viel zitierte Prämisse des Annehmens und Akzeptierens hier gelten lassen. Der Schatten gehört dazu und er darf da sein. Problematisch wird es, wenn wir ihm „hinterhergehen“. Dann laufen wir in die Irre.

ein alter, sozusagen archaischen Impuls

Der Argwohn gegenüber dem nachbarlichen Herbstlaub auf unserem Rasen zum Beispiel wäre so ein typisches „Schattenphänomen“. Mit dem richtigen Abstand dazu werden wir darüber lächeln können, gleichzeitig während er noch fühlbar ist. Dieser Schattenanteil z.B. hat ggf. etwas mit „Revierverhalten“ zu tun, einem alten, sozusagen archaischen, quasi konstitutionellem Impuls. Den können wir „so lassen“. Eine Übung zu machen, diesen Impuls nicht zu fühlen, wäre nicht zielführend. Eine Übung zu machen, um dem nicht nachzugehen oder unsere Einstellung dazu zu ändern hingegen, wäre überaus vernünftig. Den Baum des Nachbarn abzusägen, wäre eine böse, ggf. „irre“ Tat…

Dagegen andere dunkle oder belastende seelische Impulse „loswerden“ zu wollen, kann sehr vernünftig sein, zum Beispiel, wenn es um ein „Introjekt“ ginge, eine Übernahme, die ein Mensch sich im Rahmen einer Traumatisierung zugezogen haben könnte. Um diese aufzulösen ist jedoch ganz überwiegend ein therapeutischer Rahmen notwendig.

Bei einem seelischen Doppelgänger-Phänomen kann es demgegenüber in der Regel nicht um Annehmen, Integration oder auch „Rausschmiss“ gehen, sondern im Sinne von Gesundung und Entwicklung um Umarbeitung, Kontrolle und/oder Verwandlung, so wäre jedenfalls meine These. Natürlich ist es zunächst hilfreich zu akzeptieren, derartige Strukturen zu haben. Wer hat die nicht? Aber sie zu „lassen“ wäre voraussichtlich kein guter Weg. Doppelgänger können uns krank machen, in Verhärtung gehen, unser soziales Leben nachhaltig destabilisieren uvm.

Was ist hier genauer mit „Doppelgänger“ gemeint?

Wenn Ihnen ein Freund aufgeregt erzählte, Sie hätten einen Doppelgänger, was würde er damit meinen? Wahrscheinlich hätte er dann doch jemanden gesehen, der so aussieht wie Sie, oder zumindest sehr ähnlich. Möglicherweise hätte er ihn oder sie angesprochen und erst dann bemerkt: Sie sind es gar nicht. – Eine Verwechslung also…

Dieses Phänomen kennen wir ggf. auch aus unserem Selbsterleben. Ein Doppelgänger wäre hier ein Anteil unseres spontanen personalen Wirkens, den wir selbst und andere zunächst für uns selbst halten, der jedoch – wie uns dann meistens im Nachklang deutlich wird – einer anderen Quelle folgt als unserem Ich/unserer eigenen Intention. Das Ich selbst folgt ggf. einem bewusst entschiedenen Motiv, es ist initiativ, intentional, möglicherweise handelt es intuitiv…

Oft handeln wir aber unwillkürlich auf eine Weise, die wir „eigentlich“ entschieden nicht wollen. Anders als beispielsweise bei einer Depression oder einer Angst, die wir ggf. als „fremd“ und bedrohlich in uns empfinden, sind wir in der Gegenwart unseres spontanen Reagierens in Denk- oder Handlungsmustern ganz überzeugt, wir selbst zu sein, aus uns selbst zu handeln – eine Verwechslung eben. Einen Tag später kann es dann sein, dass wir den z.B. von unserem unangemessenen Verhalten Betroffenen am liebsten sagen würden: „Eigentlich bin ich ganz anders.“

Natürlich ist es eine naheliegende Möglichkeit, durch Selbstdisziplin und Besonnenheit in vermeintlich schwierige Situationen zu gehen und zu versuchen, sich von impulshaft an bestimmten Belastungen entzündenden Denk- oder Handlungsmustern nicht führen zu lassen. Allerdings erfordert dies eine nahezu durchgehend geistesgegenwärtige Wachsamkeit bzw. Achtsamkeit den Alltag hindurch – ein mögliches, aber auch schwieriges Unterfangen.

Mitunter deutlich leichter ist es nach meiner Erfahrung, diesbezügliche Engstellen des Alltags zunächst außerhalb der kritischen Situationen und doch ganz konkret zu üben. Hier ein Beispiel für ein schrittweises Vorgehen:

1) In der abendlichen Rückschau auf den Tag oder die Woche wählen wir eine Situation, in der wir auf eine typische und uns bekannte Weise unvermittelt sehr anders gehandelt haben, als wir das eigentlich selbst angemessen finden.

Das könnte zum Beispiel unser spontanes Verhalten einem Kind gegenüber sein, indem wir unangemessen scharf, genervt, laut oder grob reagiert haben. Im Nachklang solcher Szenen können wir uns in der Regel leicht vergegenwärtigen, z.B. dass das unser Reaktionsmuster auslösende Verhalten des Kindes nicht wirklich gegen uns gerichtet und ein „Selbstverteidigungsmodus“ unsererseits aus unterschiedlichen Gründen eher deplatziert war. Das wissen wir dann oft „sowieso“, dennoch haben wir vielleicht „mal wieder“ überreagiert.

Diese Szene versuchen wir nun so zu erinnern, dass wir uns selbst und alle wichtigen Beteiligten im Erinnerungsbild von außen sehen bzw. imaginieren. Wir bestimmen Anfang und Ende der zu erinnernden Szene und schauen uns diese in Ruhe und möglichst konzentriert als „inneren Film“ an.

Wichtig ist, nicht in die Szene „hineinzurutschen“, sondern in der Perspektive von außerhalb auf uns selbst zu bleiben. Anders als in der Rückschau im Rahmen der anthroposophischen Schulung nehmen wir hier außerdem eine explizit wohlwollende freundliche Haltung ein. Wir schauen auf uns selbst, wie auf eine gute Freundin/einen guten Freund, ohne zunächst das Geschehen kritisch zu bewerten oder zu interpretieren.

wiederholende Betrachtung von außen

Allein diese Art der wiederholenden Betrachtung von außen birgt einige Vorteile:

– Die Perspektive von außen mit einem gewissen Abstand entlastet unsere Betroffenheit.

Dies gilt sowohl für (den hier imaginierten) räumlichen, als auch für einen zeitlichen Abstand. Wenn die Dinge lange her sind, können wir eher mit einer gewissen Leichtigkeit darauf zurückschauen. Ich erinnere mich an eine Patienten-Mutter, die lachend erzählte, wie ihr Sohn – als sehr kleines Kind – vor langer Zeit – mit Papas tollem neuen Hammer auf der Elfenbein-Klaviatur von Mamas tollem alten Flügel Musik machte… Alle mit-hörenden Eltern anderer Kinder hatten herzlich mitgelacht. Die Gegenwart dieses Ereignisses war aber vermutlich ein eher düster erlebter Tag in der Familiengeschichte der Erzählenden. Wir alle kennen wohl dieses Phänomen.

Unverdautes integrieren

– Die Perspektive von außen hilft dabei – so Rudolf Steiner – seelisch „Unverdauliches“, auch ältere und alte unverarbeitete im Seelischen isolierte Erlebnisse, zu integrieren (womit hier nicht die Doppelgängerstrukturen selbst gemeint sind, sondern die daran entstandenen, in der Erinnerung sonst ggf. triggernden seelischen Verletzungen).

– Die Perspektive von außen ermöglicht ein spontanes Sinn-Verstehen.

Auf dieses Phänomen geht zurück, dass wir andere, eben weil wir von außen auf sie schauen, in der Regel besser, „durchblickender“ und Ideen-reicher beraten können als uns selbst. Die Von-Außen-Perspektive fördert darüber hinaus auch das Verstehen der übergeordneten Doppelgänger-Dynamik jeweiliger Situationen, sozusagen die „Funktionsweise“.

– Die Perspektive von außen „wie auf eine Freundin“ ermöglicht es, schnelle abwertende Urteile über uns selbst oder resignierende Bewertungen zu vermeiden.

Wenn wir tatsächlich in der Situation sind, der Schilderung einer guten Freundin zuzuhören, die Ähnliches erlebt, stellen sich diese schnellen Abwertungen nicht ein.

Allein dieser erste Schritt des Übens mit seinem doch vielschichtigen Potenzial ermöglicht mit der Zeit oft schon eine hilfreiche neue Haltung den geübten Engpass-Situationen gegenüber und damit verbunden zu reflektierteren Reaktionsweisen. Wir können diesen zunächst mehrere Tage lang wiederholen oder wir schließen den zweiten Teil direkt an:

2) Wir entscheiden wir uns für eine Auswahl alternativer Verhaltensweisen: kongruentere, vermeintlich vernünftigere, komische, verspieltere, kreative, ernste …, wie auch immer. Hier dürfen Phantasie, Vernunft und Humor gemeinsam und freundschaftlich ans Werk gehen. Die schauen wir uns wiederum im inneren Bild, sozusagen als von uns selbst entworfenen inneren Film an. Auch in diesem Schritt ist es wichtig, dass wir uns selbst während der Betrachtung/Imagination der Szene durchgehend von außen sehen.

3) Im dritten Schritt wählen wir nun eine uns geeignet oder wünschenswert erscheinende Version der Handlung aus und spielen diese für eine mögliche zukünftige Situation wie in einem „Tagtraum“ durch, d. h. diesmal stellen wir sie nicht mehr von außen vor, sondern so, wie wir sie aus unseren eigenen Augen als Teilnehmende sehen und erleben würden.

Und das hilft?

Nach meiner Erfahrung im Rahmen vieler Beratungen: ja, vorausgesetzt ein solches Üben ist im Alltag für sagen wir 10 Minuten täglich wirklich umsetzbar.

Nach einer Zeit solchen Übens erreichen wir mindestens eine Erweiterung unseres auch unbewussten Reaktions-Repertoires auf das wir im Stress des Alltags, wenn auch wiederum unbewusst oder unwillkürlich, zunehmend häufiger spontan zurückgreifen können, und dann im Nachklang bemerken, dass hier ein neu geübtes Muster zum Tragen gekommen ist.

In der Regel erreichen wir jedoch nach beharrlichem Üben auch eine bewusste Unterbrechung des (Doppelgänger-) Impulses, da wir kritische Szenen bereits im Entstehen erkennen und unser Üben daran in und an der sich anbahnen wollenden Situation direkt erinnern. Daran wachen wir sozusagen kurz auf, sodass wir „Luft“ bekommen, eine Entscheidung zu treffen. Die entstehende Ich-hafte Bewusstheit und Entscheidung „entmachtet“ den Doppelgängerimpuls, oder anders gesagt, sie neutralisiert das automatische Handlungsmuster oder Denkmuster, indem nun das Ich führt.

Vor welchem Hintergrund entsteht diese Möglichkeit?

Die hier gemeinten Doppelgängerstrukturen, die auf dem exemplarisch beschriebenen Weg veränderbar sind, wirken auf der Ebene des sogenannten Astralleibes und damit auf einer Wesensglieder-Ebene unterhalb des Ich. Deshalb lassen sie sich vom Ich führen (wenn es führt), also aus der „Geistesgegenwart“, der bewussten Initiative, aus dem in der Gegenwart wirkenden bewussten Willen. Immer wenn jedoch das Ich nicht führt, und das ist im Alltag eben häufig der Fall, dann führen diese Strukturen eben selbst …

Lassen sich alle unwillkürlichen unbewussten Impulse und Schemata auf diesem Weg verändern?

Nein, das nicht, aber ein nach meiner Erfahrung sehr großer Teil „nicht krankheitswertiger“ (also nicht oder noch nicht in der tieferen Konstitution verfestigten) uns im Alltag aber häufig bestimmenden destruktiven Handlungs- und Gedankenmuster. Und das ist eine sehr gute Entlastung!

Hilfreich ist, nach und nach mehrere Impulsdurchbruch-Themen auf diese Weise exemplarisch durchzuüben, vor allem die, die anderen und/oder uns selbst Schaden oder Sorgen bereiten und/oder unser Selbstwertgefühl oder unsere Selbstachtung ins Wanken bringen. Jedes sich wiederholende quasi automatisch impulshafte Handeln (oder nicht-Handeln, Verstummen, Vermeiden, Rückzug usw.) als auch ebenso impulshaft und unreflektiert wirksam werdende Glaubenssätze (Denkmuster/Kognitionen) und die hiermit ausgelösten, gegebenenfalls aber gänzlich situationsunangemessenen Gefühle bieten ein geeignetes Übungsfeld.

mit Doppelgängern „sprechen“?

Im Rahmen dieses Übens kann es hilfreich sein, den automatischen Handlungsimpuls zusammenfassend zu benennen, der – folgen wir Rudolf Steiner – schon von sich aus den Charakter eines eigenständig Wesenhaften hat oder bekommen kann. Vor einem anthroposophischen Hintergrund verstanden, können wir den Wesenscharakter solcher Strukturen in unserer Arbeit mit berücksichtigen, indem wir diese Struktur explizit „ansprechen“. Hierzu gibt es sowohl im Rahmen der anthroposophischen Schulung und/oder Therapie- und Beratungspraxis als auch im Kontext anderer, zum Beispiel psychotherapeutischer Sichtweisen ausgearbeitete Strategien, wie zum Beispiel der Ego-State-Therapie oder der sogenannten Teile-Arbeit in systemischen Kontexten.

Für Menschen, die insgesamt noch zurückhaltend oder unsicher sind, überhaupt auf der allgemeinen Wesensebene zu kommunizieren, wäre es für ein unbegleitetes Üben dann zunächst aber sicher angemessen, erst einmal im sozusagen „positiven“ und allgemeinen Bewusstseins- und Wesensfeld aktiv zu kommunizieren. Dies ist ja auch für spirituell Übende durchaus nicht selbstverständlich. Welche Anthroposophin/welcher Anthroposoph „glaubt“ nicht an die Beseeltheit der Natur durch Pflanzen- und Elementarwesen, bzw. hat sich die Überzeugung oder Gewissheit diesbezüglich im Rahmen eines anthroposophischen Studiums erarbeitet? Aber wie viele von uns sagen dann auch „Guten Tag“, wenn sie in den Wald kommen? Dererlei Wesen noch nicht wahrnehmen zu können, scheint kein wirklicher Grund für diese möglicherweise etwas unhöfliche Zurückhaltung. Auch ein blinder Mensch wird ja nicht ohne Gruß in unser Haus kommen.

Gehen wir nicht sogar einigermaßen sicher davon aus, immer von „Wesen“ umgeben oder begleitet zu sein, von Elementarwesen, Engeln, Meistern …? Sagen (oder denken, imaginieren …) wir dann zumindest beim morgendlichen Aufwachen ein freundliches „Guten Morgen“ – oder nehmen anderweitig kommunizierend Bezug?

In „stiller Versenkung“ – wenn wir einmal wieder dazu kommen – in uns hineinzulauschen, ob vielleicht ein Wesen sein Wort an uns richten möchte, ist allein möglicherweise hier noch kein wirklich ausreichendes Kommunikationsangebot (bei aller Wertschätzung für jedwedes meditative Bemühen).

Und abgesehen von der Frage spiritueller Höflichkeit und „interdimensionaler“ Wertschätzung: Vielleicht müssen wir nicht wahrnehmen und kommunizieren können, um anzufangen zu kommunizieren, sondern wir müssten anfangen zu kommunizieren, um Wahrnehmen- und Kommunizieren-Können zu entwickeln…

Hiermit dann aber ausgerechnet bei den „inneren Widersachern“ zu beginnen, scheint meines Erachtens nicht wirklich ratsam. Wenn jedoch ein inneres Gespräch mit der Wesensebene, durch die wir uns getragen fühlen, gut etabliert ist, kann dagegen durchaus ein Benennen und Ansprechen einer uns bekannten doppelgängerhaften seelischen Struktur zusätzlich sehr hilfreich sein, um diese zu begrenzen und ein anderes, bewusst entworfenes Verhaltens- oder Denk-Muster „aufzurufen“.

Hierbei wird es insbesondere wichtig sein, immer wieder zu prüfen, ob ein solches Ansprechen tatsächlich jeweils auf der wachen und bewussten Entschiedenheit und der freien Initiative der Ich-Ebene beruht, und ich mir überdies des imaginativen Charakters meines Modells bewusst bleibe, um nicht in ein inneres „Selbstgespräch-Theater“ zu versinken, in dem dann „Astralimpuls“ mit „Astralimpuls“ ringt. – Auch für die zunehmend populärer werdende Arbeit am „inneren Kind“ (oder „Schattenkind“/ „Sonnenkind“ u.a.) wäre diese Reflexion meines Erachtens zu berücksichtigen.

Die oben beschriebene 3-schrittige Übung ist möglicherweise ein wenig langsamer, ist aber meines Erachtens für die Arbeit ohne Begleitung und ohne „Kommunikationsroutine“ auf der Wesensebene deutlich sicherer und damit ggf. zielführender.

Ist eine „Umarbeitung“ eines mir und anderen hinderlichen, im seelischen vagabundierenden Automatismus zu einem guten Teil gelungen, ist ganz im Wortsinn „aus einer Not eine Tugend“ gemacht. Hier profitieren wir in unserem Alltag und für unser allgemeines Lebensglück. Nebenbei ist aber auch ein Stück des Schulungsweges gegangen, denn, folgen wir diesbezüglich den Ausführungen Rudolf Steiners, ist, mehr als ein gewisser Grad glücklich „angeborenen“ Mangels an seelischen Problematiken, eine durch Ich-Tätigkeit errungene Tugend der spirituellen Selbstentwicklung noch deutlich hilfreicher – und so ein Teil der astralischen Wesensgliederschicht zum Besseren und uns und anderen Verträglicheren gewandelt.